Sieben Jahre nach der Großinsolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019 zieht sich die Abwicklung der deutschen Konzerngesellschaften weiter hin.
Trotz des zügigen Verkaufs wesentlicher Betriebsteile und Markenrechte kurz nach Verfahrenseröffnung warten zahlreiche frühere Angestellte noch immer auf die Erfüllung offener Finanzforderungen. Während gesetzlich abgesicherte Insolvenzgeldansprüche für die letzten drei Monate vor der Eröffnung über die Bundesagentur für Arbeit beglichen wurden und auch die sogenannten Masseverbindlichkeiten der Fortführungsphase abgearbeitet sind, bleiben weitergehende Ansprüche offen.
Im Mittelpunkt der verbliebenen Mitarbeiterforderungen stehen Ansprüche aus vereinbarten Sozialplänen sowie nicht gedeckte Gehaltsbestandteile und Bonuszahlungen. Das zuständige Insolvenzverwalterteam verweist darauf, dass diese Sozialplanforderungen erst nach dem vollständigen Abschluss aller Verwertungsmaßnahmen berechnet und quotal verteilt werden können. Ein konkreter Zeitrahmen für den finalen Verfahrensabschluss fehlt weiterhin, da komplexe Rechtsstreitigkeiten im In- und Ausland die Verwertung des verbliebenen Konzernvermögens verzögern. Die Lage betrifft Arbeitnehmer der Thomas Cook GmbH, der Thomas Cook Touristik GmbH sowie weiterer Tochtergesellschaften.
Der Rückblick auf die Verwertung zeigt ein gespaltenes Bild zwischen Unternehmensverkäufen und den Interessen der Gläubiger. Den Insolvenzverwaltern gelang ab Ende 2019 der Verkauf verschiedener Konzernsparten, darunter die Veräußerung der Kette Alpha Reisebüropartner an RTK, die Abgabe von 106 Reisebüros an Galeria Karstadt Kaufhof sowie der Verkauf von Bucher Reisen, Öger Tours und der Marke Neckermann Reisen an die Anex-Gruppe. Zudem übernahm die heutige Dertour Group die Markenrechte an Sentido Hotels & Resorts, wo durch internationalen Forderungseinzug eine Vollbefriedigung der dortigen Gläubiger erreicht wurde. Dennoch reichten diese Erlöse im Hauptverfahren bisher nicht aus, um die ausstehenden Ansprüche der ehemaligen Belegschaften vorzeitig zu bedienen.
Neben dem früheren Personal mussten bereits in den Jahren nach der Pleite zahlreiche Leistungsträger wie Reisebüros, Hoteliers und Zielgebietsagenturen erhebliche Provisions- und Forderungsausfälle verbuchen. Die Pleite des Traditionskonzerns leitete eine Phase der Marktkonzentration im deutschen Touristiksektor ein, die durch die darauffolgenden Einschränkungen während der Pandemie noch verstärkt wurde. Die endgültige Quotenregelung für die Altgläubiger der deutschen Thomas-Cook-Hauptgesellschaften bleibt vom Ausgang der noch anhängigen Gerichtsverfahren abhängig.