Ein ehemaliger leitender Flugbegleiter der singapurischen Billigfluggesellschaft Scoot muss sich wegen langjähriger Veruntreuung von Firmengeldern verantworten. Der 31-jährige Mann hat nach aktuellen Ermittlungsstand zwischen Juli 2023 und März 2025 bei insgesamt 366 Vorfällen Bargeld aus dem Bordverkauf unterschlagen.
Die Gesamtsumme der entwendeten Gelder beläuft sich auf nahezu 40.000 Singapur-Dollar, was etwa 26.600 Euro entspricht. Die Unterschlagungen betrafen die täglichen Einnahmen aus dem Verkauf von Verpflegung und Getränken an Bord der Maschinen. Vor Gericht bekannte sich der ehemalige Kabinenchef bereits in einem zentralen Anklagepunkt schuldig, während weitere Vorwürfe im Rahmen der Strafzumessung berücksichtigt werden sollen.
Die Untersuchung der Tatserie ergab, dass der Mann ursprünglich zwei Taschen mit Bargeldeinnahmen verloren hatte. Aus Furcht vor disziplinarischen Konsequenzen und nachdem der initiale Verlust unbemerkt geblieben war, begann er systematisch, weitere Einnahmen einzubehalten, um sein Handeln zu verschleiern oder persönliche Engpässe zu überbrücken. Dieser Fall verdeutlicht Schwachstellen in den internen Kontrollsystemen für Bargeldtransfers bei Bordverkäufen, die über einen Zeitraum von fast zwei Jahren nicht griffen. Die Fluggesellschaft Scoot, eine Tochtergesellschaft von Singapore Airlines, bestätigte inzwischen offiziell, dass das Arbeitsverhältnis mit dem Beschuldigten bereits beendet wurde, gab jedoch unter Verweis auf das laufende Verfahren keine Details zu künftigen Sicherheitsanpassungen bekannt.
Zusätzliche Recherchen im Umfeld der singapurischen Justiz zeigen, dass das Strafmaß für Untreue in einem Vertrauensverhältnis im Stadtstaat Singapur empfindliche Gefängnisstrafen und hohe Geldstrafen vorsehen kann. Der Vorfall wirft zudem ein Licht auf die operative Abwicklung von Low-Cost-Carriern, die zur Gewinnmaximierung stark auf Nebeneinnahmen durch den Verkauf von Speisen und Produkten an Bord angewiesen sind. Branchenkenner weisen darauf hin, dass die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs an Bord, etwa durch die ausschließliche Akzeptanz von Kreditkarten, solche Betrugsfälle künftig verhindern soll. In vielen asiatischen Märkten ist die Barzahlung jedoch nach wie vor verbreitet, was die logistische Kontrolle der Bargeldbestände nach der Landung erschwert.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von internen Sicherheitsvorfällen bei regionalen Fluggesellschaften, die den Druck auf das Kabinenpersonal und die Notwendigkeit robusterer Abrechnungssysteme unterstreichen. Während die Fluggesellschaft den Prozess nicht weiter kommentiert, betonen Rechtsexperten in Singapur die abschreckende Wirkung des Verfahrens. Die endgültige Urteilsverkündung wird für die kommenden Monate erwartet. Der finanzielle Schaden für das Unternehmen ist zwar im Verhältnis zum Gesamtumsatz gering, der Imageschaden durch den Vertrauensbruch eines leitenden Angestellten wiegt jedoch schwerer, insbesondere da der Mann als Kabinenchef eine Vorbildfunktion für unterstellte Mitarbeiter innehatte.