Der 6. Januar 2026 ist ein besonderes Datum die Chronik der internationalen Luftfahrt: Genau einhundert Jahre ist es her, dass die erste Luft Hansa in Berlin ins Leben gerufen wurde. Dieses Jubiläum nimmt das Unternehmen zum Anlass, eine Bilanz zu ziehen, die weit über die bloße Erfolgsgeschichte eines Weltkonzerns hinausgeht.
Es ist eine Erzählung von technologischem Pioniergeist, ökonomischer Expansion und einer wechselvollen Identität, die sich zwischen Tradition und radikalem Neuanfang bewegt. Mit dem offiziellen Erstflug am 6. April 1926 begann eine Entwicklung, die den Kranich zu einem globalen Markenzeichen für Mobilität und wirtschaftliche Verflechtung machte. Das Jubiläumsjahr 2026 steht nun ganz im Zeichen einer umfassenden Retrospektive sowie einer technologischen Weichenstellung für das kommende Jahrhundert.
Die Wurzeln der Lufthansa liegen in der Konsolidierung der jungen deutschen Luftverkehrswirtschaft der 1920er Jahre. Durch den Zusammenschluss der Reederei Aero Lloyd und der Flugzeugwerft Junkers Luftverkehr entstand am 6. Januar 1926 jener Akteur, der den zivilen Luftraum über Europa und bald auch darüber hinaus dominieren sollte. Die Gründungsphase war geprägt von dem Drang, die Isolation nach dem Ersten Weltkrieg zu durchbrechen und Deutschland wieder an die globalen Verkehrsströme anzubinden. Bereits in den ersten Jahren gelangen bahnbrechende Leistungen, wie die Erschließung von Postrouten über den Südatlantik und die Etablierung erster Linienverbindungen in den Fernen Osten. Diese Ära des Aufbruchs legte das Fundament für das Selbstverständnis der Marke als Innovationsführer.
Historische Verantwortung und die Aufarbeitung der Vergangenheit
Das Jubiläum im Jahr 2026 dient jedoch nicht nur der Feier technischer Errungenschaften. Die Konzernführung betont ausdrücklich, dass die Geschichte der Lufthansa untrennbar mit den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte verbunden ist. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Fluggesellschaft zu einem integralen Bestandteil des Unrechtsregimes. Sie diente nicht nur der Repräsentation und dem Transport der Führungseliten, sondern war auch tief in die Rüstungswirtschaft und die Logistik des Krieges verstrickt. Ein besonders belastendes Thema stellt dabei der Einsatz von Zwangsarbeitern in den Instandsetzungswerken dar.
Zum hundertsten Geburtstag intensiviert das Unternehmen die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Jahre. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, in denen die Traditionslinie oft erst mit der Neugründung im Jahr 1953 angesetzt wurde, bekennt sich der Konzern heute zu seiner Gesamthistorie. Die Jahre von 1926 bis zum Zusammenbruch im Jahr 1945 werden als Teil der Unternehmens-DNA begriffen, deren Erforschung eine ethische Verpflichtung für die heutige Corporate Governance darstellt. Diese kritische Reflexion soll im Jubiläumsjahr durch Publikationen und Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Der Neuanfang und die Ära des Jet-Zeitalters
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Liquidation der ursprünglichen Gesellschaft dauerte es bis 1953, ehe die rechtliche Basis für eine neue nationale Fluggesellschaft geschaffen wurde. Mit der Gründung der Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf, die kurz darauf den traditionsreichen Namen Lufthansa übernahm, begann der Wiederaufstieg. Der erste Linienflug der neuen Ära fand im Jahr 1955 statt. Dieser Neustart erforderte erneut einen immensen Pioniergeist, da die technische Infrastruktur und das Vertrauen internationaler Partner von Grund auf neu erarbeitet werden mussten.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Lufthansa zum Motor des Wirtschaftswunders im Bereich der Dienstleistungen. Mit dem Eintritt in das Jet-Zeitalter durch die Einführung der Boeing 707 im Jahr 1960 und später der Boeing 747 im Jahr 1970 veränderte die Fluggesellschaft das Reiseverhalten der Bevölkerung grundlegend. Der ehemals exklusive Luftverkehr wurde zunehmend einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, was zu einer massiven Ausweitung der Flotte und des Streckennetzes führte. Heute beschäftigt die Lufthansa Group rund 100.000 Menschen aus über 160 Nationen und ist damit einer der größten Arbeitgeber der globalen Transportbranche.
Ein Jahr im Zeichen des Kranichs: Aktivitäten und Events
Das Jubiläumsjahr 2026 wird durch eine Vielzahl von Veranstaltungen und Maßnahmen begleitet, die sowohl die Kunden als auch die Belegschaft einbeziehen. Unter dem zentralen Motto We are the Journey wird die Verbundenheit zwischen dem Unternehmen, seinen Gästen und den Mitarbeitern thematisiert. Ein wesentlicher Bestandteil der Feierlichkeiten ist die Eröffnung einer permanenten Ausstellung im Lufthansa Group Hangar One. Dort wird die technische Evolution der Fluggeräte von den Doppeldeckern der Anfangstage bis zu den modernen Langstreckenjets der Gegenwart anschaulich dokumentiert.
Für die breite Öffentlichkeit wird das Jubiläum durch eine groß angelegte Plakatkampagne in vielen europäischen Innenstädten sichtbar. Ikonische Aufnahmen aus der Werbegeschichte und historische Meilensteine sollen die emotionale Bindung zur Marke stärken. Zudem wird ein umfassendes Geschichtsbuch veröffentlicht, das den aktuellen Stand der historischen Forschung zusammenfasst. Auch an Bord wird das Jubiläum präsent sein: Bordkarten, Menükarten und Lounges erhalten das spezielle Signet zum 100-jährigen Bestehen, um die Bedeutung des Datums bei jedem Flug spürbar zu machen.
Die Jubiläumsflotte: Fliegende Botschafter der Tradition
Ein besonderer Höhepunkt für Luftfahrtenthusiasten und Passagiere ist die Vorstellung der Jubiläumsflotte. Insgesamt sechs Flugzeuge verschiedener Typen erhalten Sonderlackierungen, die das hundertjährige Bestehen würdigen. Zu dieser exklusiven Auswahl gehören Flaggschiffe wie der Airbus A380, die Boeing 747-8 sowie die hocheffizienten A350-Modelle. Diese Flugzeuge fungieren als fliegende Botschafter, die das Jubiläum auf alle Kontinente tragen.
An der Spitze dieser Flotte steht eine fabrikneue Boeing 787-9 mit dem Taufnamen Berlin. Das Flugzeug mit der Kennung D-ABPU wurde erst kurz vor dem Jahreswechsel direkt aus dem Werk in den USA nach Frankfurt überführt und wird im Januar 2026 seinen regulären Liniendienst aufnehmen. Neben den modernen Designs wird es zwei Flugzeuge in sogenannten Retro-Lackierungen geben. Diese Entwürfe greifen historische Farbschemata früherer Jahrzehnte auf und kombinieren sie mit der modernen Linienführung heutiger Flugzeugtypen. Damit wird eine visuelle Brücke zwischen der Ära der Propellermaschinen und der digitalen Luftfahrt der Gegenwart geschlagen.
Das Symbol der Beständigkeit: Der Kranich von Otto Firle
Trotz aller technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen ist ein Element über das gesamte Jahrhundert hinweg nahezu unverändert geblieben: das Markenzeichen. Der stilisierte Kranich, der im Jahr 1918 von dem Grafiker Otto Firle entworfen wurde, ziert seit der Gründung 1926 die Leitwerke der Maschinen. Er gilt heute als eines der weltweit bekanntesten und wertvollsten Logos. Für das Unternehmen symbolisiert der Kranich jene Kontinuität, die selbst Krisen, Kriege und radikale Marktumbrüche überdauert hat. Er steht für den Premiumanspruch und die Zuverlässigkeit, die Lufthansa auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens als Kernversprechen an ihre Kunden beibehalten möchte.
Mit dem Blick auf die kommenden Jahrzehnte investiert der Konzern massiv in die Erneuerung der Flotte und die Digitalisierung der Serviceketten. Das Jubiläum markiert somit nicht nur einen Endpunkt der ersten hundert Jahre, sondern wird als Startschuss für eine neue Ära begriffen. Die Herausforderungen des globalen Wettbewerbs und die Anforderungen an eine effiziente Logistik im 21. Jahrhundert stehen dabei im Zentrum der strategischen Planung. Das Unternehmen blickt stolz auf eine hundertjährige Reise zurück, wohlwissend, dass die Innovationskraft von heute die Tradition von morgen begründet.