Black Hawk S70 (Foto: Bundesheer).
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Ein Klassiker im Wandel: Die Vereinigten Staaten rüsten den Black Hawk für das 21. Jahrhundert

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Über vierzig Jahre nach seiner Indienststellung ist der Black Hawk Hubschrauber der amerikanische Inbegriff der militärischen Luftfahrt. Nun steht das robuste Arbeitspferd der US-Armee vor dem größten Technologiewandel seiner Geschichte. Die Firma Sikorsky, ein Teil des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Lockheed Martin, hat einen bedeutenden Kontrakt in Höhe von 43 Millionen Dollar erhalten, um die nächste Phase der Modernisierung des legendären Hubschraubers einzuleiten.

Im Zentrum der Anstrengungen stehen die Integration von unbemannten Flugsystemen (UAS), die Entwicklung eines digitalen Rückgrats, das den Black Hawk für zukünftige Upgrades fit macht, und die allgemeine Stärkung der Zelle. Der Hubschrauber, der in über 36 Ländern im Einsatz ist und auf über 15 Millionen Flugstunden, davon fünf Millionen in Kampfeinsätzen, zurückblickt, wird damit nicht ersetzt, sondern für die Anforderungen moderner Kriegsführung weiterentwickelt. Die Bemühungen unterstreichen das langfristige Vertrauen der US-Armee in die bewährte Plattform, die auch in den kommenden Jahrzehnten eine tragende Säule der militärischen Luftfahrt bleiben soll.

Ein Veteran auf dem Weg in die Moderne

Seit seiner Einführung in den späten 1970er Jahren hat sich der Black Hawk, insbesondere in seiner Version UH-60, als unverzichtbares Element für eine Vielzahl von militärischen Missionen etabliert. Seine Vielseitigkeit als Truppentransporter, MedEvac-Helikopter, Luftunterstützungsplattform und für Such- und Rettungseinsätze hat ihn zu einem der am weitesten verbreiteten und erfolgreichsten Helikopter der Welt gemacht. Von den sandigen Wüsten des Nahen Ostens bis zu den zerklüfteten Landschaften des Indo-Pazifiks hat der Black Hawk seine Zuverlässigkeit und Robustheit in unzähligen Einsätzen unter Beweis gestellt. Die Entscheidung der US-Armee, die Flotte nicht durch ein komplett neues System zu ersetzen, sondern durch gezielte, technologische Maßnahmen aufzuwerten, ist auch ein pragmatischer Schritt. Die schiere Größe der Black-Hawk-Flotte in den Vereinigten Staaten macht einen Austausch in absehbarer Zeit unmöglich. Die Modernisierung ist somit eine kosteneffiziente Methode, um die Relevanz und Kampfkraft der bestehenden Flotte zu erhalten.

Die nun bewilligten Mittel dienen dazu, die Ingenieursarbeiten für die nächste Entwicklungsphase zu finanzieren. Es ist ein Investment, das die Plattform befähigen soll, den Anforderungen des digitalen Zeitalters und den sich wandelnden Bedrohungen auf dem modernen Gefechtsfeld gerecht zu werden. Hamid Salim, Vizepräsident der US Army and Air Force Systems bei Sikorsky, betont, daß der Kontrakt es ermöglicht, „neue Technologien zu implementieren, die den kampferprobten Black Hawk stärken und US-Soldaten einen größeren Vorteil in Gebieten wie dem Indo-Pazifik verschaffen werden.“ Die Integration von „Launched Effects“ in den Black Hawk werde die Fähigkeiten des Helikopters entscheidend verbessern.

Das digitale Nervensystem: Von der Schraube zum Code

Eine der zentralsten Säulen des Modernisierungsprogrammes ist die Schaffung eines digitalen Rückgrats, das auch als „digitaler Faden“ bezeichnet wird. In der Vergangenheit waren Upgrades an militärischen Plattformen oft langwierig, kostspielig und bürokratisch. Sie erforderten die vollständige Neuentwicklung von Systemen, um sie in die analoge Architektur eines Fluggerätes zu integrieren. Die jetzt angestrebte Lösung ist der sogenannte Modular Open System Approach (MOSA), der die Black Hawk-Plattform in ein flexibles und anpassungsfähiges System verwandelt. MOSA kann man sich wie einen standardisierten Hafen für Elektronik vorstellen. Anstatt jede neue Technologie von Grund auf neu zu entwickeln, können modulare Systeme – von neuen Sensoren bis zu fortschrittlicher Elektronik – einfach „eingesteckt“ werden, was die Integrations- und Testphasen massiv beschleunigt und Kosten senkt. Dieser digitale Faden, der von der Konstruktion bis zur Wartung reichen wird, ermöglicht es der US-Armee und Sikorsky, aufkommende Technologien wie künstliche Intelligenz und neue Kommunikationssysteme schnell und nahtlos zu integrieren.

Zusätzlich zu diesen digitalen Upgrades sind auch handfeste, mechanische Verbesserungen geplant. Der Kontrakt sieht die Finanzierung von Arbeiten vor, die die Zelle des Helikopters weiter verstärken, die Kraftstoffsysteme verbessern und die Grundlage für die spätere Integration leistungsfähigerer Triebwerke und AI-unterstützter Flugsteuerungen legen sollen. Diese Änderungen werden die Nutzlastkapazität und Reichweite des Black Hawk erhöhen, die Sicherheit verbessern und die Betriebs- sowie Wartungskosten senken. Ein bereits implementiertes Upgrade ist das „Upturned Exhaust System II“, ein Abgassystem, das die Infrarotsignatur des Hubschraubers reduziert, indem es die heißen Abgase mit kalter Luft vermischt und vertikal nach oben ableitet. Dies macht den Helikopter schwerer von Infrarot-gesteuerten Raketen zu erfassen. Diese Technologie, die bereits in der aktuellen Flotte angewendet wird, wird auch in die modernisierte Plattform einfließen.

Autonome Begleiter und fliegende Augen

Eine weitere entscheidende Neuerung der Modernisierung ist die Integration von sogenannten „Launched Effects“ oder unbemannten Flugsystemen (UAS). Hierbei handelt es sich um kleine, autonome Drohnen, die von Bord des Black Hawk gestartet und gesteuert werden können. Diese Drohnen dienen als „fliegende Augen“ für die Besatzung. Sie können vorausfliegen, um feindliche Stellungen zu erkunden, Zielinformationen zu sammeln oder die Lage in einem bestimmten Gebiet zu überblicken, ohne den Helikopter und seine Insassen in Gefahr zu bringen. Die Integration dieser Fähigkeit, die Sikorsky bereits in Demonstrationen gezeigt hat, wird die Missionsreichweite und die Situationsbewusstheit der Black-Hawk-Besatzungen erheblich verbessern. Die US-Armee hat die Einführung dieser Technologie fuer 2026 vorgesehen.

Die Autonomie ist ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklung. Sikorsky hat bereits die sogenannte „Matrix“-Software auf älteren UH-60-Zellen getestet, die eine vollkommen autonome Flugfähigkeit oder unterschiedliche Grade der Pilotenhilfe ermöglicht. Dieses System schafft einen „intelligenten Co-Piloten“, der dem Piloten bei der Navigation, der Flugsteuerung und der Entscheidungsfindung assistiert und es ihm ermöglicht, sich auf komplexere Aufgaben während des Fluges zu konzentrieren.

Jenseits des Horizonts: Die strategische Zukunft der Black Hawk

Die Modernisierung des Black Hawk steht im Kontext einer breiteren Strategie der US-Armee, die sich als Übergangslösung versteht, während sie die zukünftigen Luftfahrtplattformen im Rahmen des Future Vertical Lift (FVL)-Programmes entwickelt. Der FVL-Plan sieht vor, die alternden Flotten der US-Armee langfristig durch neue, hochmoderne Hubschrauber zu ersetzen. Doch bis diese Systeme in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, wird die Black-Hawk-Flotte die Hauptlast der Operationen tragen. Dies macht die aktuelle Modernisierung zu einer strategischen Notwendigkeit, um die Überlebensfähigkeit und Wirksamkeit der Hubschrauberflotte in den kommenden Jahrzehnten zu gewährleisten.

Sikorsky selbst bekräftigte auf der Luftfahrtmesse in Paris im Juli dieses Jahres sein Engagement für die Zukunft des Black Hawk. Jay Macklin, der Direktor für Geschäftsentwicklung bei Sikorsky für die US-Armee, verwies auf laufende Gespräche mit der US-Armee für einen elften mehrjährigen Beschaffungskontrakt, der die Produktion des Hubschraubers möglicherweise bis 2032 verlängern koennte. Der Black Hawk von morgen müsse besser sein als der Black Hawk von heute, so Macklin. Die geplanten Upgrades, die von der verbesserten Außenlastkapazität bis zur nahtlosen Integration in die operativen Strukturen aller Teilstreitkräfte reichen, sollen dies sicherstellen. Mit einem so umfangreichen Modernisierungsplan wird der Black Hawk nicht nur ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Streitkräfte bleiben, sondern auch eine immer leistungsfähigere Plattform für alliierte Streitkräfte weltweit.

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