Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Einleitung von US-Schutzschirmverfahren zur finanziellen Restrukturierung bei Air Baltic

Werbung

Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat nach finanziellen Einbußen ein Verfahren nach dem US-Insolvenzrecht eingeleitet und erste gerichtliche Genehmigungen erhalten. Das zuständige US-Insolvenzgericht für den Südbezirk von New York hat den Anträgen im Rahmen des sogenannten Chapter-11-Verfahrens stattgegeben.

Damit bleibt der laufende Flugbetrieb des Unternehmens ohne Unterbrechung aufrecht. Die Airline erhält durch die Entscheidung des Gerichts Zugriff auf eine erste Tranche in Höhe von 140 Millionen Euro aus einer insgesamt 350 Millionen Euro umfassenden Kreditlinie von Investoren. Die Gelder dienen dazu, laufende Gehaltszahlungen, Verbindlichkeiten gegenüber zentralen Lieferanten sowie operative Betriebskosten abzusichern. Ziel der rechtlichen Neuordnung ist die langfristige Reduzierung der Kostenbasis, eine Verkleinerung der Flugzeugflotte und die Neustrukturierung bestehender Leasingverträge.

Hintergründe der Inanspruchnahme von US-Insolvenzrecht

Das Chapter-11-Verfahren nach US-amerikanischem Recht wird von internationalen Fluggesellschaften regelmäßig genutzt, wenn Verträge über Flugzeugleasing und Finanzierungen unter US-Jurisdiktion fallen. Diese rechtliche Grundlage ermöglicht es Unternehmen, ihren Betrieb unter dem Schutz vor Gläubigerzugriffen fortzuführen, während ein umfassender Restrukturierungsplan ausgearbeitet und umgesetzt wird. Für Air Baltic bietet dieses Instrument die Möglichkeit, langlaufende Verträge mit Leasinggesellschaften zu geänderten Konditionen neu zu verhandeln oder vorzeitig aufzulösen.

Das Unternehmen, an dem der lettische Staat die Mehrheit der Anteile hält, kämpft seit geraumer Zeit mit gestiegenen Betriebskosten, Triebwerksverzögerungen bei der Instandhaltung und den wirtschaftlichen Nachwirkungen geopolitischer Veränderungen im baltischen Raum. Der Übergang in das Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Liquiditätsengpässe den täglichen Flugbetrieb beeinträchtigen. Da das Gericht auch Zahlungen an wichtige Vertriebspartner und operative Dienstleister genehmigt hat, können Buchungsnetze und Ticketverkäufe uneingeschränkt weiterlaufen.

Reduzierung der Flottengröße und Anpassung des Flugnetzes

Ein zentraler Bestandteil des vom Management vorgelegten Umstrukturierungsplans ist die Verkleinerung der Flugzeugflotte. Die Fluggesellschaft plant, die Anzahl der eingesetzten Maschinen bis zum Jahresende deutlich zu reduzieren. Derzeit betreibt Air Baltic eine Flotte von 54 Einheiten des Typs Airbus A220-300. Nach Umsetzung des neuen Geschäftsplans soll diese Zahl auf 36 Flugzeuge verringert werden.

Diese Kapazitätsanpassung hat direkte Auswirkungen auf das Streckennetz der Gesellschaft. Flugverbindungen mit geringer Ertragsstärke oder stark schwankender Nachfrage werden gestrichen oder in ihrer Frequenz reduziert. Durch die Reduzierung um 18 Flugzeuge möchte das Unternehmen Fixkosten im Bereich der Wartung, der Leasingraten und des Personals einsparen. Gleichzeitig soll der Einsatz der verbleibenden A220-300 auf Kernstrecken verdichtet werden, um die Auslastung der Sitzkapazitäten zu erhöhen.

Positionierung der Lufthansa und Auswirkungen auf den Partnerbetrieb

Die Entwicklungen bei Air Baltic werden auch bei internationalen Partnern aufmerksam verfolgt. Die Deutsche Lufthansa AG ist mit einem Anteil von zehn Prozent an der lettischen Fluggesellschaft beteiligt und nutzt deren Kapazitäten intensiv im Rahmen von sogenannten Wetlease-Vereinbarungen. Dabei stellt Air Baltic Flugzeuge samt Besatzung für den Streckendienst der Lufthansa-Gruppe bereit. Air Baltic gilt in diesem Segment als einer der wichtigsten externen Partner des deutschen Luftfahrtkonzerns.

Hinsichtlich der finanziellen Sanierung und der operativen Umgestaltung nimmt der Lufthansa-Konzern vorerst keine aktive Rolle ein. Das Unternehmen beteiligt sich nach aktuellem Stand nicht an der Bereitstellung von frischem Kapital oder Kreditlinien. Der Betrieb der für Lufthansa durchgeführten Flüge soll nach Angaben der Beteiligten im Rahmen der vereinbarten Verträge weitergeführt werden, während die finanzielle Neuordnung über den gerichtlich überwachten Prozess in New York abgewickelt wird.

Finanzierung der Sanierung und wirtschaftlicher Ausblick

Die Bereitstellung der ersten Finanzierungstranche von 140 Millionen Euro sichert die kurzfristige Zahlungsfähigkeit von Air Baltic ab. Die Gesamtkreditlinie über 350 Millionen Euro steht unter dem Vorbehalt, dass das Unternehmen definierte Meilensteine im Restrukturierungsprozess erreicht. Dazu zählen der erfolgreiche Abschluss von Verhandlungen mit den Leasinggebern über die Rückgabe der überschüssigen Flugzeuge sowie die dauerhafte Absenkung der operativen Gesamtkosten.

Die kommenden Monate werden für das Management der Fluggesellschaft entscheidend sein, um den Zeitplan für die Flottenverkleinerung einzuhalten und die Zustimmung der Gläubiger zum finalen Sanierungsplan zu erhalten. Das Schutzschirmverfahren schützt die Airline zwar vor unmittelbaren Vollstreckungsmaßnahmen, erfordert jedoch eine strikte Einhaltung der gerichtlichen Auflagen. Das Ziel bleibt es, das Verfahren innerhalb des gesteckten Zeitrahmens zu verlassen und mit einer reduzierten Flotte eine dauerhaft tragfähige Marktposition im europäischen Luftverkehr einzunehmen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung