Das Land Hessen und die Technische Universität Darmstadt haben die Gründung eines Drohnenkompetenzzentrums am Flughafen Kassel-Calden angekündigt.
Das Projekt wird mit einer hohen einstelligen Millionensumme gefördert, die sich aus dem hessischen Digitalisierungsprogramm Distr@l sowie Mitteln des EU-Strukturfonds zusammensetzt. Ziel der neuen Einrichtung ist es, Forschung, Erprobung und Qualifizierung im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme an einem zentralen Standort zu bündeln. Die Eröffnung ist noch für das Jahr 2026 geplant, wobei das Zentrum innovative Technologien schneller in die praktische Anwendung überführen soll.
Die strategische Neuausrichtung des Flughafens ist eine Reaktion auf die dauerhaft angespannte wirtschaftliche Lage des Standorts. Der Kassel Airport verzeichnet seit seiner Eröffnung im Jahr 2013 jährliche Millionenverluste; für das Geschäftsjahr 2024 lag das Defizit bei knapp fünf Millionen Euro, wobei für 2025 ein Fehlbetrag in ähnlicher Höhe prognostiziert wird. Das Land Hessen, das 68 Prozent der Anteile hält, strebt durch die Ansiedlung des Kompetenzzentrums eine Steigerung der Wertschöpfung in Nordhessen an. Die bestehende Infrastruktur soll künftig verstärkt für moderne Sicherheitstechnologien genutzt werden, ohne den regulären kommerziellen Luftverkehr einzuschränken.
Bereits heute dient das Gelände des Regionalflughafens als Trainingsareal für Behörden. So nutzt die Bundespolizei den Standort regelmäßig für Übungen im Umgang mit Drohnensystemen. Durch die Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt soll dieses Engagement nun auf eine wissenschaftliche Basis gestellt werden. Neben der technischen Entwicklung stehen auch Qualifizierungsmaßnahmen für zukünftige Anwender im Fokus. Die Beteiligten erhoffen sich durch die Bündelung von Expertise am Boden und im Luftraum eine Vorreiterrolle für Hessen im Bereich der unbemannten Luftfahrt einzunehmen.
Zusätzliche Berichte aus der Region verdeutlichen, dass das Projekt auch als strukturpolitisches Instrument dient, um den Standort Calden langfristig abzusichern. Während die Stadt und der Kreis Kassel sowie die Gemeinde Calden als Mitgesellschafter die finanzielle Last des Defizits mittragen, soll das Zentrum neue Ansiedlungen von Technologieunternehmen begünstigen. Die Integration von Drohnentests in den aktiven Flughafenbetrieb gilt als komplexes Vorhaben, das neue Maßstäbe für die Koexistenz von bemannter und unbemannter Luftfahrt setzen könnte.