Boeing 787-8 (Foto: Robert Spohr).
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Einstellung des Flugbetriebs nach Nordäthiopien nach Übernahme des Flughafens Mekelle durch TPLF-Kräfte

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Die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hat den Flugverkehr zu drei Städten in der nördlichen Region Tigray mit Wirkung zum 23. September 2026 bis auf Weiteres ausgesetzt. Auslöser für die Unterbrechung der Verbindungen nach Mekelle, Axum und Shire ist die Einnahme des Flughafens der Regionalhauptstadt Mekelle durch Einheiten der Volksbefreiungsfront von Tigray.

Der Kontrollwechsel am Flughafen erfolgte in den Nachtstunden zum 23. September 2026, als regionale Kräfte die Einheiten der äthiopischen Bundespolizei vom Gelände verdrängten. Die Einstellung des Flugbetriebs isoliert die nördliche Region vom regulären Luftverkehr, da Ethiopian Airlines der einzige Anbieter linienmäßiger Passagierflüge in das Gebiet ist. Der Vorfall fällt in eine Phase erneuter bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen regionalen Verbänden und Streitkräften der Bundesregierung, was das Abkommen zur Einstellung der Feindseligkeiten aus dem Jahr 2022 gefährdet.

Kontrollwechsel am Flughafen Mekelle und Unterbrechung der Flugverbindungen

Nach Angaben lokaler Gewährsleute und Augenzeugen verlief die Übernahme des Flughafens in Mekelle ohne direkte Schusswechsel. Bewaffnete Kämpfer der TPLF forderten das Flughafenpersonal sowie Dienstleister vor Ort auf, das Areal zu verlassen, da bis auf Weiteres keine Flugzeuge mehr landen würden. Die äthiopischen Bundespolizeikräfte, die für die Sicherung der zivilen Infrastruktur zuständig waren, zogen sich vom Gelände zurück.

Als Reaktion auf die veränderten Sicherheitsbedingungen streich die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines sämtliche Flugverbindungen in die Region. In einer offiziellen Stellungnahme entschuldigte sich das Unternehmen bei den betroffenen Passagieren und kündigte an, den Betrieb erst nach einer Neubewertung der Lage wieder aufzunehmen. Die Einstellung betrifft nicht nur den Hauptflughafen in Mekelle, sondern auch die Flugplätze in Axum und Shire. Da die Landverbindungen in die Nachbarregionen durch die militärische Rolllage stellenweise blockiert sind, entfällt mit den Flugstrecken die wichtigste Verkehrsader für Personentransport und zivile Frachtlieferungen.

Erneute militärische Eskalation und gegenseitige Vorwürfe

Der Vorfall am Flughafen steht im Kontext wiederauflebender Kämpfe in Nordäthiopien. Vertreter der Bundesregierung in Addis Abeba und der Regionalregierung in Tigray beschuldigen sich gegenseitig, die Offensive gestartet zu haben. Getachew Reda, Berater von Premierminister Abiy Ahmed und ehemaliges führendes TPLF-Mitglied, warf den Streitkräften aus Tigray vor, Stellungen der Regierungstruppen in den angrenzenden Regionen Afar und Amhara angegriffen zu haben.

Die Führung in Mekelle wies diese Darstellungen zurück und erklärte, ihre Einheiten hätten auf Artillerie- und Luftangriffe reagiert, die am 22. September 2026 von Regierungsseite auf Stellungen in Tigray durchgeführt worden seien. Die Erneuerung der Feindseligkeiten belastet das im November 2022 in Pretoria unterzeichnete Friedensabkommen schwer. Die Einigung hatte einen zweijährigen verheerenden Konflikt beendet, der Tausende Todesopfer forderte und zu einer schwerwiegenden humanitären Krise führte. Bereits in den vergangenen Monaten hatten sich die Beziehungen zwischen den Vertragsparteien aufgrund ungeklärter Demobilisierungsfragen und Gebietsstreitigkeiten spürbar verschlechtert.

Verkehrsinfrastruktur und die schrittweise Wiederaufnahme seit 2022

Die zivile Luftfahrt war bereits während des Krieges von 2020 bis 2022 ein zentraler Indikator für den Status der Friedensbemühungen. Erst nach Unterzeichnung des Pretoria-Abkommens konnte Ethiopian Airlines den Flugbetrieb schrittweise wieder aufnehmen. Am 28. Dezember 2022 landete die erste Linienmaschine nach mehrjährigen Unterbrechung wieder auf dem Flughafen Mekelle, um die Verbindung zur Hauptstadt Addis Abeba herzustellen.

Die Reparatur und Wiedereröffnung der regionalen Flugplätze zog sich über einen längeren Zeitraum hin. Der Flugbetrieb nach Axum konnte erst am 9. Juni 2024 wieder aufgenommen werden, nachdem umfangreiche Instandsetzungsarbeiten an der Start- und Landebahn sowie den abgebrannten Terminalgebäuden abgeschlossen worden waren. Auf den Strecken nach Axum und Shire setzte die Fluggesellschaft vorwiegend Turboprop-Maschinen des Typs De Havilland Dash 8-Q400 ein, während die Route nach Mekelle aufgrund der höheren Passagierzahlen mit Strahlflugzeugen des Typs Boeing 737 bedient wurde.

Auswirkungen auf die zivile Versorgung und regionale Logistik

Die erneute Unterbrechung des Flugverkehrs hat unmittelbare Folgen für die Versorgung der Bevölkerung in der Region Tigray. Neben dem Passagierverkehr nutzten auch internationale Hilfsorganisationen die Linienflüge von Ethiopian Airlines, um Personal, Medikamente und wertvolle Frachtgüter in das Krisengebiet zu transportieren. Die Schließung der Flughäfen erschwert die Arbeit von Hilfswerken, da Straßenverbindungen durch aktive Kampfzonen oder Straßensperren privater Milizen als unsicher gelten.

Die Entwicklungen am Flughafen Mekelle verdeutlichen die fragile Sicherheitslage am Horn von Afrika. Die Nutzung kritischer Verkehrsinfrastruktur als Instrument der Machtdemonstration zeigt, dass die Vereinbarungen von 2022 ohne eine dauerhafte politische Lösung brüchig bleiben. Das Erliegen des Luftverkehrs markiert einen Rückschlag für die wirtschaftliche Stabilisierung der nördlichen Landesteile Äthiopiens.

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