Die Geschichte der deutschen Luftfahrt ist reich an Pioniergeist und Innovation, aber auch an Orten, die ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben. Die Notwendigkeit, Flugplätze zu schließen oder umzufunktionieren, ist kein neues Phänomen. Bereits in den frühen Jahren der Luftfahrt mußten Standorte aufgegeben werden, weil sie den Anforderungen der immer größer und schneller werdenden Flugzeuge nicht mehr genügten oder weil sie der städtischen Expansion im Wege standen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Aufteilung Deutschlands und die Militärpräsenz der Alliierten zu einer Neubewertung vieler Flugplätze. Später, mit der Wiedervereinigung und der Liberalisierung des Luftverkehrs, traten ökonomische Aspekte und der Wettbewerb zwischen den Regionen in den Vordergrund, was zu weiteren Konsolidierungen führte. Heute prägen die ehemaligen Standorte oft eine neue Ära als Technologieparks, Erholungsgebiete oder Wohnquartiere.
Berlin-Tempelhof: Das Monument der Berliner Luftbrücke
Der Flughafen Berlin-Tempelhof, im Jahre 1923 eröffnet, ist untrennbar mit der Berliner Geschichte verbunden. Seine architektonische Bedeutung als eines der größten Bauwerke der Vorkriegszeit und seine Rolle als Dreh- und Angelpunkt der Berliner Luftbrücke (1948/49), die West-Berlin während der sowjetischen Blockade mit lebenswichtigen Gütern versorgte, haben ihn zu einem Symbol der Freiheit gemacht. Über Jahrzehnte hinweg war Tempelhof ein zentraler Verkehrsflughafen Berlins, doch seine innerstädtische Lage und die verhältnismäßig kurzen Start- und Landebahnen begrenzten seine Kapazitäten für den immer größer werdenden Flugverkehr.
Die Schließung erfolgte am 30. Oktober 2008. Die Hauptgründe waren die mangelnde Eignung für moderne Großraumflugzeuge, die begrenzten Erweiterungsmöglichkeiten ohne massive Eingriffe in das Stadtgebiet und die hohen Betriebskosten, die Tempelhof über Jahre hinweg defizitär machten. Die politische Entscheidung, den gesamten Berliner Flugverkehr am neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zu bündeln, besiegelte sein Ende.
Heute ist das ehemalige Flugfeld als Tempelhofer Feld ein weithin beliebtes Naherholungsgebiet. Die Start- und Landebahnen dienen als Routen für Jogger, Skater und Radfahrer, während die weiten Grasflächen Raum für Freizeitaktivitäten und sogar für Urban Gardening bieten. Das imposante Flughafengebäude wird für Messen, Großveranstaltungen und als Standort für Kreativunternehmen genutzt. Auch die Unterbringung von Geflüchteten erfolgte zeitweise auf dem Gelände.

Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tempelhof (Foto: Jan Gruber).
Berlin-Tegel: Das Hexagon am Nordrand der Stadt
Der Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ nahm seinen Betrieb am 8. November 2020 auf. Ursprünglich während der Berliner Luftbrücke als militärisches Provisorium für die französische Besatzungsmacht angelegt, entwickelte er sich nach der Schließung Tempelhofs zum wichtigsten Flughafen West-Berlins. Sein ikonisches, sechseckiges Terminalgebäude, entworfen von Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg, ermöglichte extrem kurze Wege zwischen Check-in und Gate und war für viele Reisende ein Sinnbild für effizientes und modernes Design.
Die Schließung Tegels war die logische Konsequenz der Strategie eines zentralen Großflughafens für Berlin und Brandenburg. Tegel war trotz seiner Beliebtheit an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, und eine sinnvolle Erweiterung, die den steigenden Passagierzahlen gerecht geworden wäre, war aufgrund der dichten städtischen Bebauung kaum umsetzbar. Die Inbetriebnahme des BER machte Tegel, wie zuvor Tempelhof, obsolet und erfüllte eine lange geplante politische Absicht.
Das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel wird zu einem der größten urbanen Entwicklungsgebiete Europas. Es entsteht die „Urban Tech Republic“, ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien, der innovative Unternehmen und Forschungseinrichtungen anziehen soll. Daneben wird das „Schumacher Quartier“ entwickelt, ein neues, klimaneutrales Stadtquartier mit tausenden neuen Wohnungen. Das charakteristische Terminalgebäude soll künftig als Campus für die Berliner Hochschule für Technik (BHT) dienen.

Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 

Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Berlin-Tegel (Foto: Jan Gruber).
München-Riem: Von der Wiege der Luftfahrt zum Messegelände
Der ehemalige Flughafen München-Riem war bis 1992 der internationale Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt. Er wurde 1939 eröffnet und war nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang das einzige Tor Bayerns zur Welt. In Riem starteten und landeten legendäre Flugzeugtypen, und der Flughafen war Schauplatz zahlreicher wichtiger Ereignisse der Luftfahrtgeschichte. Auch der berüchtigte Flugzeugabsturz 1958, bei dem ein Großteil der Fußballmannschaft von Manchester United ums Leben kam, ereignete sich in Riem.
Die Schließung von Riem erfolgte am 16. Mai 1992, mit der Eröffnung des neuen Flughafens München „Franz Josef Strauß“ bei Erding. Die stark gestiegenen Passagierzahlen und die begrenzten Ausbaumöglichkeiten aufgrund der innerstädtischen Lage machten einen Neubau unumgänglich. Auch die erhebliche Lärmbelästigung für die Anwohner war ein entscheidender Faktor für die Verlagerung.
Auf dem weitläufigen ehemaligen Flughafengelände entstand die Neue Messe München mit ihrem modernen Messegelände und dem dazugehörigen Kongresszentrum. Die ehemaligen Start- und Landebahnen wurden zu Hauptverkehrsstraßen und Grünflächen umfunktioniert. Die Messestadt Riem ist heute ein lebendiges Stadtviertel mit Wohnungen, Geschäften, Schulen und Freizeiteinrichtungen, das auf den Grundzügen der ehemaligen Flughafenstruktur aufgebaut ist.
Hannover-Vahrenwald: Die Anfänge der hannoverschen Luftfahrt
Der Flugplatz Hannover-Vahrenwald war der erste zivile Flugplatz der Stadt und wurde bereits in den frühen 1920er Jahren für den Luftverkehr genutzt. Er war ein wichtiger Knotenpunkt für die Pionierphase der deutschen Luftfahrt und Zeuge der ersten Linienflüge.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Flugplatz stark beschädigt und nach 1945 nicht wieder für den zivilen Luftverkehr in Betrieb genommen. Die Gründe hierfür waren die Kriegszerstörungen und die Entscheidung, einen neuen, größeren und moderneren Flughafen außerhalb der Stadt, den heutigen Flughafen Hannover-Langenhagen, zu bauen, der den gestiegenen Anforderungen des Luftverkehrs besser gerecht werden konnte und über mehr Entwicklungsfläche verfügte.
Auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Vahrenwald befinden sich heute überwiegend Gewerbegebiete und Logistikzentren. Nur noch wenige Straßennamen oder lokale Bezeichnungen erinnern an die einstige Bedeutung des Ortes für die Luftfahrt.
Leipzig-Mockau: Ein Flughafen im Wandel der Epochen
Der Flugplatz Leipzig-Mockau wurde bereits 1913 als Luftschiffhafen und Fliegerstation in Betrieb genommen und war damit einer der ältesten Flughäfen Deutschlands. Er spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung der deutschen Luftfahrt, diente während der beiden Weltkriege als Werks- und Militärflugplatz und wurde auch in der DDR-Zeit noch zivil genutzt, unter anderem für den Agrarflug und als Standort für die Flugzeugwartung.
Die endgültige Schließung für den Linienflugverkehr erfolgte 1991, wobei der Sonderlandeplatzbetrieb noch bis 1998 lief. Die Gründe für die Aufgabe als Verkehrsflughafen waren die Konzentration des Luftverkehrs auf den größeren und moderneren Flughafen Leipzig/Halle sowie die fehlende Wirtschaftlichkeit des Standortes Mockau für den regulären Linienflugbetrieb. Die Infrastruktur war veraltet, und eine Anpassung an moderne Standards wäre unwirtschaftlich gewesen.
Das ehemalige Flughafengelände wurde weitgehend zur Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben genutzt. Ein Teil der historischen Gebäude, darunter der ehemalige Hangar und das Abfertigungsgebäude, ist erhalten geblieben und zeugt noch von der Vergangenheit als Flugplatz.
Dresden-Heller und Dresden-Klotzsche (alter Standort): Die Luftfahrtgeschichte der Elbestadt
Vor dem heutigen Flughafen Dresden, der in Dresden-Klotzsche beheimatet ist, gab es den Flugplatz Dresden-Heller. Dieser diente in den Anfängen der Luftfahrt in der Region. Mit dem Aufkommen größerer Flugzeuge und dem steigenden Bedarf wurde Mitte der 1930er Jahre der heutige Standort in Klotzsche als modernerer und größerer Ersatz errichtet. Der ursprüngliche Flughafen Klotzsche wurde seither mehrfach umfassend umgebaut und erweitert, so daß vom ursprünglichen Aufbau heute kaum noch etwas erkennbar ist.
Die Schließung des Heller-Flugplatzes erfolgte, da er den Anforderungen des wachsenden Luftverkehrs nicht mehr genügte und eine moderne Infrastruktur an einem neuen, besser geeigneten Standort in Klotzsche notwendig wurde. Die Transformation von Klotzsche selbst war ein kontinuierlicher Prozeß der Anpassung an sich ändernde Anforderungen an Kapazität, Sicherheit und Technik.
Auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Heller befinden sich heute Wohn- und Gewerbegebiete. Der ursprüngliche Standort von Dresden-Klotzsche ist in den heutigen, erweiterten Flughafen integriert, wobei alte Bahnen und Gebäude neuen Anlagen gewichen sind.
Erfurt-Am Roten Berg: Vom Verkehrsflughafen zum Wohngebiet
Der erste Erfurter Flughafen befand sich „Am Roten Berg“ und wurde in den 1920er Jahren eröffnet. Er diente dem regionalen Flugverkehr und war ein wichtiger Anlaufpunkt für die Luftfahrt in Thüringen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Entscheidung, den zivilen Flugbetrieb zum heutigen Flughafen Erfurt-Weimar im Ortsteil Bindersleben zu verlegen, wurde der Flugplatz „Am Roten Berg“ 1974 geschlossen. Die Gründe waren die räumlichen Begrenzungen des innerstädtischen Flugplatzes und die Notwendigkeit eines leistungsfähigeren Flughafens außerhalb des Stadtgebietes, um den Anforderungen des modernen Flugverkehrs gerecht zu werden.
Auf dem ehemaligen Flughafengelände wurde das Wohngebiet „Roter Berg“ errichtet, das heute ein lebendiger Stadtteil von Erfurt ist. Nur noch wenige Hinweise, wie die topographische Lage, erinnern an die einstige Nutzung als Flughafen.
Essen/Mülheim: Das Ruhrgebiet verliert einen Regionalflughafen
Der Flughafen Essen/Mülheim, strategisch zwischen den Städten Essen und Mülheim an der Ruhr gelegen, hat eine lange Geschichte, die bis in die 1920er Jahre zurückreicht. Er diente lange Zeit als Regionalflughafen für Geschäftsflüge, Charterverkehr und die Allgemeine Luftfahrt. Trotz seiner zentralen Lage im Ruhrgebiet gelang es ihm nie, sich als großer Verkehrsflughafen zu etablieren.
Die Schließung für den gewerblichen Passagierflugverkehr erfolgte zum 31. Dezember 2018, obgleich die Allgemeine Luftfahrt und der Flugschulbetrieb noch eine Zeitlang fortgesetzt wurden, um schließlich auch weitgehend eingestellt zu werden. Die Gründe waren primär wirtschaftlicher Natur und die mangelnde Rentabilität. Der Flughafen hatte über Jahre hinweg Defizite eingefahren und konnte im harten Wettbewerb mit den größeren Verkehrsflughäfen in der Region, wie Düsseldorf oder Dortmund, nicht bestehen. Die begrenzten Start- und Landemöglichkeiten für größere Flugzeuge und das Fehlen einer nennenswerten Nachfrage nach Linienflügen trugen ebenfalls zur Entscheidung bei, ebenso wie die hohen notwendigen Investitionen in die Infrastruktur, die sich für die Eigentümerstädte nicht mehr rechneten.
Das Gelände wird derzeit zu einem Technologie- und Innovationspark umgewandelt. Ein Teil der Infrastruktur, wie die ehemalige Start- und Landebahn, bleibt für die Allgemeine Luftfahrt (Segelflug, Ultraleicht) erhalten. Die alten Hangars und Gebäude werden umgenutzt, um Büros und Produktionsstätten zu schaffen, was eine Neuausrichtung des Standortes als Wirtschafts- und Forschungszentrum widerspiegelt.
Zweibrücken: Vom US-Stützpunkt zum Outlet-Paradies
Der Flughafen Zweibrücken, dessen Geschichte eng mit seiner Nutzung als Militärflugplatz durch die amerikanische Luftwaffe verbunden ist, versuchte nach dem Abzug der Streitkräfte, sich als ziviler Regionalflughafen zu etablieren. Nach umfangreichen Investitionen in eine neue Start- und Landebahn und ein Terminal nahm er 1992 den zivilen Betrieb auf und wurde in den 2000er Jahren von verschiedenen Billigfluggesellschaften angeflogen.
Trotz anfänglicher Erfolge und der Hoffnung auf eine Belebung der strukturschwachen Region durch den Flugverkehr, mußte der Flughafen im November 2014 Insolvenz anmelden und den Flugbetrieb einstellen. Die Gründe für die Schließung waren vielschichtig. Hauptursache war die mangelnde Auslastung und die damit einhergehende geringe Wirtschaftlichkeit. Der Flughafen konnte sich im harten Wettbewerb mit den größeren und besser angebundenen Flughäfen in der Region, wie Saarbrücken, Frankfurt-Hahn oder Karlsruhe/Baden-Baden, nicht dauerhaft durchsetzen. Hinzu kamen Probleme mit staatlichen Beihilfen, die von der Europäischen Kommission als unzulässig eingestuft wurden und zu Rückforderungen führten, die das finanzielle Aus besiegelten.
Heute befindet sich auf dem Großteil des Geländes das „Zweibrücken Fashion Outlet“, eines der größten Outlet-Center Deutschlands. Das ehemalige Terminalgebäude wurde in das Outlet-Center integriert, und die Start- und Landebahnen dienen nun als weitläufige Parkflächen. Ein kleiner Teil des Geländes wird weiterhin für die allgemeine Luftfahrt genutzt, jedoch ohne Linienflugverkehr.
Strausberg: Vom Verkehrsflughafen zum lebendigen Sonderlandeplatz
Der Flugplatz Strausberg, östlich von Berlin gelegen, hat ebenfalls eine interessante Entwicklung hinter sich. Ursprünglich als Militärflugplatz genutzt, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg auch für den zivilen Verkehr geöffnet und diente zeitweise als Regionalflughafen für die Region. In der Zeit der DDR spielte er eine Rolle für den innerdeutschen Flugverkehr und auch für internationale Flüge in geringem Umfang.
Die Bedeutung als Verkehrsflughafen nahm jedoch nach der Wiedervereinigung Deutschlands rapide ab. Mit der Konzentration des Flugverkehrs auf die größeren Flughäfen in Berlin verlor Strausberg seine Rolle als Verkehrsflughafen und wurde in den 1990er Jahren zu einem Sonderlandeplatz zurückgestuft. Die geringe Passagierzahl und die hohen Betriebskosten rechtfertigten keinen weiteren Verkehrsflughafenstatus.
Heute ist der Flugplatz Strausberg ein vitaler Sonderlandeplatz, der intensiv für die Allgemeine Luftfahrt, den Geschäftsreiseflugverkehr, die Flugausbildung, den Luftsport (wie Segelflug und Fallschirmsport) sowie für verschiedene Luftfahrtunternehmen und deren Wartungsbetriebe genutzt wird. Es ist ein Beispiel dafür, wie ein ehemaliger Verkehrsflughafen erfolgreich in eine neue Nische umgewandelt werden kann, die den lokalen und regionalen Bedürfnissen entspricht, ohne mit den großen Drehkreuzen zu konkurrieren. Die Infrastruktur wird weiterhin aktiv genutzt und trägt zur regionalen Wirtschaft bei.
Magdeburg-Cochstedt: Ein gescheiterter Traum von einem Regionalflughafen
Der Flughafen Magdeburg-Cochstedt in Sachsen-Anhalt ist ein relativ junges Beispiel eines gescheiterten Verkehrsflughafens. Nach seiner ursprünglichen Nutzung als Militärflugplatz wurde er nach der Wende umfassend ausgebaut und im Jahre 2011 als internationaler Verkehrsflughafen eröffnet, mit dem Ziel, die Region um Magdeburg an das europäische Flugnetz anzubinden und den Wirtschaftsstandort zu stärken.
Der Traum vom florierenden Regionalflughafen währte jedoch nicht lange. Bereits im Jahre 2013 mußte der Flughafen den Linienflugbetrieb einstellen, und im Jahre 2016 wurde er ganz für den gewerblichen Flugverkehr geschlossen. Die Gründe für das Scheitern waren vor allem die mangelnde Nachfrage und die geringe Auslastung der wenigen angebotenen Flugverbindungen. Trotz intensiver Bemühungen, Fluggesellschaften anzuziehen, konnte sich Cochstedt nicht im Wettbewerb mit den etablierten Flughäfen wie Leipzig/Halle oder Berlin behaupten. Die fehlende Wirtschaftlichkeit und die hohen Betriebskosten führten schließlich zur Einstellung des regulären Verkehrs.
Das Gelände des ehemaligen Verkehrsflughafens Cochstedt wurde im Jahre 2019 von der Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) übernommen und wird nun als Nationales Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) genutzt. Hier werden Drohnen und andere autonome Fluggeräte getestet und weiterentwickelt. Dies ist ein bemerkenswertes Beispiel für eine vollständige Transformation eines ehemaligen Flughafens von einem Passagierdrehkreuz zu einem hochspezialisierten Forschungs- und Entwicklungsstandort.
Weitere Beispiele ehemaliger Verkehrs- und Regionalflughäfen in Deutschland:
Die Liste der Flugplätze, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, ist lang und vielfältig. Sie spiegelt die dynamische Entwicklung und die oft schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in der Luftfahrt wider.
- Flughafen Cottbus-Nord: Dieser Flugplatz in Brandenburg hatte eine wechselvolle Geschichte als Militär- und zeitweise auch als ziviler Flugplatz. Er wurde am 11. Juni 2003 geschlossen. Die Gründe waren die militärische Umnutzung nach der Wende und die fehlende Perspektive als ziviler Verkehrsflughafen im Wettbewerb mit größeren Standorten. Heute befindet sich im Südteil des Geländes ein Luftfahrtmuseum, und die verbliebenen Gebäude werden teils gewerblich genutzt oder verfallen.
- Flugplatz Kassel-Waldau: Der von 1924 bis 1970 existierende Flugplatz im Kasseler Stadtteil Waldau war der Vorgänger des heutigen Flughafens Kassel-Calden. Er wurde 1970 geschlossen, da er den steigenden Anforderungen an einen modernen Verkehrsflughafen nicht mehr gerecht wurde und der Bau eines neuen, größeren Flughafens in Calden notwendig wurde, der auch für Düsenflugzeuge geeignet war. Auf dem Gelände befindet sich heute der Industriepark Kassel-Waldau.
- Flugplatz Bremen-Neustadt (alter Standort): Bevor der heutige Flughafen Bremen seine endgültige Form annahm und sich an seinem aktuellen Standort etablierte, gab es frühere Flugfelder in Bremen, die den Anfängen der Luftfahrt dienten. Die Verlagerung und Neuausrichtung des Bremer Flughafens führten dazu, daß diese ursprünglichen Standorte ihre Bedeutung verloren und überbaut wurden, da sie nicht mehr für den wachsenden Luftverkehr geeignet waren.
- Flugplatz Trier-Fünfbrunnen: Dieser Flugplatz diente der Allgemeinen Luftfahrt und hatte keine Bedeutung als großer Verkehrsflughafen. Viele kleine Flugplätze, die einst eine regionale Rolle spielten, wurden entweder ganz geschlossen oder zu Sonderlandeplätzen zurückgestuft, da die Wirtschaftlichkeit für einen regulären Verkehrsflugbetrieb nicht mehr gegeben war oder größere Regionalflughäfen in der Nähe die Nachfrage abdeckten. Die Flächen werden oft landwirtschaftlich oder gewerblich genutzt.
- Flugplatz Bonn-Hangelar: Obwohl der Flugplatz Bonn-Hangelar heute noch als wichtiger Sonderlandeplatz und für die Allgemeine Luftfahrt sowie für Forschungszwecke (DLR) genutzt wird, hatte er in seiner Geschichte zeitweise eine größere Bedeutung für den zivilen und auch militärischen Luftverkehr im Raum Bonn. Die Verlagerung der Hauptstadtfunktionen nach Berlin und die Nähe zum großen Flughafen Köln/Bonn führten dazu, daß Hangelar nicht zu einem großen Verkehrsflughafen ausgebaut wurde, sondern seine Rolle auf spezifische Nutzungen konzentrierte.
- Flugplatz Ingolstadt-Manching (ehemals zivile Mitnutzung): Der Flugplatz Ingolstadt-Manching ist heute primär ein Militärflugplatz (Standort der Wehrtechnischen Dienststelle 61 und von Airbus Defence and Space). Er hatte jedoch in der Vergangenheit auch eine zivile Mitnutzung, die jedoch im Laufe der Zeit weitgehend eingestellt wurde, da die militärische Nutzung dominierte und kein ausreichender Bedarf für einen großen zivilen Regionalflughafen bestand, zumal der Flughafen München gut erreichbar ist.
- Flugplatz Paderborn-Mönkeloh (alter Standort): Der heutige Flughafen Paderborn/Lippstadt ersetzte den älteren Flugplatz Paderborn-Mönkeloh. Die Schließung des alten Standortes war notwendig, um einen modernen und leistungsfähigen Flughafen zu schaffen, der den wachsenden Anforderungen des Flugverkehrs in der Region gerecht werden konnte und über eine längere Startbahn verfügte. Das ehemalige Gelände wurde meist rekultiviert oder gewerblich genutzt.
- Flugplatz Detmold: Ein weiteres Beispiel für einen ehemaligen Flugplatz, dessen zivile Nutzung stark eingeschränkt wurde oder gänzlich wegfiel, zugunsten anderer Nutzungsformen oder der Konzentration an größeren Flughäfen. Auch hier spielten oft mangelnde Wirtschaftlichkeit und die Nähe zu größeren Verkehrsflughäfen eine Rolle.
- Flugplatz Finsterwalde-Schacksdorf: Ursprünglich ein Militärflugplatz, später mit ziviler Mitnutzung. Auch dieser Flugplatz verlor seine Bedeutung für den Linienverkehr und wird heute primär für die Allgemeine Luftfahrt genutzt oder liegt brach.
- Flugplatz Cottbus-Drewitz: Ebenfalls ein ehemaliger Militärflugplatz, der nach der Wende für eine zivile Nutzung in Betracht gezogen wurde, sich aber nicht als Verkehrsflughafen etablieren konnte und heute als Sonderlandeplatz primär der Allgemeinen Luftfahrt dient.
- Flugplatz Gütersloh: Ein ehemaliger Militärflugplatz, der nach dem Abzug der britischen Streitkräfte seine Bedeutung für den Linienverkehr verlor und heute als Sonderlandeplatz für die Allgemeine Luftfahrt und Geschäftsflüge dient.
Anpassung an veränderte Gegebenheiten – Eine ständige Evolution
Die Geschichte der stillgelegten Verkehrs- und Regionalflughäfen in Deutschland ist eine Geschichte der Anpassung und des Wandels. Sie verdeutlicht, wie sich die Prioritäten in der Luftfahrt verschoben haben – weg von einer dezentralen Struktur hin zu einer Konzentration auf wenige große, leistungsfähige Hubs, die wirtschaftlicher betrieben werden können. Die Gründe für die Schließungen sind vielschichtig und umfassen mangelnde Wirtschaftlichkeit, fehlende Kapazitäten für moderne Flugzeuge, politische Entscheidungen zugunsten zentralisierter Infrastrukturen und der harte Wettbewerb in der Branche.
Doch diese ehemaligen Flugplätze sind selten brachliegend geblieben; sie wurden zu Parks, Technologiezentren, Einkaufsdestinationen, Forschungsstätten oder neuen Stadtteilen umgenutzt und schreiben so ihre Geschichte auf neue Weise fort. Sie sind Zeugnisse einer dynamischen Entwicklung und zeigen die Fähigkeit zur Transformation und Neudefinition von Räumen in einer sich ständig verändernden Welt.


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