Auf dem prestigeträchtigen Salon du Bourget, der Pariser Luftfahrtmesse 2025, hat es einen diplomatischen und wirtschaftlichen Eklat gegeben. Frankreich hat die Stände mehrerer israelischer Rüstungsunternehmen schließen lassen, da diese entgegen einer klar kommunizierten Auflage Angriffswaffen ausgestellt hatten.
Eine Sprecherin des französischen Verteidigungsministeriums bestätigte, daß die betroffenen Firmen sich nicht an die Vorgabe gehalten hätten, keine Bomben und offensiven Waffensysteme zur Schau zu stellen. Als Konsequenz wurden in der Nacht vor der offiziellen Eröffnung der Messe am Montag Stände, die mutmaßlich Waffen zeigten, welche unter Umständen im Gazastreifen eingesetzt werden, mit schwarzen Stellwänden blockiert. Das israelische Verteidigungsministerium reagierte empört und sprach von einer „unerhörten und beispiellosen Entscheidung“, die sich hinter politischen Erwägungen verstecke und auf eine Ausschaltung israelischer Konkurrenz abziele.
Der Vorwurf aus Paris: Verstoß gegen Messeauflagen
Die Pariser Luftfahrtmesse, Salon International de l’Aéronautique et de l’Espace, ist traditionell eine der wichtigsten Plattformen für die globale Luft- und Raumfahrtindustrie. Sie dient nicht nur der Präsentation ziviler Flugzeuge, sondern auch militärischer Technologien und Rüstungsgüter. Die Teilnahme an einer solchen Messe ist für Unternehmen von entscheidender Bedeutung, um neue Aufträge zu generieren, Technologien zu präsentieren und sich mit potenziellen Partnern und Kunden auszutauschen.
Die französische Regierung hat im Vorfeld der diesjährigen Messe offenbar klare Auflagen für die israelischen Aussteller kommuniziert. Es war demnach untersagt, „Bomben und Angriffswaffen“ zur Schau zu stellen. Diese Vorgabe, die sich mutmaßlich auf die aktuelle politische und humanitäre Lage in der Region beziehen dürfte, wurde von einigen israelischen Unternehmen offenbar mißachtet. Eine Sprecherin des französischen Verteidigungsministeriums betonte, daß sich die betroffenen Unternehmen „anders als andere israelische Firmen nicht an die klar kommunizierte Auflage für Unternehmen aus Israel gehalten“ hätten. Als Reaktion darauf wurden die Stände, die Waffen zeigten, die unter Umständen im Gazastreifen eingesetzt werden, in der Nacht vor der Eröffnung mit schwarzen Stellwänden verhüllt oder geschlossen. Diese Maßnahme ist als ein deutliches Signal Frankreichs zu werten.
Die Entscheidung, Stände zu schließen, ist ein ungewöhnlicher Schritt auf einer internationalen Messe dieses Kalibers und deutet auf eine erhebliche Mißachtung der französischen Vorgaben hin. Solche Maßnahmen können weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Unternehmen haben, da sie die Möglichkeit verlieren, ihre Produkte einem internationalen Publikum zu präsentieren und Geschäfte anzubahnen.
Israels Empörung: Vorwurf der Ungleichbehandlung und Protektionismus
Die Reaktion des israelischen Verteidigungsministeriums ließ nicht lange auf sich warten und fiel scharf aus. Es sprach von einer „unerhörten und beispiellosen Entscheidung“, die die israelische Rüstungsindustrie in ihrer Präsenz auf einer der weltweit führenden Messen behindert. Die israelische Seite ist der Ansicht, daß die französischen Behörden sich hinter „vermeintlich politischen Erwägungen“ versteckten, um israelische Offensivwaffen auszuschließen, die mit der französischen Industrie in Konkurrenz stünden. Dieser Vorwurf des Protektionismus deutet auf eine tieferliegende wirtschaftliche Rivalität im Rüstungssektor hin. Israel ist bekannt für seine fortschrittliche Verteidigungstechnologie und ist ein wichtiger Exporteur von Rüstungsgütern.
Das israelische Ministerium betonte zudem die „beeindruckenden und präzisen Leistungen israelischer Technologien im Iran“, was auf die jüngsten militärischen Aktionen Israels anspielt und die Leistungsfähigkeit der eigenen Rüstungsindustrie hervorheben soll. Diese Äußerung kann auch als indirekte Kritik an der französischen Position verstanden werden, die trotz dieser „Leistungen“ eine solche Maßnahme ergreift.
Das israelische Verteidigungsministerium forderte Frankreich nachdrücklich auf, die Schließung der Stände aufzuheben und der israelischen Industrie zu erlauben, ihre Systeme wie alle anderen Teilnehmer der Ausstellung auszustellen. Dieser Appell zielt darauf ab, die volle Präsenz und gleiche Behandlung der israelischen Unternehmen auf der Messe wiederherzustellen.
Diplomatische Spannungen und politische Hintergründe
Der Vorfall auf dem Salon du Bourget ist nicht losgelöst von den allgemeinen diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Israel zu betrachten, die in jüngster Zeit durch die Ereignisse im Nahen Osten zunehmend angespannt sind. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Israel nach dem jüngsten Angriff auf den Iran zwar den Rücken gestärkt und das Recht des Landes auf Schutz und Sicherheit betont. Dies unterstreicht die Solidarität Frankreichs mit Israel im Kontext der regionalen Sicherheit.
Zuvor jedoch hatte Macron angesichts der humanitären Lage im Gazastreifen Israel mit einem verschärften Kurs gedroht. Die internationale Gemeinschaft, darunter auch Frankreich, äußert sich zunehmend besorgt über die zivile Opferzahl und die humanitäre Krise im Gazastreifen. Diese differenzierte Haltung Frankreichs – einerseits Solidarität mit Israels Sicherheitsbedürfnissen, andererseits Kritik an der militärischen Vorgehensweise im Gazastreifen – spiegelt die komplexe Gemengelage wider. Die Entscheidung, die Stände israelischer Rüstungsunternehmen zu schließen, kann somit als eine praktische Umsetzung dieser Drohung oder zumindest als ein starkes diplomatisches Signal verstanden werden, daß Frankreich seine Besorgnis über die Entwicklung im Gazastreifen sehr ernst nimmt.
Ein solcher Eklat auf einer internationalen Messe ist auch ein diplomatisches Instrument, um auf die Einhaltung internationaler Normen oder politischer Erwartungen hinzuweisen. Die Auswirkungen dieses Vorfalls auf die bilateralen Beziehungen zwischen Frankreich und Israel sowie auf die zukünftige Teilnahme israelischer Firmen an internationalen Rüstungsmessen werden sich in den kommenden Wochen zeigen. Der Salon du Bourget ist somit nicht nur ein Schaufenster für technologische Innovationen, sondern auch eine Bühne für politische Botschaften.