Boeing 777-200ER (Foto: Mark Tang).
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El Al plant umfangreiche Netzwerkerweiterung

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Die israelische Nationalfluggesellschaft El Al hat eine weitreichende Expansion ihres Streckennetzes angekündigt und setzt damit ein deutliches Zeichen für die operative Stabilität des Unternehmens in einem herausfordernden geopolitischen Umfeld. Mit der Aufnahme von insgesamt neun neuen Destinationen in Asien und Europa wird das globale Netzwerk der Fluggesellschaft auf die Rekordzahl von 60 Zielen anwachsen.

Besonders im Fokus steht dabei die Stärkung des Angebots im asiatischen Raum, wo neue Direktverbindungen nach Vietnam, Südkorea und auf die Philippinen den wachsenden Bedarf an touristischen Fernreisen decken sollen. Parallel dazu forciert die Tochtergesellschaft Sundor das europäische Saisongeschäft für das Jahr 2026. Während diese Expansionspläne die Resilienz des israelischen Luftfahrtsektors unterstreichen, steht das Unternehmen gleichzeitig im Fokus juristischer Auseinandersetzungen über die Preisgestaltung während der vergangenen Krisenmonate. Die strategische Vergrößerung der Flottenkapazitäten und die Erschließung neuer Märkte verdeutlichen jedoch den Anspruch der El Al, ihre Marktposition als führender Anbieter für Verbindungen von und nach Israel weiter zu festigen.

Asiatische Märkte im Fokus der Langstreckenstrategie

Ein zentraler Pfeiler der Wachstumsstrategie von El Al ist die Erschließung neuer Destinationen im fernen Osten. Die Fluggesellschaft plant, ab Oktober 2025 erstmals eine Verbindung nach Hanoi in Vietnam anzubieten. Diese Strecke markiert den Beginn einer verstärkten Ausrichtung auf asiatische Freizeitdestinationen. Im März 2027 soll die südkoreanische Hauptstadt Seoul folgen, während eine Verbindung nach Manila auf den Philippinen ebenfalls fest eingeplant ist, wobei der genaue Starttermin hierfür noch aussteht. Alle neuen Asien-Routen werden dreimal wöchentlich bedient, wobei El Al konsequent auf den Einsatz moderner Maschinen des Typs Boeing 787 Dreamliner setzt.

Diese Expansion ergänzt das bestehende Netzwerk in der Region, das bereits 16 wöchentliche Flüge nach Thailand sowie fünf Verbindungen nach Japan umfasst. Mit den Standorten Delhi, Mumbai, Hongkong, Bangkok und Tokio verfügt El Al bereits über eine solide Basis in Asien. Die Preisgestaltung für die neuen Ziele orientiert sich am Wettbewerbsumfeld; so werden Hin- und Rückflüge nach Vietnam in der Economy-Klasse ab 899 US-Dollar angeboten. Analysten sehen in der Konzentration auf den asiatischen Raum eine Reaktion auf das veränderte Reiseverhalten israelischer Kunden, die vermehrt nach Fernzielen suchen, die sowohl kulturell attraktiv als auch wirtschaftlich stabil sind.

Wiederaufnahme europäischer Traditionsrouten und saisonale Ziele

Parallel zum Ausbau der Fernost-Routen stärkt El Al über ihre Tochtergesellschaft Sundor die Präsenz auf dem europäischen Kontinent. Zwischen dem 24. Mai und dem 24. Oktober 2026 wird das Angebot um sechs saisonale Ziele erweitert. Ein besonderes Highlight stellt dabei die Rückkehr nach Kopenhagen dar. Nach 25 Jahren Abwesenheit wird die dänische Hauptstadt wieder direkt von Israel aus angeflogen. Die europäischen Strecken werden primär mit Flugzeugen des Typs Boeing 737 bedient, wobei die Ticketpreise für diese Verbindungen zwischen 339 und 529 US-Dollar für den Hin- und Rückflug liegen.

Zusätzlich zu Skandinavien fokussiert sich Sundor auf mediterrane und zentraleuropäische Ziele, die insbesondere für Urlaubsreisende von Bedeutung sind. Geplant sind Routen nach Sizilien und Sardinien in Italien sowie Verbindungen in die Schweiz und nach Kroatien. Diese saisonale Erweiterung zielt darauf ab, die hohe Nachfrage während der Sommermonate abzufangen und den Passagieren eine größere Vielfalt an Direktverbindungen für Kurz- und Mittelstrecken zu bieten. Durch die Auslagerung dieser touristischen Strecken an die Tochtergesellschaft Sundor kann El Al ihre Kernflotte effizienter auf den stark frequentierten Langstreckenrouten einsetzen.

Wirtschaftlicher Erfolg und juristische Herausforderungen

Trotz der positiven Nachrichten über den Ausbau des Netzwerks sieht sich El Al mit erheblicher Kritik an ihrer Geschäftspraxis konfrontiert. Das Unternehmen steht unter Beobachtung der Aufsichtsbehörden wegen des Vorwurfs der überhöhten Preisgestaltung während der krisenbedingten Einschränkungen des Flugverkehrs nach dem 7. Oktober 2023. Eine Sammelklage in Höhe von 600 Millionen US-Dollar wirft der Fluggesellschaft vor, ihre faktische Monopolstellung unter kriegsähnlichen Bedingungen ausgenutzt zu haben, um die Preise für Tickets massiv anzuheben.

Diese rechtlichen Auseinandersetzungen stehen im Kontrast zu den wirtschaftlichen Kennzahlen der Airline. El Al operiert derzeit auf einem Rekordniveau, insbesondere im Nordamerika-Verkehr. Mit 55 wöchentlichen Flügen in die USA und nach Kanada demonstriert die Fluggesellschaft eine ungebrochene Nachfrage nach interkontinentalen Verbindungen. Die Marktstellung von El Al wurde in den letzten Monaten dadurch gestärkt, dass viele internationale Fluggesellschaften ihre Verbindungen nach Tel Aviv zeitweise ausgesetzt oder reduziert hatten, wodurch der nationale Carrier zur wichtigsten Lebensader für den internationalen Personenverkehr wurde.

Modernisierung der Flotte und technologische Anforderungen

Um die angekündigte Expansion bewältigen zu können, investiert El Al kontinuierlich in die Modernisierung ihrer Flotte. Der Fokus auf die Boeing 787 für die neuen Asien-Strecken ist kein Zufall. Der Dreamliner ermöglicht durch seine Treibstoffeffizienz und Reichweite auch Strecken, die aufgrund von Überflugverboten in bestimmten Regionen längere Flugwege erfordern. Technologische Anpassungen in der Flugplanung und die Nutzung optimierter Korridore sind für eine israelische Fluggesellschaft essenziell, um die Wirtschaftlichkeit der Langstreckenrouten sicherzustellen.

Die Boeing 737-Flotte für den europäischen Verkehr soll ebenfalls sukzessive durch neuere Modelle ergänzt werden, um den Passagierkomfort zu erhöhen und die Betriebskosten zu senken. Die logistische Herausforderung besteht darin, das Wachstum des Streckennetzes mit der Verfügbarkeit von geschultem Personal und Wartungskapazitäten in Einklang zu bringen, da die globale Luftfahrtbranche weiterhin mit Engpässen in den Lieferketten für Ersatzteile und neue Triebwerke zu kämpfen hat.

Ausblick auf die israelische Luftfahrtindustrie

Die Expansionspläne von El Al spiegeln eine breitere Resilienz des israelischen Luftfahrtsektors wider. Trotz regionaler Spannungen bleibt die Nachfrage nach internationaler Konnektivität stabil. Die Entscheidung, Hanoi, Seoul und Manila anzufliegen, ist Teil einer langfristigen Diversifizierungsstrategie, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von traditionellen Märkten in Europa und Nordamerika zu verringern. Sollten die rechtlichen Hürden bezüglich der Preisgestaltung überwunden werden, steht El Al vor einer Phase des signifikanten Wachstums.

Die Rekordzahl von 60 Destinationen bis zum Jahr 2027 markiert einen Wendepunkt für die nationale Fluggesellschaft. Es zeigt, dass El Al bereit ist, über die unmittelbaren Krisen hinaus in die Zukunft zu investieren und Israel als zentralen Knotenpunkt für Reisende zwischen West und Ost zu positionieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, inwieweit die neuen Strecken angenommen werden und ob es dem Unternehmen gelingt, das Vertrauen der Kunden durch eine transparente Preispolitik und zuverlässigen Service zurückzugewinnen.

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