Der brasilianische Flugzeughersteller Embraer intensiviert seine internationalen Kooperationsbemühungen, um seine Produktionskapazitäten zu erweitern und neue Märkte zu erschließen. Jüngste Vereinbarungen mit Turkish Aerospace Industries (TUSAŞ) und polnischen Partnern unterstreichen diesen strategischen Kurs.
Am 1. April 2025 unterzeichneten Embraer und Turkish Aerospace Industries (TUSAŞ) während der LAAD Defence & Security Messe in Rio de Janeiro ein Memorandum of Understanding (MoU). Dieses Abkommen zielt darauf ab, Möglichkeiten einer umfassenden industriellen Partnerschaft zu erkunden, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung. Ein zentraler Aspekt der Zusammenarbeit könnte die Errichtung einer Endmontagelinie für Embraers E2-Jet-Familie in der Türkei sein.
Francisco Gomes Neto, Präsident und CEO von Embraer, betonte die Bedeutung dieser Partnerschaft: „Embraer ist begeistert von diesen bedeutenden Möglichkeiten mit Turkish Aerospace. Deren Expertise in der Luftfahrtproduktion und -montage passt perfekt zu unseren strategischen Zielen.“
Mehmet Demiroğlu, CEO von Turkish Aerospace, unterstrich die Relevanz der Kooperation für die türkische Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie: „Dieses Memorandum markiert einen bedeutenden Meilenstein für die türkische Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie. Durch unsere Zusammenarbeit mit Embraer streben wir an, unsere technologischen Fähigkeiten weiter zu verbessern und die Zukunft der Luftfahrt zu gestalten.“
Ausbau der Kooperation mit Polen
Parallel dazu intensiviert Embraer seine Beziehungen zu Polen. Im März 2025 besuchte CEO Francisco Gomes Neto Warschau, um potenzielle Partnerschaften im Bereich Flugzeugproduktion und -wartung zu sondieren. Ein zentrales Anliegen ist die Einrichtung einer Endmontagelinie für das militärische Transportflugzeug KC-390 Millennium in Polen. Dieses Vorhaben könnte einen wirtschaftlichen Wert von etwa einer Milliarde US-Dollar generieren und rund 600 lokale Arbeitsplätze schaffen.
Darüber hinaus erwägt Embraer weitere Projekte in Polen, darunter die Teilmontage von Strukturkomponenten für die E2-Jets, die Umrüstung von E190-Flugzeugen zu Frachtmaschinen und die Einrichtung einer Überholungsanlage für Fahrwerke. Diese Initiativen könnten in den nächsten zehn Jahren Investitionen von über zwei Milliarden US-Dollar und mehr als 4.400 Arbeitsplätze nach sich ziehen.
Strategische Bedeutung und wirtschaftliche Auswirkungen
Diese internationalen Kooperationen spiegeln Embraers Bestreben wider, seine globale Präsenz zu stärken und den Zugang zu neuen Märkten zu erleichtern. Die Türkei und Polen bieten aufgrund ihrer geografischen Lage und industriellen Kapazitäten strategische Vorteile. Für die Türkei könnte die Partnerschaft mit Embraer den Luftfahrtsektor weiterentwickeln und technologische Fortschritte fördern. In Polen könnten die geplanten Investitionen die lokale Wirtschaft ankurbeln und das Land als Zentrum für Luftfahrtexzellenz in Europa positionieren.
Trotz der vielversprechenden Aussichten stehen beide Kooperationen vor Herausforderungen. Die Umsetzung der geplanten Projekte erfordert erhebliche Investitionen, technologische Anpassungen und die Integration in bestehende Produktionsnetzwerke. Zudem müssen regulatorische Hürden und mögliche geopolitische Spannungen berücksichtigt werden. Dennoch könnten erfolgreiche Partnerschaften Embraers Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und die beteiligten Länder als bedeutende Akteure in der globalen Luftfahrtindustrie etablieren.