Der brasilianische Flugzeughersteller Embraer hat bekanntgegeben, daß sich das Entwicklungsprogramm für das Regionalflugzeug E175-E2 um weitere vier Jahre verzögern wird. Dies geht aus einer Mitteilung des Unternehmens an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC vom 26. Februar 2025 hervor. Damit setzt Embraer die bereits im Jahr 2022 angekündigte dreijährige Verzögerung fort und verschiebt den geplanten Eintritt des Modells in den Markt weiter in die Zukunft.
Als Hauptgrund für die Entscheidung nennt Embraer die sogenannten „Scope Clauses“ in den Vereinigten Staaten, die das maximale Abfluggewicht für Regionalflugzeuge mit bis zu 76 Sitzplätzen begrenzen. Diese vertraglichen Vereinbarungen zwischen den großen US-Fluggesellschaften und deren Pilotengewerkschaften verhindern, daß größere oder schwerere Regionalflugzeuge wie der E175-E2 von Tochtergesellschaften dieser Airlines eingesetzt werden können.
Neben regulatorischen Hürden verweist das Unternehmen auf die aktuellen globalen Marktbedingungen. Eine anhaltende Nachfrage nach dem Vorgängermodell E175 trägt ebenfalls dazu bei, daß Embraer sich vorerst auf dieses Flugzeug konzentrieren möchte. „Das Unternehmen geht davon aus, die Entwicklungsaktivitäten nach dem genannten Zeitraum wieder aufzunehmen, was eine Neuprogrammierung des Markteintritts des Flugzeugs zur Folge haben wird“, erklärte Embraer in seiner Mitteilung an die SEC.
Schwierigkeiten für die E2-Serie
Während sich das kleinste Modell der E2-Familie, der E175-E2, bislang nicht am Markt etablieren konnte, haben die größeren Varianten E190-E2 und E195-E2 eine bessere Resonanz gefunden. Besonders die E195-E2 hat in den vergangenen Jahren Bestellungen von mehreren Fluggesellschaften erhalten und ist in verschiedenen Märkten im Einsatz.
Der E175-E2 absolvierte seinen Erstflug im Dezember 2019 und sollte ursprünglich bereits 2021 in Dienst gestellt werden. Aufgrund der Gewichtsbeschränkungen in den Vereinigten Staaten sowie einer verhaltenen Nachfrage in anderen Regionen wurde dieser Zeitplan jedoch mehrfach verschoben. Nun sieht sich Embraer gezwungen, das Programm um weitere vier Jahre auszusetzen.
Technische Details des E175-E2
Der E175-E2 ist das modernisierte Nachfolgemodell des beliebten E175 und wurde für mehr Effizienz, geringere Betriebskosten und eine größere Reichweite entwickelt. Mit einer maximalen Reichweite von 3.704 Kilometern könnte das Flugzeug sowohl für kurze als auch für mittelstrecken Flüge eingesetzt werden. Es bietet Platz für bis zu 80 Passagiere in einer typischen Drei-Klassen-Konfiguration.
Dennoch bleibt unklar, ob das Modell nach der erneuten Verzögerung noch auf breite Akzeptanz stoßen wird. Besonders die starke Konkurrenz durch die kanadische Bombardier CRJ-Serie sowie durch größere Single-Aisle-Jets wie den Airbus A220 erschwert Embraers Position im Regionalflugzeugsegment.
Auswirkungen auf Embraer und den Markt
Die erneute Verzögerung des E175-E2 könnte für Embraer wirtschaftliche Konsequenzen haben. Zwar bleibt das Vorgängermodell E175 weiterhin erfolgreich und gefragt, doch langfristig könnte das Unternehmen Marktanteile an konkurrierende Hersteller verlieren.
Ein weiterer Aspekt ist die Frage, ob die Scope Clauses in den USA in absehbarer Zeit gelockert oder aufgehoben werden. Falls dies nicht geschieht, könnte Embraer gezwungen sein, sein Portfolio anzupassen oder sich verstärkt auf Märkte außerhalb der USA zu konzentrieren.
Während die größeren Modelle der E2-Familie weiterhin verkauft werden, bleibt der Erfolg des E175-E2 ungewiss. Sollte sich der Markt in den kommenden Jahren nicht zugunsten von Embraer entwickeln, könnte das Unternehmen sogar gezwungen sein, das Projekt endgültig einzustellen.