Die in Dubai ansässige Fluggesellschaft Emirates hat auf der Dubai Airshow 2025 ein klares Zeichen der Unterstützung für das Langstreckenflugzeugprogramm Boeing 777X gesetzt. Trotz erneuter und erheblicher Verzögerungen bei der Auslieferung des Großraumjets erhöhte Emirates, der bei weitem größte Besteller des Musters, seine Gesamtbestellung um 65 weitere Exemplare des Modells 777-9. Dieser massive Kauf, der die Gesamtzahl der bestellten 777X-Flugzeuge auf 270 erhöht, unterstreicht die langfristige Flottenstrategie der Airline und ihr Vertrauen in das Flugzeug, welches die schrittweise Nachfolge des Airbus A380 antreten soll.
Die neue Order erfolgt zu einem Zeitpunkt, da das 777X-Programm des US-Flugzeugbauers Boeing mit komplexen Zertifizierungsprozessen und einer kumulierten mehrjährigen Verspätung kämpft. Die erste Auslieferung der 777-9 an Emirates wird nun nicht vor 2027 erwartet, während die kleinere Variante 777-8 voraussichtlich erst gegen 2030 in Dienst gestellt werden kann. Die ursprünglichen Pläne sahen eine Indienststellung des ersten Flugzeugs bereits um das Jahr 2020 vor, doch technische Herausforderungen am Flugzeug und den Triebwerken sowie der hohe Aufwand bei der Zulassungsdokumentation durch die US-Luftfahrtbehörde FAA führten zu einer mehrfachen Verschiebung des Zeitplans.
Der strategische Großauftrag und seine Signalwirkung
Die Ankündigung von Emirates auf der Dubai Airshow 2025, eine der wichtigsten Veranstaltungen der Luftfahrtbranche, ist ein starkes Bekenntnis zum 777X-Programm. Die zusätzlichen 65 Boeing 777-9 festigen die Position von Emirates als Schlüsselpartner für Boeing und zeigen die Entschlossenheit der Golf-Airline, ihre Wachstumspläne weiterzuverfolgen. Die 777X-Familie, die die Kapazität der bisherigen 777-Flotte übertreffen und in der größeren Version 777-9 auch das Transportvolumen des A380 auf vielen Routen ersetzen soll, ist zentral für die Flottenzukunft von Emirates.
Das Unternehmen positioniert sich damit langfristig für den Langstreckenverkehr. Die Aufstockung der Bestellung ist bemerkenswert, da sie inmitten der anhaltenden Unsicherheiten rund um die Zertifizierung des Flugzeugs erfolgt. Für Boeing, das in den vergangenen Jahren mit weitreichenden Herausforderungen und erheblichen finanziellen Belastungen im Zusammenhang mit dem 777X-Programm konfrontiert war – Schätzungen zufolge in Milliardenhöhe – stellt der Großauftrag einen wichtigen Vertrauensbeweis dar.
Die anhaltenden Herausforderungen bei der Zulassung
Die Entwicklung der Boeing 777-9, des weltweit größten zweistrahligen Passagierflugzeugs, ist von einem äußerst rigorosen und komplexen Zulassungsprozess durch die FAA gekennzeichnet. Obwohl Boeing Fortschritte meldet und kürzlich grünes Licht für die dritte von fünf Zertifizierungsphasen erhielt, liegt nach Aussage von Konzernvertretern noch ein „Berg an Arbeit“ vor dem Hersteller, hauptsächlich im Bereich der Dokumentation. Es wurden zwar keine neuen technischen Mängel am Flugzeug selbst oder seinen Triebwerken festgestellt, der Aufwand für die abschließende Zulassung erweist sich jedoch als immens.
Diese fortgesetzten Verzögerungen haben nicht nur bei Emirates, sondern auch bei anderen Erstkunden wie der deutschen Lufthansa zu Anpassungen der Flottenplanung geführt. Die Lufthansa, die ursprünglich ab 2020 mit der 777-9 plante, rechnet nun ebenfalls nicht vor 2027 mit der Indienststellung. Die Unsicherheit beim Zeitplan zwingt die Airlines, ihre bestehenden Großraumflugzeuge, einschließlich der A380 bei Emirates und der älteren 747-400 und A340-600 bei anderen Betreibern, länger als ursprünglich vorgesehen zu betreiben. Emirates hat in diesem Zusammenhang bereits in die Verlängerung der Nutzungsdauer seiner A380-Flotte investiert und geht von einem Betrieb der Superjumbos bis in die 2040er-Jahre aus.
Flottenstrategie: Die 777X als A380-Nachfolger
Die Boeing 777X ist bei Emirates als strategischer Nachfolger des Airbus A380 vorgesehen. Mit ihrer hohen Passagierkapazität, insbesondere in der Version 777-9, soll sie die Rolle des Flaggschiffs auf den hochfrequentierten, verkehrsstarken Langstreckenrouten übernehmen. Die 777-9, die eine höhere Kapazität als die Vorgängerversion 777-300ER aufweist, wird stufenweise in das bestehende Netzwerk integriert, um die Aufgaben der schrittweise ausgemusterten A380 zu übernehmen. Die kleinere, extrem reichweitenstarke 777-8 soll voraussichtlich auf besonders langen, weniger stark nachgefragten Strecken zum Einsatz kommen.
Die Entscheidung von Emirates, trotz der Verzögerungen weiter in das 777X-Programm zu investieren, ist ein starkes Signal an den Markt und die Konkurrenz, insbesondere an Airbus. Der europäische Flugzeugbauer profitiert zwar kurzfristig von den Schwierigkeiten Boeings, da Airlines als Überbrückung oder Alternative auf Muster wie den A350 zurückgreifen, doch die Flottenpolitik von Emirates zeigt eine klare Präferenz für das 777X-Konzept im Segment der Ultra-Großraumflugzeuge. Gleichzeitig diversifiziert Emirates seine Flotte auch mit Bestellungen für den Airbus A350 und die Boeing 787, um flexibler auf die Anforderungen verschiedener Strecken reagieren zu können. Dennoch bleibt die 777X das Kernstück der zukünftigen Langstreckenflotte und somit ein zentraler Baustein für das geplante Wachstum des Drehkreuzes Dubai. Die nunmehr auf 270 Flugzeuge angewachsene Order unterstreicht diese Ausrichtung unmissverständlich.