Airbus A380 (Foto: Emirates).
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Emirates verlängert die Ära des Airbus A380

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Die Luftfahrtbranche erlebt eine Renaissance des größten Passagierflugzeugs der Welt, getragen vom größten Betreiber: Die in Dubai ansässige Emirates plant, ihre aktive Flotte des Airbus A380 bis Ende des kommenden Jahres von derzeit 95 auf bis zu 110 Flugzeuge auszubauen.

Wie AviationWeek berichtet, vollzieht der Golf-Carrier diesen strategischen Schritt als direkte Reaktion auf die anhaltenden Lieferverzögerungen für die bestellten Boeing 777X-Großraumflugzeuge. Anstatt die älteren A380 auszumustern, investiert Emirates massiv in die Verlängerung der Lebensdauer der doppelstöckigen Jets.

Ein Kernelement dieser Strategie ist das umfangreiche Nachrüstprogramm, bei dem die Flugzeuge mit modernisierten Premium-Kabinen, einschließlich der vielbeachteten Premium Economy Class, ausgestattet werden. Emirates hält damit nicht nur an dem ikonischen Flugzeug fest, dessen Produktion Airbus bereits eingestellt hat, sondern forciert dessen Einsatz als zentrales Element der globalen Wachstumsstrategie. Tim Clark, Präsident von Emirates Airline, bestätigte die Pläne, die das Engagement des Unternehmens für den Superjumbo unterstreichen und seine Rolle als unangefochtener A380-Weltmarktführer festigen.

Die Zwangsheirat mit dem A380: Ersatz für die 777X

Die ursprüngliche Planung von Emirates sah vor, einen Teil der A380-Flotte schrittweise aus dem Dienst zu nehmen und durch die nächste Generation von Großraumflugzeugen, insbesondere die Boeing 777X, zu ersetzen. Da die Auslieferung der 777X jedoch erhebliche und wiederholte Verzögerungen erfahren hat, musste Emirates seine mittelfristige Wachstums- und Kapazitätsplanung grundlegend überdenken.

Die Entscheidung, die aktive A380-Flotte auf bis zu 110 Flugzeuge zu erweitern, bedeutet, dass Emirates nicht nur stillgelegte Jets reaktiviert, sondern auch Flugzeuge von Leasinggebern erwirbt, um sie weiterhin zu betreiben. Die Fluggesellschaft verfügt laut Daten von ch-aviation über insgesamt 116 A380, von denen derzeit fast zwei Dutzend entweder geparkt oder in der Nachrüstung sind.

Präsident Tim Clark sprach offen über die notwendigen Instandsetzungsarbeiten an einigen der älteren A380. Er betonte jedoch, dass das Fehlen eines geeigneten Langstreckenersatzes das Unternehmen dazu veranlasst habe, in die betriebliche Effizienz der Superjumbos zu investieren, um deren Lebensdauer auf mindestens ein weiteres Jahrzehnt zu verlängern. Die Spezifikationen des A380 sehen eine Lebensdauer von etwa 100.000 Flugstunden oder 20 Jahren vor. Da Emirates einige dieser Flugzeuge bereits seit 2008 betreibt, wird die Airline einige Einheiten nun auf 24 oder 25 Dienstjahre ausdehnen müssen.

Ersatzteilbeschaffung und Turbo-Nachrüstung

Ein kritischer Faktor für die Verlängerung der Lebensdauer eines eingestellten Flugzeugtyps ist die Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Tim Clark versicherte, dass Emirates in dieser Hinsicht gut aufgestellt sei. Durch das strategische Ausschlachten (teardowns) älterer A380-Einheiten hat die Fluggesellschaft einen beträchtlichen Lagerbestand an Teilen aufgebaut. Diese weitsichtige Bevorratung stellt sicher, dass der A380 als Flaggschiff der Fluglinie auch in den kommenden Jahren flugfähig bleibt.

Parallel zur Ersatzteilbeschaffung hat Emirates ihr Nachrüstungsprogramm optimiert, das die Flugzeuge mit neuen, hochwertigen Kabinen ausstattet. War es anfangs noch notwendig, die Flugzeuge für bis zu sechs Wochen stillzulegen, um die Innenausstattung komplett zu entfernen, hat die Fluggesellschaft den Prozess auf nur noch 16 Tage verkürzt. Die vollständige Renovierung jedes einzelnen Flugzeugs, einschließlich des Einbaus der neuen Premium Economy, soll in rund 18 Monaten abgeschlossen werden.

Das Retrofit-Programm ist allerdings von der Verzögerung der 777X-Auslieferung betroffen. Die neuen Kabinendesigns, die ursprünglich für die 777X entwickelt wurden, mussten für die Nachrüstung der A380-Flotte angepasst werden. Dies bedeutet, dass die derzeit nachgerüsteten A380s in der Zukunft möglicherweise für eine erneute Überarbeitung zurückgerufen werden müssen, sobald die endgültigen Kabinendesigns der nächsten Generation feststehen.

Der A380 als Kapazitätsanker und Produktplattform

Die enge Verbindung zwischen Emirates und dem Airbus A380 ist ein Hauptpfeiler des Geschäftsmodells der Airline. Der A380 bildet zusammen mit der Boeing 777 das Rückgrat, das es der Fluggesellschaft ermöglicht hat, Dubai International Airport (DXB) zu einem der verkehrsreichsten Drehkreuze für internationale Reisende weltweit zu entwickeln. DXB dient als zentraler Umsteigepunkt für Reisende zwischen Nordamerika und Afrika, Australien und Europa sowie Asien und Südamerika.

Die Kapazität des A380 ermöglicht es Emirates, eine breite Palette von Passagiersegmenten zu bedienen. In der First Class werden luxuriöse Annehmlichkeiten wie private Suiten und Bord-Dusch-Spas geboten. Die Business Class bietet exklusive Lounges und gehobene Services. Die neue Premium Economy Class spricht Reisende an, die breitere Sitze, kostenlose Annehmlichkeiten sowie verbesserte Mahlzeiten und Getränke im Vergleich zur Economy Class schätzen. Die Economy Class selbst gilt aufgrund der Geräuschdämmung und des großzügigen Platzangebots als eines der komfortabelsten Economy-Erlebnisse in der Luftfahrt.

Emirates bedient derzeit ein Netzwerk von 143 Destinationen weltweit und setzt den A380 auf mehr als 30 Routen ein. Die bedeutendste A380-Route ist die Verbindung zwischen Dubai und London, wobei London Heathrow bis zu sechs tägliche A380-Flüge erhält und der benachbarte Flughafen Gatwick drei tägliche Flüge. Weitere Kapazität wird auf London Stansted mit zwei täglichen 777-300ER-Flügen angeboten. Die massive Aufstockung der A380-Flotte stellt sicher, dass Emirates die hohe Nachfrage auf diesen zentralen Strecken weiterhin bedienen kann, bis die nächste Generation von Großraumflugzeugen einsatzbereit ist.

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