Der internationale Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (CLIA) hat neue Verbrauchsdaten für die in europäischen Gewässern eingesetzten Passagierschiffe für den Zeitraum von 2018 bis 2025 vorgelegt.
Laut den Angaben des Verbandes sank der durchschnittliche Treibstoffverbrauch pro Schiff in diesem Zeitraum um 18,5 Prozent. Der Verband begründet diese Entwicklung mit Anpassungen bei den eingesetzten Kraftstoffarten sowie einer veränderten technischen Ausstattung der Einheiten. Die Berechnungen basieren auf Meldungen der Reedereien an die europäische Datenbank Thetis-MRV und beziehen sich ausschließlich auf die Durchschnitte einzelner Schiffe, nicht auf die absoluten Gesamtemissionen des Sektors.
Parallel zur leichten Reduktion des Pro-Kopf-Verbrauchs verschob sich die Zusammensetzung der genutzten Energieträger im weltweiten Flotteneinsatz. Nach Daten der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) reduzierte sich der Schwerölanteil am Treibstoffverbrauch der Kreuzfahrtschiffe zwischen 2019 und 2024 von 74,2 auf 60,6 Prozent. Der Anteil von Schiffsdiesel, verflüssigtem Erdgas (LNG) und sonstigen Kraftstoffen stieg im gegenzug auf rund 40 Prozent. Trotz des Rückgangs bleibt der Einsatz von konventionellem Schweröl die dominierende Energiequelle in der maritimen Passagierschifffahrt.
Ein zentrales Thema bei der Infrastruktur im Hafenbereich bleibt die Nutzung von Landstrom während der Liegezeiten. Während der Verband angibt, dass mittlerweile 193 Schiffe und damit knapp zwei Drittel der Flotte technisch für den Landstrombezug ausgerüstet sind, hinkt der Ausbau der landseitigen Terminals deutlich hinterher. Weltweit bieten bisher nur rund 40 Hafenstandorte entsprechende Stromanschlüsse für Passagierschiffe an. Innerhalb der Europäischen Union soll die Ausstattung der Häfen zwar bis zum Jahr 2030 im Rahmen gesetzlicher Vorgaben erweitert werden, die langwierigen Planungsprozesse und hohen Investitionskosten verzögern den flächendeckenden Anschluss jedoch erheblich.
Branchenkritiker und Schifffahrtsanalysten verweisen darauf, dass verbrauchsbezogene Durchschnittswerte pro Schiff die reale Gesamtbelastung durch das Wachstum der weltweiten Kreuzfahrtflotte verdecken können. Solange die Passagierkapazitäten und die Zahl der Schiffsreisen insgesamt steigen, schlagen sich prozentuale Verbrauchsrückgänge am einzelnen Schiff nicht zwingend in einer absoluten Verringerung der Umweltbelastung in den Hafenstädten und auf den Meeren nieder. Der Verband fordert derweil von Hafenbetreibern, Energieproduzenten und der Politik beschleunigte Investitionen in die Hafeninfrastruktur und die Bereitstellung alternativer Kraftstoffe.