Die norwegische Postgesellschaft Posten Norge hat den eigenständigen Lufttransport von Briefen und Paketen im Inland nach mehr als einem Jahrhundert eingestellt. Der vertragliche Rahmen mit dem polnischen Frachtfluganbieter Sprint Air lief Ende Juli 2026 aus und wurde von der Post nicht verlängert.
Als primäre Ursache für diesen Schritt nennt das Unternehmen das stark rückläufige Briefvolumen im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung. Künftig wird die verbleibende Luftpost für entlegene Regionen im Norden des Landes, etwa von Oslo-Gardermoen nach Bodø und Tromsø, im Frachtraum regulärer Passagierlinienflüge mitgeführt oder verstärkt auf die Schiene und Straße verlagert.
Die Beendigung der Inlandsflugpost überschattet ein Streit zwischen der ausführenden Fluggesellschaft und den norwegischen Regulierungsbehörden. Sprint Air hatte den Flugbetrieb in Norwegen bereits Ende Juni vorzeitig eingestellt, nachdem die norwegische Luftfahrtbehörde Luftfartstilsynet der Airline Fristen zur Behebung gemeldeter Mängel bei der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und arbeitsrechtlichen Bestimmungen gesetzt hatte. Laut Behördenangaben konnte die Fluggesellschaft bis zum Ablauf der Frist keine ausreichenden Nachweise über die Beseitigung der Beanstandungen vorlegen.
Sprint Air weist die Darstellungen der Aufsichtsbehörde zurück und macht verzögerte Prüfprozesse der norwegischen Stellen für die Probleme verantwortlich. Das Unternehmen betonte, dass der Vertrag mit Posten Norge ohnehin planmäßig geendet hätte. Dennoch verdeutlicht der Fall die Herausforderungen bei der Ausschreibung von Frachtflugleistungen in Nischenmärkten, wo Kostendruck und strenge Regulierungsstandards aufeinandertreffen.
Der Übergang zur Nutzung von Beiladefracht auf kommerziellen Linienflügen senkt für die norwegische Post die Festkosten für geleaste Frachtmaschinen erheblich. Allerdings macht sich das Postwesen damit stärker von den Flugplänen und Kapazitäten der zivilen Fluggesellschaften abhängig. Für die Versorgung der nordnorwegischen Zielorte bedeutet die Neuausrichtung eine Konsolidierung der Logistikketten bei potenziell veränderten Laufzeiten.