Auf den kanarischen Inseln El Hierro, Lanzarote, Fuerteventura und La Palma verschärft sich der Personalmangel in den Kontrolltürmen. Nach Angaben der spanischen Fluglotsengewerkschaft USCA fehlen an den vier regionalen Verkehrsflughäfen zahlreiche Fachkräfte, um den regulären Schichtbetrieb dauerhaft abzudecken.
Besonders angespannt ist die personelle Lage auf Lanzarote und Fuerteventura, wo derzeit nur zwölf beziehungsweise zehn Fluglotsen im Einsatz sind – deutlich weniger als zu Zeiten der rein öffentlichen Verwaltung. Auf La Palma arbeiten aktuell acht Lotsen, während die kleinste Kanareninsel El Hierro über sechs Arbeitskräfte verfügt.
Die personellen Engpässe führten bereits zu operativen Einschränkungen im Flugbetrieb. Auf El Hierro zwang die dünne Personaldecke die Flughafenleitung in der Vergangenheit bereits dazu, die täglichen Öffnungszeiten des Flughafens zeitweise zu verkürzen. Der spanische Flughafenbetreiber Aena reagierte auf die Betriebsstörungen mit der Androhung von finanziellen Sanktionen gegen den privaten Flugsicherungsdienstleister Saerco. Das private Unternehmen verantwortet den Tower-Betrieb an den betroffenen Kanaren-Flughäfen im Rahmen einer Ausgliederung, steht jedoch seit Längerem wegen Tarifkonflikten und hoher Fluktuation in der Kritik der Berufsverbände.
Aus Sicht der Gewerkschaft USCA beeinträchtigen die Engpässe nicht nur den pünktlichen Ablauf des Flugverkehrs, sondern bergen auch Risiken für die Flugsicherheit. Eine kurzfristige Aufstockung des Personals zum Start der anstehenden Winter-Hochsaison gilt als unwahrscheinlich, da die spezifischen Auswahl- und Einarbeitungsverfahren für die lokalen Kontrolltürme mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die Arbeitsbelastung der verbleibenden Beschäftigten steigt kontinuierlich, da die Fluggast- und Flugbewegungszahlen auf den Kanarischen Inseln weiter zulegen. Im Juli erfassten die Behörden auf dem Archipel 37.063 Flugbewegungen, was einem Zuwachs von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.
Branchenbeobachter werten die Krise als Symptom der vor einigen Jahren eingeleiteten Teilprivatisierung der spanischen Flugsicherung. Während die Ausgliederung der Kontrolltürme an private Anbieter wie Saerco primär darauf abzielte, die Gebühren für Fluggesellschaften zu senken, führte der dadurch entstandene Kostendruck zu schlechteren Arbeitsbedingungen und Lohnkürzungen. Dies erschwert die Rekrutierung von qualifiziertem Personal erheblich. Sollten Betreiber und Flugsicherung keine nachhaltige Lösung für die Besetzungsprobleme finden, drohen auf den Kanaren in den kommenden Monaten erneute Verspätungen und Einschränkungen im regionalen Inselverkehr.