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Entlastung für die Luftfahrt: Regierung senkt Ticketsteuer ab Mitte 2026

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Die schwarz-rote Koalition hat die Weichen für eine deutliche Entlastung des Luftverkehrsstandorts Deutschland gestellt. Zum 1. Juli 2026 soll die deutsche Luftverkehrssteuer auf das Niveau vor der letzten Erhöhung im Mai 2024 gesenkt werden. Dieser Schritt, der von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach den Beratungen des Koalitionsausschusses angekündigt wurde, zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Luftfahrt zu stärken und positive Impulse für die Tourismus-, Messe- und Logistikbranche zu setzen. Die Entlastungssumme zugunsten der Luftverkehrsindustrie wird auf rund 350 Millionen Euro geschätzt.

Die Branche begrüßt die Maßnahme als ein wichtiges Signal zur Umkehr einer jahrelang steigenden Kostenbelastung. Insbesondere der Branchenverband BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft) sieht eine Senkung der staatlichen Standortkosten um rund zehn Prozent, die sich positiv auf die gesamte Wertschöpfungskette auswirken soll. Die Fluggesellschaften, allen voran die Lufthansa, kündigten bereits an, geplante Streckeneinstellungen und Frequenzkürzungen erneut zu prüfen.

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität

Der deutsche Luftverkehrsstandort steht im europäischen Vergleich seit längerem unter Druck. Branchenvertreter wie der BDL betonen, dass sich die Erholung des Passagierluftverkehrs nach der weltweiten Pandemie in Deutschland unterdurchschnittlich entwickelt hat, was unter anderem auf die vergleichsweise hohen Standortkosten, bestehend aus Steuern und Gebühren, zurückgeführt wird. Die nun beschlossene Senkung der Ticketsteuer, die ursprünglich im Jahr 2011 zur Etatsanierung eingeführt wurde, gilt als zentraler Baustein, um diesen Rückstand aufzuholen.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bezeichnete die Senkung als wichtiges Signal, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den europäischen Nachbarländern zu verbessern. Der Kanzler selbst unterstrich, dass mit der Maßnahme ein klares Zeichen für einen wettbewerbsfähigen Luftverkehrsstandort gesetzt werde. Dieser sei nicht nur für die Volkswirtschaft, sondern auch für die Anbindung von Touristen und Geschäftsreisenden essenziell.

Impulse für Tourismus und Geschäftsreisen

Der Deutsche Reiseverband (DRV) und die Bundesregierung versprechen sich von der steuerlichen Entlastung eine Belebung des Reiseverkehrs. Präsident Albin Loidl vom DRV hob hervor, dass dies ein wichtiger Schritt sei, um Urlaub für alle erschwinglich zu halten, insbesondere für Familien. Er betonte die soziale Dimension der Maßnahme.

Auch im Segment der Geschäftsreisen werden positive Auswirkungen erwartet. Christoph Ploß (CDU), der Tourismus-Koordinator der Bundesregierung, äußerte gegenüber der Funke Mediengruppe die Erwartung, dass die besseren Wettbewerbsbedingungen mehr Touristen und Geschäftsreisende nach Deutschland ziehen werden. Speziell der Messestandort Deutschland soll davon profitieren, da internationale Verbindungen und Erreichbarkeit für dieses Segment von größter Bedeutung sind. Eine wettbewerbsfähige Luftfahrt gilt als unverzichtbar für die Logistik und die allgemeine Wirtschaftsstärke des Landes.

Was bedeutet das für die Passagiere?

Ob die Senkung der Luftverkehrssteuer direkt zu günstigeren Flugtickets für die Passagiere führen wird, bleibt abzuwarten. Die Luftverkehrswirtschaft hält sich in dieser Frage bislang unkonkret. Experten weisen darauf hin, dass die Steuerentlastung zwar die Belastung der Airlines verringert, aber nicht automatisch eine Weitergabe der Kostenersparnis an die Endkunden bedeutet, da Flugpreise von zahlreichen Faktoren, wie der Nachfrage, dem Wettbewerb und den Kerosinpreisen, abhängen.

Wirtschaftsökonomen sehen die Entscheidung gemischt. Einerseits wird die Notwendigkeit zur Stärkung des Standorts bejaht. Andererseits wird befürchtet, dass die Steuermittel, die im Verkehrsetat verbucht werden sollen, ohne eine signifikante Belebung der Nachfrage in erster Linie den Airlines zugutekommen, ohne die Nachfrage oder die Ticketpreise maßgeblich zu beeinflussen.

Forderungen der Gewerkschaften und weitere Entlastungen

Neben der Reduzierung der Ticketsteuer fordern Branchenvertreter und Gewerkschaften weitere Maßnahmen. Die Gewerkschaft Verdi begrüßt zwar die Senkung der Luftverkehrssteuer, mahnt aber gleichzeitig weitere Entlastungen für den europäischen Luftverkehr an. Die Vize-Verdi-Chefin Christine Behle kritisierte, dass heimische Airlines, Flughäfen und Beschäftigte gegenüber der Konkurrenz aus Drittstaaten systematisch benachteiligt würden, da europäische Unternehmen strengeren Regeln unterliegen, die von nicht-europäischen Wettbewerbern umgangen werden könnten. Verdi sieht in der Entlastung einen Schritt zu fairen Wettbewerbsbedingungen und zur Sicherung der Arbeitsplätze.

Zusätzlich zur Ticketsteuer erwartet der Deutsche Reiseverband Entlastungen bei den Gebühren für Flugsicherung und Luftsicherheit. Diese staatlichen Kostenblöcke tragen ebenfalls zur hohen Belastung der Airlines und Flughäfen bei. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Finanzierung der gesamten Entlastungsmaßnahmen zu analysieren, um eine tragfähige Umsetzung zu gewährleisten.

Der Koalitionsbeschluss markiert einen wichtigen, wenn auch nach Ansicht vieler Branchenakteure nur ersten Schritt, um den Luftverkehrsstandort Deutschland aus dem europäischen Rückstand herauszuführen und dessen Attraktivität für internationale Reisende und Unternehmen wieder zu erhöhen.

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