Die deutschen Verkehrsflughäfen verzeichneten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 ein Passagieraufkommen von insgesamt 97,7 Millionen Fluggästen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) entspricht dies einem Rückgang von knapp einem Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025.
Als Ursachen für diese Entwicklung nennt die Branche neben geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Arbeitskampfmaßnahmen vor allem die hohen staatlich festgelegten Standortkosten in Deutschland. Während das Passagieraufkommen im übrigen europäischen Ausland im gleichen Zeitraum zunahm, hinkt die Erholung des deutschen Luftverkehrsmarktes im Vergleich zum Vor-Pandemie-Niveau von 2019 weiterhin deutlich hinterher.
Der internationale Airline-Verband Board of Airline Representatives in Germany (Barig) sieht die Ursachen für das anhaltende Minus vorrangig in den finanziellen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Nach Auffassung des Verbandes führen hohe Gebühren für Flugsicherung und Luftsicherheit sowie die verbleibende Abgabenbelastung dazu, dass Fluggesellschaften Flugangebote und Sitzplatzkapazitäten von und nach Deutschland reduzieren oder auf kostengünstigere ausländische Drehkreuze verlegen. Die geringere Anbindung beeinträchtige nicht nur den Personenverkehr und führe zu steigenden Ticketpreisen, sondern erschwere auch die logistischen Abläufe der exportorientierten Industrie bei der Luftfrachtabwicklung.
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes wiederherzustellen, fordert die Luftfahrtbranche von der Bundesregierung eine deutliche Absenkung der staatlich induzierten Kosten. Zwar erfolgte im Frühsommer eine geringfügige Anpassung der Luftverkehrsteuer, doch halten Branchenvertreter diesen Schritt für unzureichend und plädieren für deren vollständige Abschaffung. Neben einer Reduzierung der Abgaben stehen auch Reformen bei den Luftsicherheitsgebühren und eine Deckelung der Flugsicherungsentgelte im Raum. Ziel ist es, die Standortbedingungen an das europäische Niveau anzupassen, um den Abbau von Flugverbindungen zu stoppen.
Kritiker und Finanzexperten verweisen hingegen darauf, dass eine Senkung oder Streichung von Steuern und Gebühren zu Einnahmeausfällen im Bundeshaushalt führen würde, die an anderer Stelle kompensiert werden müssten. Zudem sei der Rückgang der Passagierzahlen nicht ausschließlich auf Abgaben zurückzuführen, sondern auch auf veränderte Buchungsmuster im Geschäftskundenbereich, wo digitale Konferenzen physische Reisen dauerhaft teilweise ersetzen. Die Diskussion um die Ausgestaltung der Standortkosten verdeutlicht den Zielkonflikt zwischen der wirtschaftlichen Stärkung des Luftverkehrs und der Haushaltskonsolidierung des Bundes.