Zum Beginn der diesjährigen Wandersaison warnt der Österreichische Alpenverein (ÖAV) eindringlich vor den tückischen Bedingungen in höheren Gebirgslagen. Während in den Tälern bereits milde Temperaturen herrschen, bleiben in schattigen Nordhängen und Rinnen oft hartgefrorene Altschneefelder zurück.
Ein tragischer Absturz einer Wanderin am Schartschrofen in Tirol Mitte April unterstreicht die aktuelle Gefahr. Experten betonen, dass Ausrutschen und Stolpern statistisch gesehen die häufigste Ursache für Bergunfälle sind. Besonders in den Morgenstunden ist die Schneeoberfläche oft spiegelglatt und steinhart, was ein sicheres Begehen ohne entsprechende Ausrüstung nahezu unmöglich macht.
Für eine sichere Überquerung solcher Passagen ist eine professionelle Ausrüstung unerlässlich. Der Alpenverein empfiehlt festes Schuhwerk mit ausgeprägter Profilsohle, um mittels der sogenannten Sichelschlag-Technik stabile Trittstufen in den Schnee schlagen zu können. Ergänzend wird der Einsatz von Snow Spikes geraten, die als mobile Gleitschutzmittel unter die Wanderschuhe geschnallt werden. Wanderstöcke dienen zwar der Balance, bieten jedoch beim tatsächlichen Ausgleiten keinen ausreichenden Schutz vor einem Absturz. Im weiteren Tagesverlauf führt die Sonneneinstrahlung zudem dazu, dass Schneefelder aufweichen und ihre Tragfähigkeit verlieren, was das Risiko des Einbrechens an unterspülten Stellen erhöht.
Alpine Sicherheitsexperten raten zu einer defensiven Tourenplanung. Da Markierungen oft noch unter Schneemassen verborgen oder Wege durch Frostschäden unpassierbar sein können, ist eine ehrliche Selbsteinschätzung und die ständige Bereitschaft zur Umkehr lebensnotwendig. Im Ernstfall entscheidet die richtige Bremstechnik: Wer auf einem Schneefeld den Halt verliert, muss sich sofort in die Bauchlage drehen und versuchen, mit Armen und Beinen in einer Liegestützposition den Sturz zu stoppen. Neben den direkten Sturzgefahren bleibt im Frühjahr auch das Risiko von Nassschneelawinen bestehen, da sich die Schneedecke bei steigenden Temperaturen destabilisiert.
Zusätzliche Daten aus Bergungskostenstatistiken zeigen, dass die Zahl der Rettungseinsätze im Frühjahr häufig durch unzureichende Vorbereitung und Fehleinschätzungen der Geländebeschaffenheit steigt. Der ÖAV verweist auf digitale Informationsquellen wie Webcams und spezielle Tourenportale, um die aktuelle Lage vor Ort realistisch bewerten zu können. Für den Saisonstart werden technisch einfache, talnahe Routen empfohlen, um die körperliche Fitness nach der Winterpause langsam aufzubauen und das Risiko schwerer Unfälle durch Überforderung zu minimieren.