Der europäische Flugzeugbauer Airbus SE hat nach einem von Lieferengpässen geprägten Jahresauftakt im zweiten Quartal 2026 eine operative Kehrtwende vollzogen. Dank eines deutlichen Anstiegs der Flugzeugauslieferungen und einer kräftigen Nachfrage in der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte steigerte der im DAX notierte Konzern seinen Umsatz und Gewinn deutlich über den durchschnittlichen Erwartungen des Marktes.
Unternehmenschef Guillaume Faury bestätigte im Zuge der Vorlage der Quartalszahlen am 29. Juli 2026 den Ausblick für das Gesamtjahr. Demnach hält Airbus am Vorhaben fest, mit rund 870 ausgelieferten Zivilflugzeugen einen neuen historischen Rekord aufzustellen und den operativen Betriebsgewinn auf einen Höchststand zu führen. Trotz der positiven operativen Entwicklung reagierten die Kapitalmärkte vorübergehend verhalten, was auf verbleibende Herausforderungen in den globalen Lieferketten und anhaltend hohe Belastungen bei einzelnen Triebwerkspartnern zurückzuführen ist.
Kräftiger Ertragssprung nach schwachem Jahresauftakt
Nach einem schleppenden ersten Quartal, in dem Engpässe bei Triebwerken und Verzögerungen bei behördlichen Freigaben die Übergabe von Maschinen bremsten, legte Airbus im zweiten Jahresviertel 2026 ein erhebliches Tempo vor. Zwischen April und Juni übergab der Konzern 237 Passagier- und Frachtflugzeuge an seine Kunden, was einem Zuwachs von knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Damit summierte sich die Auslieferungszahl für das erste Halbjahr 2026 auf 351 Verkehrsflugzeuge – nach 306 Maschinen in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.
Die operativen Fortschritte schlugen sich direkt in den Finanzkennzahlen nieder. Der Konzernumsatz kletterte im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 20,53 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes EBIT) stieg um mehr als die Hälfte auf rund 2,43 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit geringeren Werten gerechnet. Auf der Plattform Tradegate verzeichnete die Airbus-Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen im Späthandeln dennoch einen vorübergehenden Rückgang um gut drei Prozent, nachdem sie seit Beginn des Jahres 2026 einen Wertzuwachs von rund fünf Prozent aufwies.
Hohe Nachfrage in allen Konzernbereichen und prall gefüllte Auftragsbücher
Der Hochlauf der Fertigung erstreckt sich über alle Kernbereiche des Unternehmens. In der Zivilluftfahrt bildet die Modellfamilie A320neo das Rückgrat des Erfolgs. Ende Juni 2026 verzeichnete Airbus einen Auftragsbestand von mehr als 9.200 zivilen Maschinen, was rechnerisch einer Auslastung der Produktionskapazitäten für über zehn Jahre entspricht. Neben der zivilen Luftfahrt trug auch die Sparte Defence and Space zum Ergebnisbei. Das operative Ergebnis dieses Bereichs sprang im zweiten Quartal um 90 Prozent auf 357 Millionen Euro an. Ursächlich hierfür waren neben höherem Arbeitsvolumen bei Rüstungsgütern auch verbesserte Margen bei bestehenden Verträgen sowie eine gestiegene Nachfrage nach dem Transportflugzeug A400M und dem Kampfflugzeug Eurofighter.
Unternehmenschef Guillaume Faury betonte, dass der Konzern die Fertigungskapazitäten in allen Bereichen schrittweise anhebe, um den Anforderungen der internationalen Kundschaft zu entsprechen. Das Marktumfeld erweist sich für Airbus weiterhin als grundsätzlich vorteilhaft, da der direkte US-amerikanische Konkurrent Boeing nach anhaltenden Qualitäts- und Zertifizierungsproblemen in seiner Produktion Einschränkungen der Behörden unterliegt und das Hochfahren der Fertigung der Reihe 737 MAX nur schrittweise voranbringt.
Situation bei den Triebwerkszulieferern und logistische Unwägbarkeiten
Trotz des erfolgreichen zweiten Quartals bleibt die globale Lieferkette im Luftfahrtsektor angespannt. In den vergangenen Jahren bremste der Mangel an Einzelkomponenten und Triebwerken den geplanten Fertigungshochlauf bei Airbus regelmäßig aus. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf den US-amerikanischen Triebwerkshersteller Pratt & Whitney, ein Tochterunternehmen des RTX-Konzerns.
Pratt & Whitney arbeitet seit dem Jahr 2023 an der Korrektur eines Materialfehlers bei rund 3.000 Turbinen des Typs Getriebefan (PW1000G), bei denen unzureichendes Pulvermetall verarbeitet wurde. Diese Rückrufaktion führt weltweit dazu, dass zahlreiche Flugzeuge der A320neo-Familie über Monate hinweg am Boden verbleiben müssen, da die Fertigung von Ersatzteilen Kapazitäten im Werk bindet. Faury vermied am 29. Juli 2026 eine erneute öffentliche Schelte des US-Partners und erklärte, dass man sich derzeit in konstruktiven Gesprächen befinde. Für das laufende Jahr 2026 liege der Triebwerksbauer im vereinbarten Rahmen. Es existiert jedoch weiterhin kein Puffer an Reservemotoren, weshalb die vereinbarten Liefermengen den Pfad des Produktionshochlaufs für die Jahre 2026 und 2027 maßgeblich bestimmen.
Festhalten an den Jahreshöchstzielen und langfristige Zielsetzungen
Für das zweite Halbjahr 2026 muss Airbus das Auslieferungstempo weiter steigern, um die angepeilte Rekordmarke zu erreichen. Von den angestrebten rund 870 Verkehrsflugzeugen – womit der bisherige Vor-Corona-Höchstwert von 863 Flugzeugen aus dem Jahr 2019 übertroffen würde – müssen in den verbleibenden sechs Monaten noch rund 519 Maschinen an die Kunden übergeben werden. Faury präzisierte, dass der Zielkorridor für das Gesamtjahr zwischen 850 und 890 Maschinen liegt und das Management ein hohes Maß an Zuversicht besitzt, diese Vorgabe zu erfüllen.
Auch finanziell peilt das Unternehmen für das Gesamtjahr 2026 einen Höchstwert an. Das bereinigte operative Ergebnis soll von 7,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf etwa 7,5 Milliarden Euro im laufenden Jahr steigen. Nach dem ersten Halbjahr stehen hierzu bereinigt gut 2,7 Milliarden Euro in den Büchern. Darüber hinaus hat der Vorstand mittelfristige Zielvorgaben formuliert: Durch die fortschreitende Erhöhung der monatlichen Produktionsraten und Effizienzsteigerungen soll das bereinigte EBIT bis zum Jahr 2029 schrittweise auf 12 bis 13 Milliarden Euro anwachsen.