Nach dem gewaltsamen Zwischenfall an Bord einer Passagiermaschine der emiratischen Fluggesellschaft Flydubai auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv rücken die Hintergründe des mutmaßlichen Täters verstärkt in den Fokus der internationalen Sicherheitsbehörden.
Amerikanische und internationale Medien berichten unter Berufung auf Geheimdienst- und Strafverfolgungskreise über gravierende Sicherheitsbedenken, die bereits bei früheren Beschäftigungsverhältnissen des Manns vorlagen. Der Erste Offizier, dem vorgeworfen wird, den Kommandanten der Maschine im Flug mit einer Notfallaxt schwer verletzt und einen Absturz beabsichtigt zu haben, war demnach bei seiner vorherigen Fluggesellschaft im Oman wegen Sicherheitsrisiken suspendiert worden.
Frühere Warnsignale und behördliche Einstufungen
Informationen von US-Nachrichtensendern wie ABC News und CNN zufolge war der mutmaßliche Angreifer, ein Omane namens Hamam al-Hammami, im Jahr 2024 während seiner Ausbildung zum Copiloten bei der Fluggesellschaft Oman Air aufgefallen. Bei einer Überprüfung soll extremistisches Material bei dem Mann festgestellt worden sein, woraufhin die Unternehmensleitung ein Flugverbot verhängte und ihn vom aktiven Dienst im Cockpit entband. Das Wall Street Journal bestätigt unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, dass der Mann wegen des Verdachts auf radikale ideologische Ansichten aus dem Flugbetrieb genommen wurde. Bei Oman Air verblieb er anschließend ausschließlich in einer administrativen Funktion.
Der Vorfall wirft kritische Fragen hinsichtlich der Zuverlässigkeitsüberprüfungen im internationalen Luftverkehr auf. Ermittlungsbehörden aus mehreren Staaten versuchen zu rekonstruieren, wie der Mann trotz der bekannten Bedenken im Oman von der emiratischen Fluggesellschaft Flydubai als Erster Offizier eingestellt und für internationale Routen lizenziert werden konnte. Nach ersten Angaben von Branchenkennern beschränkten sich die Standardprüfungen vor der Einstellung im Wesentlichen auf das Vorliegen von strafrechtlichen Verurteilungen, ohne vertiefte Erkenntnisse über radikale Tendenzen der Bewerber einzubeziehen. Zudem verweisen Sicherheitskreise darauf, dass der Mann einen Teil seiner Ausbildung im Ausland absolvierte, darunter einen Fernstudiengang an einer britischen Universität sowie Abschnitte in Australien und Marokko.
Details zum Ablauf des Vorfalls an Bord
Der Vorfall ereignete sich am 30. September 2026 auf dem Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv. Während des Fluges griff der Copilot den Kapitän der Boeing 737 mit der im Cockpit untergebrachten Notfallaxt an und versuchte, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen, um die Maschine steil nach unten zu steuern. Der Kapitän, der indische Staatsbürger Smit Machchhar, erlitt dabei schwere Schnitt- und Hiebverletzungen, schaffte es jedoch, die verriegelte Cockpittür zu entriegeln und Alarm zu schlagen. Mehrere Passagiere und Besatzungsmitglieder drangen daraufhin in den Führungsraum ein und überwältigten den Angreifer.
Durch den Kampf im Cockpit sank das Flugzeug vorübergehend stark ab, bevor die Situation unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Maschine wurde anschließend zum Flughafen Tabuk in Saudi-Arabien umgeleitet und landete dort sicher. Die verletzten Piloten und Betroffenen wurden umgehend medizinisch versorgt. Der festgenommene Copilot wurde kurz darauf an die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate überstellt. Nach Angaben von Strafverfolgungsbehörden kooperiert der Mann mit den Ermittlern und deutete an, die Absicht gehabt zu haben, das Flugzeug auf israelischem Territorium gezielt zum Absturz zu bringen.
Sicherheitsüberprüfungen und politische Reaktionen
Die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die israelische Regierung stufen den Vorfall offiziell als Terrorversuch ein. Auch hochrangige Regierungsvertreter aus den Emiraten sprachen von einer gezielten extremistischen Tat. Der israelische Ministerpräsident kündigte an, die Abläufe der Sicherheitsüberprüfungen bei ausländischen Fluggesellschaften, die israelische Flughäfen anfliegen, eingehend prüfen zu lassen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Einhaltung von Richtlinien bezüglich des eingesetzten Personals.
Ein weiterer Ermittlungsansatz betrifft Aktivitäten auf digitalen Plattformen. Wie der Sender CNN berichtete, existierte unter dem Namen des Verdächtigen ein Profil im Netzwerk LinkedIn, auf dem Stunden nach dem Zwischenfall zwei Beiträge veröffentlicht wurden. Einer der Beiträge enthielt ein Video, das mit der Abbildung eines früheren Anführers der Terrororganisation Al-Kaida endete. Das Profil wurde im Laufe der Untersuchungen gelöscht. Die Ermittler prüfen nun, ob die Veröffentlichungen im Voraus terminiert wurden oder ob dritte Personen an der Verbreitung beteiligt waren. Die Fluggesellschaft Flydubai verwies auf die laufenden behördlichen Untersuchungen und gab vorerst keine detaillierten Stellungnahmen zu den Personalauswahlverfahren ab.