Antonov An-124 (Foto: Steffen Lorenz).
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Ermittlungen zu Sprengstofffund am Flughafen Leipzig/Halle: Drohne verweilte Stunden im Sicherheitsbereich

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Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle haben die Ermittlungsbehörden neue Details zum zeitlichen Ablauf und den technischen Hintergründen des Vorfalls bekanntgegeben.

Auswertungen von Überwachungsvideos ergaben, dass sich das unbemannte Flugobjekt bereits ab etwa 19:30 Uhr über dem Areal aufhielt, bevor es Stunden später im Nahbereich eines betankten Frachtflugzeugs entdeckt wurde. Der Zwischenfall wirft Fragen bezüglich der Wirksamkeit bestehender Sicherheitskonzepte und der Drohnenabwehr an Fracht- und Passagierflughäfen auf. An dem Fluggerät wurden eine Dosis Plastiksprengstoff der Marke Semtex sowie Elektronikbauteile zur Fernsteuerung gesichert. Die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden dauern an, um die Urheber und das Ziel der Aktion aufzuklären.

Rekonstruktion des zeitlichen Ablaufs auf dem Vorfeld

Die Auswertung der Aufzeichnungen von Sicherheitskameras durch das Landeskriminalamt und die Flugsicherheitsbehörden zeigte, dass das Fluggerät bereits gegen 19:30 Uhr am Abend im Luftraum über dem Flughafengelände erfasst wurde. Trotz der fortlaufenden Überwachung des Areals blieb die Drohne für mehr als vier Stunden im Vorfeld- und Stellflächenbereich unbemerkt. Erst in der Nacht gegen 23:42 Uhr bemerkte ein Mitarbeiter des Bodendienstes das Fluggerät an der Stellfläche 213.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung schwebte die Drohne in unmittelbarer Nähe zu einem Großraumfrachtflugzeug vom Typ Antonow An-124, das von der ukrainischen Frachtfluggesellschaft Antonow Airlines betrieben wird. Der Angestellte reagierte umgehend und setzte das Flugobjekt durch körperlichen Einsatz flugunfähig. Nach bisherigem Ermittlungsstand befanden sich Fragmente des Fluggeräts auch auf einer der Tragflächen des Frachtflugzeugs. Dies lässt darauf schließen, dass es vor der Entdeckung zu einer Berührung oder Kollision zwischen der Drohne und der Struktur des Luftfahrzeugs gekommen sein könnte. Das betroffene Frachtflugzeug war zu diesem Zeitpunkt für einen bevorstehenden Flug vollständig betankt.

Sicherstellung von Sprengstoff und Steuerungskomponenten

Bei der anschließenden Untersuchung und Sicherung der Drohne durch Spezialkräfte der Polizei wurden gefährliche Substanzen und technische Bauteile vorgefunden. Die Ermittler stellten eine Metallbehälterkomponente sicher, die mit dem Plastiksprengstoff Semtex befüllt war. Dieser Sprengstoff findet aufgrund seiner Formbarkeit und chemischen Eigenschaften sowohl im militärischen als auch im zivilen Abbruchbereich Verwendung.

Zusätzlich zu der Sprengladung waren an dem Fluggerät mehrere SIM-Karten und Mobilfunkmodule angebracht. Diese Komponenten dienen im Modellbau und bei unbemannten Luftfahrzeugen häufig dazu, Steuerungssignale über zivile Mobilfunknetze zu empfangen oder Standortdaten in Echtzeit zu übermitteln. Durch den Einsatz von Mobilfunkverbindungen können solche Fluggeräte über größere Distanzen hinweg gesteuert werden, ohne dass eine direkte Sichtverbindung zwischen dem Bediener und dem Objekt erforderlich ist. Die sichergestellten Speicherkarten und Module werden derzeit von Forensikern auf digitale Spuren und Verbindungsdaten untersucht.

Ermittlungsansätze und behördliche Reaktionen

Aufgrund der Art der Fracht und der Wahl des Ortes haben spezialisierte Einheiten der Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaft die Nachforschungen übernommen. Im Fokus stehen dabei die Fragen, von welchem Standort aus die Drohne gestartet wurde und welche Absicht mit dem Verweilen im Nahbereich der Antonow An-124 verfolgt wurde. Der Flughafen Leipzig/Halle dient als bedeutendes Drehkreuz für den internationalen Frachtverkehr und wird regelmäßig von Frachtmaschinen für den Transport von Großgütern angeflogen.

Die Behörden überprüfen im Zuge der Ermittlungen auch die Funkprotokolle und Mobilfunkzellen im Umkreis des Flughafens zum relevanten Zeitpunkt. Ziel ist es, die Identität der Personen festzustellen, die das Signal zur Ansteuerung der SIM-Karten ausgesendet haben. Darüber hinaus werden die am Flughafen installierten Systeme zur Drohnenerkennung einer eingehenden Prüfung unterzogen, um festzustellen, warum das Flugobjekt trotz der Kameraaufzeichnungen über mehrere Stunden hinweg keine automatischen Warnmeldungen im Sicherheitszentrum auslöste.

Sicherheitsstandards an Luftfahrtdrehkreuzen in der Diskussion

Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle hat die Debatte über die Absicherung von Flughafenarealen gegen unbemannte Flugsysteme neu entfacht. Während die Passagier- und Frachtkontrollen am Boden strengen internationalen Vorgaben unterliegen, stellt die Überwachung des bodennahen Luftraums über ausgedehnten Flughafengeländen die Betreiber vor Herausforderungen. Handelsübliche Drohnen können aufgrund ihrer geringen Abmessungen und reflektierenden Oberflächen von herkömmlichen Primär- und Sekundärradaranlagen der Flugsicherung nur schwer erfasst werden.

Branchenkenner verweisen darauf, dass die Abwehr von Drohnen an Flugplätzen ein Zusammenspiel aus optischen Systemen, Akustiksensoren und Hochfrequenz-Scannern erfordert. Dass ein Fluggerät mit explosionsfähiger Fracht über mehrere Stunden im Bereich geparkter Luftfahrzeuge verweilen konnte, führt zu Diskussionen über eine Anpassung der Überwachungsprotokolle und den Einsatz von aktiven Störsendern oder Abfangmechanismen an wichtigen Infrastrukturknotenpunkten.

Bedeutung für den laufenden Flugbetrieb und Frachtverkehr

Trotz der Sicherheitsmaßnahmen und der zeitweisen Absperrung der Stellfläche 213 konnte der reguläre Flugbetrieb am Flughafen Leipzig/Halle aufrechterhalten werden. Die betroffene Antonow An-124 wurde nach der Sicherstellung der Spuren gründlich von Technikern und Inspektoren untersucht, um eventuelle verdeckte Schäden an den Tragflächen, den Triebwerken oder der Rumpfhaut auszuschließen.

Das Frachtunternehmen Antonow Airlines setzt seine Maschinen von Leipzig aus für weltweite Transporte ein. Die Ergebnisse der spurenkundlichen Untersuchungen der Drohnenteile und des Sprengstoffs sollen in den kommenden Tagen vorliegen. Die Ermittlungsbehörden betonten, dass alle verfügbaren Mittel eingesetzt werden, um die Hintergründe dieses Vorfalls lückenlos aufzuklären und die Sicherheitsvorkehrungen an den deutschen Luftfahrtstandorten entsprechend anzupassen.

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