Das russische Regionalflugzeug Ilyushin Il-114-300 hat auf dem Flughafen Buchara in Usbekistan eine umfangreiche Erprobungsreihe bei hohen Außentemperaturen abgeschlossen.
Bei Bodentemperaturen von bis zu 42 Grad Celsius überprüften Spezialisten des Herstellers Ilyushin und des staatlichen Luftfahrtkonzerns United Aircraft Corporation (UAC) das Verhalten der Bordsysteme, der Klimatisierung sowie der russischen Triebwerke vom Typ Klimow TV7-117ST-01. Im Rahmen des Testprogramms wurden insgesamt 22 Flüge absolviert. Nach der Rückkehr zum Flugforschungsinstitut Gromow in Schukowski nahe Moskau stehen nun die Auswertungen für die Zulassungsbehörden an.
Ein Schwerpunkt der Testreihen lag auf der Simulation kritischer Betriebszustände beim Start- und Landevorgang. Die Testcrews führten fünf abgebrochene Starts durch. Um die Sicherheitsgrenzen der Bremsanlage zu überprüfen, wurden die Tests teilweise mit speziell präparierten Bremsen absolviert, die einen maximalen Verschleiß der Bremsscheiben simulierten. Ergänzt wurden die Messungen in Usbekistan durch vorangegangene Kältetests in der russischen Region Jakutien, um die Eignung der Maschine für unterschiedliche Klimazonen nachzuweisen.
Die erhobenen Daten sollen der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija vorgelegt werden, um Einschränkungen in der bisherigen Musterzulassung aufzuheben. Die Basiszulassung für den zweimotorigen Turboprop-Flugzeugtyp war im Sommer erteilt worden, enthält jedoch noch betriebliche Auflagen. Ziel der Entwickler ist es, das Einsatzspektrum des Flugzeugs für regionale Fluggesellschaften zu erweitern. Im Flugzeugwerk Luchowizy befinden sich nach Unternehmensangaben derzeit drei Serienflugzeuge in unterschiedlichen Fertigungsstadien.
Luftfahrtexperten betrachten das Vorhaben dennoch mit Zurückhaltung. Das Programm der Il-114-300, das veraltete Antonow-Muster wie die An-24 ersetzen soll, verzögerte sich in der Vergangenheit mehrfach durch technische Probleme und Nachbesserungen am Antrieb. Durch die internationalen Sanktionen ist die russische Luftfahrtindustrie darauf angewiesen, Komponenten wie Avionik und Triebwerke vollständig aus heimischer Produktion zu beziehen. Ob die Maschinen nach der angestrebten Erweiterung der Zulassung in den regulären Liniendienst übernommen werden können, hängt vom termingerechten Aufbau der Serienfertigung ab.