Die Frachtgesellschaft Bridges Air Cargo hat den europaweit ersten kommerziellen Einsatz einer umgebauten Embraer E190F erfolgreich durchgeführt. Am 9. März 2026 absolvierte die Maschine ihren Jungfernflug im Frachtdienst von Köln/Bonn nach Larnaka auf Zypern.
Beladen war das Flugzeug mit zeitkritischen Expressgütern für das Logistiknetzwerk von Bridges Worldwide, das Verbindungen zwischen Europa, dem Nahen Osten und Afrika bereitstellt. Der Betreiber nutzt für die Expansion dieses neuen Flugzeugtyps ein eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC), das in Malta registriert ist. Damit positioniert sich das Unternehmen als Erstkunde für das Umbauprogramm des brasilianischen Herstellers Embraer in der Region.
Das E-Freighter-Programm von Embraer basiert auf der Umrüstung ehemaliger Regionalverkehrsflugzeuge in reine Frachtmaschinen (Passenger-to-Freighter, P2F). Die E190F schließt dabei eine Marktlücke zwischen großen Turboprop-Maschinen und den deutlich größeren Standardrumpf-Frachtern wie der Boeing 737 oder dem Airbus A321. Laut Unternehmensangaben bietet der Jet im Vergleich zu Fracht-Turboprops über 40 Prozent mehr Ladevolumen und die dreifache Reichweite. Gleichzeitig liegen die Betriebskosten um bis zu 30 Prozent niedriger als bei größeren Schmalrumpfflugzeugen. Die maximale strukturelle Nutzlast beträgt 13.500 Kilogramm, wobei die Fracht sowohl auf dem Hauptdeck als auch in den Unterflurkompartimenten befördert wird.
Zur Vorbereitung des Flugbetriebs entwickelte die Bridges Group im vergangenen Jahr ein spezialisiertes Containersystem sowie angepasste Abfertigungsverfahren. Ziel ist der Transport von acht bis zwölf Tonnen Expressfracht pro Flug, wobei das Hauptaugenmerk auf der E-Commerce-Logistik und der Anbindung von Sekundärmärkten liegt. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Leasing- und Investmentfirma Regional One, die als strategischer Partner fungiert und ihre Bestellung für umgerüstete Embraer-Maschinen im Jahr 2025 auf insgesamt vier Einheiten verdoppelt hat. Diese Kooperation ermöglicht Bridges Air Cargo eine flexible Skalierung der Flotte entsprechend der Marktentwicklung im regionalen Frachtsektor.
Branchenexperten sehen in der Indienststellung der E190F eine Reaktion auf die veränderten Anforderungen im Paket- und Expressversand, die durch den Online-Handel getrieben werden. Die Fähigkeit, mittlere Frachtmengen über längere Distanzen kosteneffizient zu transportieren, macht den Flugzeugtyp besonders für Logistikzentren abseits der großen Hubs attraktiv. Durch die Kombination aus hoher Geschwindigkeit und moderaten Betriebskosten stellt die E190F eine neue Kapazitätsklasse dar, die den Übergang von der Kurz- zur Mittelstrecke im europäischen Frachtnetzwerk optimieren soll.