Die saudi-arabische Zivilluftfahrtbehörde General Authority of Civil Aviation hat einem Konsortium unter der Führung der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Fluggesellschaft Air Arabia ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis erteilt.
Wie die saudi-arabische Regierung am 14. September 2026 mitteilte, bildet die Erteilung der Lizenz die rechtliche und betriebliche Grundlage für den Aufbau einer neuen Billigfluggesellschaft mit Sitz auf dem King Fahd International Airport in Dammam. Neben Air Arabia gehören die saudi-arabischen Investmentgesellschaften Kun Investment Holding und Nesma Holding dem Konsortium an, das sich im Juli 2025 in einem behördlichen Bieterverfahren durchgesetzt hatte. Die neue Fluggesellschaft befindet sich mehrheitlich in saudi-arabischem Besitz und soll den Personenverkehr in der östlichen Provinz des Landes erweitern. Die Zulassung erfolgte nach der Überprüfung sämtlicher technischer, sicherheitsrelevanter und regulatorischer Auflagen gemäß dem saudi-arabischen Luftfahrtgesetz.
Regulatorische Abwicklung und Übergabe der Betriebslizenz
Die Übergabe der Lizenz erfolgte im Rahmen einer offiziellen Zeremonie durch den saudi-arabischen Minister für Transport und Logistikdienstleistungen sowie Aufsichtsratsvorsitzenden der Zivilluftfahrtbehörde, Saleh Al-Jasser, zusammen mit dem Präsidenten der Zivilluftfahrtbehörde, Abdulaziz Al-Duaile. Das Verfahren zur Erlangung des Luftverkehrsbetreiberzeugnisses umfasste die Nachweise über die Erfüllung betrieblicher Sicherheitsstandards, die Qualifikation des Flugsicherheitspersonals sowie die technische Dokumentation der einzusetzenden Luftfahrzeuge.
Captain Sulaiman bin Saleh Almuhaimedi, Exekutiv-Vizepräsident der Zivilluftfahrtbehörde für Flugsicherheit, erklärte im Rahmen der Lizenzvergabe, dass die Ansiedlung des neuen Anbieters am Flughafen Dammam den Wettbewerb auf dem inländischen und regionalen Luftverkehrsmarkt verstärken soll. Die Behörde sieht in der Zulassung eines weiteren Marktteilnehmers eine Maßnahme zur Intensivierung von Wirtschafts- und Reisetätigkeiten in der östlichen Region des Landes sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen im verkehrstechnischen Sektor. Zudem unterstreicht der Schritt die Funktion der Aufsichtsbehörde bei der Schaffung von Rahmenbedingungen für private Investitionen im Luftfahrtbereich.
Eigentümerstruktur und Einbindung regionaler Investoren
Die Zusammensetzung des Betreiberkonsortiums verbindet das Know-how eines etablierten Low-Cost-Carriers mit der Kapitalbeteiligung lokaler Unternehmensgruppen. Das Konsortium steht unter der operativen Führung von Air Arabia, während die saudi-arabischen Partner Kun Investment Holding und Nesma Holding maßgebliche Anteile halten. Durch diese Eigentümerstruktur wird sichergestellt, dass die Mehrheit der Anteile an der neuen Fluggesellschaft in saudi-arabischer Hand liegt.
Die Vergabe der Betriebslizenz ist das Ergebnis eines mehrstufigen Ausschreibungsverfahrens, das von der Zivilluftfahrtbehörde im Vorfeld initiiert wurde. Im Juli 2025 gab die Behörde bekannt, dass das Angebot des Konsortiums um Air Arabia den Zuschlag für die Errichtung und den Betrieb der neuen nationalen Billigfluggesellschaft erhalten hat. Die Beteiligung lokaler Holdinggesellschaften entspricht den rechtlichen Vorgaben für die Vergabe von Verkehrsrechten im saudi-arabischen Inlandsflugverkehr, die eine mehrheitlich nationale Eigentümerstruktur für heimische Fluggesellschaften vorsehen.
Flottenstruktur und operative Aufstellung der Air-Arabia-Gruppe
Air Arabia wurde als erster Billigflieger im Nahen Osten und Nordafrika gegründet und bedient derzeit mehr als 170 Flugstrecken. Die Unternehmensgruppe betreibt Drehkreuze an verschiedenen Standorten, darunter Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie weitere Basen in Ägypten, Marokko und Jordanien. Mit dem neuen Standort in Dammam erweitert der Konzern seine Präsenz im Passagierverkehr auf dem arabischen Golfraum.
Die Flotte der gesamten Air-Arabia-Gruppe besteht nach Branchenangaben aus 97 Luftfahrzeugen des Herstellers Airbus. Diese Gesamtzahl setzt sich aus 76 Maschinen des Typs A320-200, 12 Flugzeugen des Typs A320neo, drei Maschinen des Typs A321-200 sowie sechs Flugzeugen des Typs A321neo zusammen. Die Einheitlichkeit der Flotte auf Basis der Airbus-A320-Familie ermöglicht es der Unternehmensgruppe, Synergien bei der Wartung, der Ersatzteilbeschaffung und der Schulung des fliegenden Personals zu nutzen, was als wesentlicher Faktor für die Kostenstruktur von Low-Cost-Anbietern gilt.
Marktumfeld und Entwicklung des saudi-arabischen Luftfahrtsektors
Die Ansiedlung der neuen Fluggesellschaft am King Fahd International Airport in Dammam fällt in eine Phase der Umstrukturierung des saudi-arabischen Luftverkehrsmarktes. Dammam stellt neben Riad und Dschidda einen der drei großen internationalen Flughäfen des Landes dar und versorgt die wirtschaftlich durch die Öl- und Petrochemieindustrie geprägte östliche Provinz. Bislang teilten sich im Wesentlichen die staatliche Saudia, deren Tochtergesellschaft Flyadeal sowie der private Billigflieger Flynas den Inlandsmarkt.
Mit dem Markteintritt des neuen Anbieters erhöht sich die Zahl der im Land ansässigen Billigfluggesellschaften. Die Zivilluftfahrtbehörde strebt durch die Zulassung zusätzlicher Kapazitäten eine Steigerung des Passagieraufkommens und eine Erweiterung des Streckennetzes abseits der zentralen Drehkreuze Riad und Dschidda an. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Kapazitätsausweitung auf die Ticketpreise, die Auslastung der bestehenden Fluggesellschaften und das Angebot an Direktverbindungen von und nach Dammam auswirken wird.