Der Flughafen Leipzig/Halle, der zu den größten Cargo-Hubs in Europa gehört, steht vor einer weiteren bedeutenden Erweiterung. Mit dem kürzlich erlassenen Planänderungsbeschluss der Landesdirektion Sachsen (LDS) wird der Ausbau des Vorfelds 4 ermöglicht, um den steigenden Anforderungen des globalen Frachtverkehrs gerecht zu werden. Diese Investition ist nicht nur eine Reaktion auf das anhaltende Wachstum des Frachtaufkommens, sondern stellt auch einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Logistik- und Wirtschaftsregion Mitteldeutschland dar.
Das Vorfeld 4, das sich im südöstlichen Bereich des Flughafens Leipzig/Halle befindet, ist zentraler Bestandteil des globalen DHL-Drehkreuzes. DHL nutzt diesen Bereich seit 2007 als Basis für seinen weltweit größten Luftfrachtbetrieb. Die Erweiterungspläne umfassen die Schaffung zusätzlicher Stellflächen für Frachtflugzeuge sowie den Bau wichtiger Infrastruktureinrichtungen. Dazu gehören neue Rollwege, die den Zugang zur südlichen Start- und Landebahn verbessern, sowie Hochbauten, darunter Parkhäuser, Aufenthaltsräume für das Personal und Energiestationen.
Besonders wichtig für den reibungslosen Frachtbetrieb sind die geplanten Enteisungsflächen, die es ermöglichen, mehrere Flugzeuge gleichzeitig für den Start vorzubereiten, sowie Areale für Schneedeponien. Mit diesen Maßnahmen wird die Kapazität des Flughafens deutlich erhöht, was die Abfertigung von noch mehr Frachtflugzeugen effizienter gestaltet.
Steigende Bedeutung im internationalen Frachtverkehr
Der Flughafen Leipzig/Halle hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Drehkreuze für den internationalen Luftfrachtverkehr entwickelt. Mit einem Frachtaufkommen von rund 1,4 Millionen Tonnen im Jahr 2023 ist er der viertgrößte Cargo-Airport Europas und der zweitgrößte in Deutschland. Seit 2008 hat sich das Frachtvolumen um beeindruckende 215 Prozent gesteigert. Dieser Anstieg ist vor allem auf die zentrale Rolle des DHL-Hubs zurückzuführen, das den Großteil des Frachtaufkommens bewältigt.
Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das Frachtaufkommen allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2023 um 2,2 Prozent, was auf den zunehmenden internationalen Handelsverkehr und die anhaltend hohe Nachfrage nach Luftfrachtlösungen hinweist. Die Erweiterung des Vorfelds ist daher eine logische Konsequenz, um den zukünftigen Anforderungen gewachsen zu sein und die Position des Flughafens im globalen Frachtmarkt weiter zu stärken.
Auswirkungen auf die Region: Wirtschaftlicher Aufschwung und neue Arbeitsplätze
Die Erweiterung des Vorfelds 4 wird nicht nur die Kapazitäten des Flughafens erhöhen, sondern auch bedeutende wirtschaftliche Impulse für die Region Mitteldeutschland setzen. Der Ausbau soll rund 250 neue Arbeitsplätze schaffen und damit den bereits anhaltenden Beschäftigungsboom am Flughafen Leipzig/Halle weiter vorantreiben. Derzeit sind am Flughafen insgesamt rund 13.000 Menschen beschäftigt, von denen über 10.000 im Frachtbereich tätig sind – eine Zahl, die seit 2008 um mehr als 340 Prozent gestiegen ist.
Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Bedeutung des Flughafens als Wirtschafts- und Logistikmotor für die Region. Dank der wachsenden Nachfrage nach Fracht- und Logistikdienstleistungen wird der Flughafen auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung Mitteldeutschlands spielen.
Langfristige Planung und öffentliche Beteiligung
Das Ausbauvorhaben des Vorfelds 4 wurde der Öffentlichkeit erstmals im Oktober 2018 vorgestellt. Im Frühjahr 2019 begann die frühzeitige Beteiligung der betroffenen Gemeinden, darunter Kabelsketal, Schkopau, Rackwitz, Schkeuditz und Lützschena-Stahmeln. Vertreter von DHL und dem Flughafen informierten die Anwohner ausführlich über die geplanten Maßnahmen und beantworteten Fragen. Im August 2020 wurde der Planänderungsantrag bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht, die nun mit der Genehmigung des Projekts einen wichtigen Meilenstein erreicht hat.
Mit dieser langfristigen Planung und der aktiven Einbeziehung der Öffentlichkeit hat der Flughafen Leipzig/Halle gezeigt, dass er nicht nur auf Wachstum setzt, sondern auch die Interessen der Anrainer und der Umwelt berücksichtigt.
Ein strategischer Schritt für die Zukunft
Der Ausbau des Vorfelds 4 am Flughafen Leipzig/Halle ist ein entscheidender Schritt, um die Region Mitteldeutschland langfristig als Logistikzentrum zu etablieren und die steigende Nachfrage nach Luftfrachtlösungen zu bedienen. Mit der Erweiterung der Frachtkapazitäten und der Schaffung neuer Infrastrukturen wird der Flughafen eine noch bedeutendere Rolle im globalen Frachtverkehr spielen.
Götz Ahmelmann, CEO der Mitteldeutschen Flughafen AG, betonte die Bedeutung des Planänderungsbeschlusses: „Er eröffnet unserem Flughafen, allen Beschäftigten und der gesamten Logistik- und Wirtschaftsregion Mitteldeutschland beste Wachstumsperspektiven für die kommenden Jahrzehnte.“ Tatsächlich könnten diese Perspektiven in einer Zeit, in der der globale Handel weiter expandiert und die Nachfrage nach schnellen Transportlösungen zunimmt, kaum besser sein.