Der Bürgerkrieg im Sudan hat eine neue, gefährliche Eskalationsstufe erreicht. Die sudanesische Luftwaffe hat am 7. August 2025 ein Flugzeug bombardiert und vollständig zerstört, das Berichten zufolge kolumbianische Söldner an Bord hatte. Der Angriff ereignete sich bei der Landung auf dem Flughafen Nyala im südlichen Darfur, einem Gebiet, das von den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) kontrolliert wird.
Sudanesischen Staatsmedien zufolge kamen dabei mindestens 40 Menschen ums Leben. Der Vorfall unterstreicht nicht nur die anhaltende Intensität des Konflikts, der bereits in sein drittes Jahr geht, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die Rolle ausländischer Akteure in diesem verheerenden Krieg. Die Regierung in Khartum wirft den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, die RSF mit Waffen und Söldnern zu unterstützen, während die Emirate jegliche Beteiligung bestreiten.
Ein präziser Schlag: Der Angriff auf dem Flughafen Nyala
Nach Angaben des sudanesischen Staatsfernsehens und einer von der Nachrichtenagentur AFP zitierten Militärquelle wurde das Flugzeug „bombardiert und vollständig zerstört“. Die genaue Modellbezeichnung des Flugzeugs ist bislang unbekannt, jedoch steht fest, daß es als Transportmittel für kolumbianische Söldner diente. Der Angriff auf dem Flughafen Nyala, einem strategisch wichtigen Ort im südlichen Darfur, ist ein Zeichen für die veränderte Kriegsdynamik. Die sudanesische Armee von General Abdel Fattah al-Burhane scheint nun in der Lage zu sein, auch tief im von den RSF kontrollierten Gebiet präzise Angriffe durchzuführen.
Die Regierung in Khartum, die seit einem Putsch im Jahre 2021 von General al-Burhane de facto regiert wird, hat die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wiederholt beschuldigt, die RSF zu bewaffnen. Dies soll unter anderem mit in China hergestellten Drohnen geschehen, die über den Flughafen Nyala geliefert werden. Trotz der Dementis aus den VAE gibt es Berichte von UN-Experten und Satellitenbilder, die eine rege Drohnenaktivität auf dem Flughafen Nyala belegen und die Vorwürfe Khartums stützen. Die Zerstörung des Flugzeugs wird als direkter Vergeltungsschlag der sudanesischen Armee gewertet, die damit ihre Entschlossenheit demonstriert, die ausländische Unterstützung der RSF zu unterbinden.
Söldner im Bürgerkrieg: Kolumbianer in den Reihen der RSF
Die Anwesenheit von ausländischen Söldnern in den Konfliktparteien ist kein Geheimnis. Die sudanesische Regierung beschuldigte die VAE, nicht nur Waffen, sondern auch kolumbianische Söldner zu finanzieren und einzusetzen, die an der Seite der RSF kämpfen. Khartum behauptet, Dokumente zu besitzen, die diese Vorwürfe belegen. Die sogenannten „Joint Forces“, eine pro-militärische Koalition in Darfur, berichtete ebenfalls, daß über 80 kolumbianische Kämpfer in El Fasher gesichtet wurden, der letzten Provinzhauptstadt in Darfur, die noch unter der Kontrolle der sudanesischen Armee steht.
Die Anwerbung von kolumbianischen Söldnern für Konflikte im Ausland ist nicht neu. Insbesondere die VAE haben in der Vergangenheit ehemalige kolumbianische Soldaten und Guerillakämpfer für Einsätze in Kriegen, wie zum Beispiel im Jemen, rekrutiert. UN-Experten hatten bereits im Jahre 2024 die Anwesenheit von Kolumbianern im Darfur-Konflikt bestätigt. Der Angriff auf dem Flughafen Nyala, bei dem die Söldner an Bord waren, ist ein tragisches Beispiel für die Auswirkungen dieser Praxis.
Reaktion aus Kolumbien: Präsident verurteilt Söldnertum
Die Berichte über den Tod der kolumbianischen Söldner riefen eine Reaktion in der Heimat hervor. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro verurteilte die Beteiligung seiner Landsleute am Krieg im Sudan scharf und forderte gesetzliche Maßnahmen. „Ich habe eine Dringlichkeitsabstimmung über ein Gesetz beantragt, das Söldnertum verbietet. Es ist eine Form des Menschenhandels, bei der Männer in Waren zum Töten verwandelt werden“, schrieb er in den sozialen Medien.
Petro wies den kolumbianischen Botschafter in Ägypten an, die Berichte über die Opferzahlen zu überprüfen und die Rückführung der Leichen zu organisieren. „So viel Krieg wurde innerhalb Kolumbiens gewünscht, daß er nun, da er zu Hause geschwächt ist, im Ausland gesucht wird, wo uns niemand etwas angetan hat“, fügte er hinzu. Das kolumbianische Außenministerium hatte bereits im Dezember 2024 sein Bedauern über die Beteiligung einiger seiner Bürger am sudanesischen Konflikt zum Ausdruck gebracht.
Ein Krieg mit verheerenden Folgen: Die Lage im Sudan
Der Bürgerkrieg im Sudan, der im April 2023 zwischen der Armee von General Abdel Fattah al-Burhane und den paramilitärischen RSF von General Mohamed Hamdan Daglo ausbrach, hat verheerende Folgen für das Land. In den letzten drei Jahren wurden Zehntausende Menschen getötet, und über 13 Millionen Menschen mußten fliehen. Der Konflikt, der ursprünglich als Machtkampf zwischen den beiden Generälen begann, hat sich zu einem blutigen Bürgerkrieg ausgeweitet, der das Land in eine humanitäre Katastrophe gestürzt hat.
Der Angriff auf dem Flughafen Nyala ist nicht der erste Vorfall, der sich auf dem Luftweg ereignet hat. Im Februar 2025 stürzte ein sudanesisches Militärflugzeug mit hochrangigen Offizieren an Bord bei dem Versuch ab, von einem Luftwaffenstützpunkt im Nordosten des Landes abzuheben. Bei dem Unglück kamen Berichten zufolge mindestens 46 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben, darunter auch Generalmajor Bahr Ahmed, ein hochrangiger Kommandeur der sudanesischen Armee.
Die Zerstörung des Flugzeugs in Nyala ist ein weiterer beunruhigender Beweis dafür, daß die Konfliktparteien bereit sind, alle Mittel einzusetzen, um ihre militärischen Ziele zu erreichen. Solange der Krieg andauert und ausländische Akteure die Konfliktparteien unterstützen, wird es immer schwieriger, eine friedliche Lösung für das Land zu finden.