Airbus A320 (Foto: Discover Airlines).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Eskalierender Tarifkonflikt bei Discover Airlines: Zwei Gewerkschaften planen Streik

Werbung

Im Lufthansa-Konzern spitzt sich der Tarifkonflikt um die Ferienfluggesellschaft Discover Airlines zu. Zwei bedeutende Gewerkschaften, die Vereinigung Cockpit (VC) und die Kabinengewerkschaft Ufo, planen koordinierte Streikmaßnahmen. Am Donnerstag, dem 15. August 2024, sollen Urabstimmungen beginnen, um über mögliche Arbeitskampfmaßnahmen zu entscheiden. Die Abstimmung soll bis zum Mittwoch, dem 21. August 2024, andauern und könnte zu einem erneuten Streik führen.

Die angespannte Situation resultiert aus dem Tarifabschluss, den Lufthansa und die konkurrierende Gewerkschaft Verdi kürzlich bei Discover Airlines erreicht haben. Der Abschluss umfasst Gehaltserhöhungen, Zulagen, Sonderzahlungen sowie Verbesserungen bei der betrieblichen Altersvorsorge und Dienstplänen. Die Verträge sollen bis Ende 2027 gelten und wurden drei Jahre nach der Gründung der Discover Airlines vereinbart. Verdi feierte diesen Abschluss als Erfolg, insbesondere, da die Gewerkschaft bislang im Lufthansa-Konzern hauptsächlich beim Bodenpersonal und in den Eurowings-Kabinen vertreten war. Ein Tarifvertrag für Piloten existiert nur bei der Fracht-Tochter Aerologic.

Doch dieser Erfolg von Verdi ist nicht unumstritten. Die Vereinigung Cockpit und Ufo kritisieren den Tarifabschluss scharf. Sie werfen Verdi vor, eine geringe Mitgliederbasis unter den rund 1900 Beschäftigten des fliegenden Personals zu haben und somit nicht legitimiert zu sein, einen Tarifvertrag abzuschließen. Laut Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger sei Verdi „eine nicht legitimierte Arbeitnehmervertretung“, die vom Management eingesetzt wurde.

Gewerkschaftlicher Machtkampf

Die Hauptforderung von VC und Ufo ist es, eigene, konkurrierende Tarifverträge bei Discover Airlines durchzusetzen. Dies könnte durch einen Streik realisiert werden. Ein solcher Konflikt wäre nicht neu: Bereits im vergangenen Winter hatten VC-Piloten bei Discover Airlines gestreikt, um erste Tarifverträge durchzusetzen. Ufo rief damals zu einem Streik auf, um überhaupt in Verhandlungen mit dem Unternehmen zu kommen.

Die Lufthansa zeigt sich von den Vorwürfen unbeeindruckt. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man habe mit Verdi einen „Sozialpartner“ und eine abgeschlossene Tarifierung. Der Fokus liege nun darauf, dass der Tarifvertrag umgesetzt werde und seine Wirkung entfalten könne. Eine vorherige Mitgliederzählung, wie sie VC und Ufo vorgeschlagen hatten, wurde seitens Lufthansa bislang ignoriert.

Die Position von Verdi

Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky wies die Kritik von VC und Ufo zurück und betonte, der Abschluss liege „nachweislich über den Forderungen von VC und UFO“.

Er warf den beiden Gewerkschaften vor, es gehe ihnen nicht um das Wohl der Beschäftigten, sondern um Macht und Bedeutung im Konzern zu sichern. Reschinsky warnte, dass die Haltung von VC und Ufo das Wachstum und die Karriereperspektiven bei Discover Airlines gefährden könnte.

Verdi und die Frage nach der Mitgliedschaft

Interessant ist auch die Entwicklung in Bezug auf die Mitgliedschaft der Arbeitnehmer. Verdi verzeichnet seit Tagen einen Anstieg neuer Mitglieder bei Discover Airlines. Laut Ufo beinhalten die neuen Tarifverträge eine jährliche Sonderzahlung in Höhe eines halben Monatsgehalts für Verdi-Mitglieder. Dies wird von Ufo als verkappte Förderung der Verdi-Zugehörigkeit durch den Arbeitgeber betrachtet, weshalb die Kabinengewerkschaft diese Klausel rechtlich prüfen will.

Laut Ufo hatte Verdi bei Discover Airlines bislang nur eine dünne Mitgliederbasis. Zur Bildung einer Tarifkommission konnte die Gewerkschaft am Montag lediglich „sieben Mitglieder aus Cockpit und Kabine“ mobilisieren, von denen sich dann sechs gegenseitig in die Tarifkommission wählten.

Die Situation bei Discover Airlines ist ein Paradebeispiel für den Machtkampf zwischen Gewerkschaften in einem Großkonzern. Während Verdi ihren Erfolg bei Discover Airlines feiert, sehen VC und Ufo ihre Stellung gefährdet und kämpfen mit allen Mitteln um Einfluss. Es bleibt abzuwarten, ob die geplanten Streiks zu einer neuen Verhandlungsrunde führen oder ob sich die Lufthansa auf den abgeschlossenen Tarifvertrag mit Verdi beruft und keinen weiteren Verhandlungen zustimmt. Eines ist jedoch klar: Der Konflikt hat das Potenzial, den Betriebsfrieden bei Discover Airlines nachhaltig zu stören und die Fluggäste könnten die Leidtragenden sein, wenn es zu Streiks kommt.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung