Der Leiter der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA), Bryan Bedford, steht im Zentrum einer ernsten Ethik-Kontroverse. Ihm wird vorgeworfen, seine vertraglichen Zusagen aus dem Bestätigungsverfahren verletzt zu haben, indem er es versäumte, seine umfangreichen Aktienanteile an der Fluggesellschaft Republic Airways fristgerecht zu veräußern.
Diese Aktien, deren Wert zum Zeitpunkt seiner Bestätigung auf sechs bis 30 Millionen US-Dollar geschätzt wurde, stellen ein potenzielles Interessenkonfliktpotenzial an der Spitze der wichtigsten Luftverkehrssicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten dar. Die demokratische Senatorin Maria Cantwell, führendes Mitglied im Senatsausschuss für Handel, richtete einen scharfen Brief an Bedford und forderte eine vollständige Erklärung für die Verzögerung. Dieser Vorfall wirft nicht nur Fragen über Bedfords Glaubwürdigkeit auf, sondern verschärft auch die ohnehin erhöhte öffentliche und politische Kontrolle der FAA nach einer Reihe signifikanter operativer Zwischenfälle im laufenden Jahr.
Verletzung der ethischen Vereinbarung
Im Zuge seiner Bestätigung als FAA-Administrator hatte Bryan Bedford zugesagt, alle seine Anteile an Republic Airways, dem regionalen Carrier, dessen Vorstandsvorsitzender er vor seinem Amtsantritt war, innerhalb von 90 Tagen nach Amtsübernahme zu verkaufen. Die Frist ist jedoch seit Mitte Dezember 2025 um mehr als 150 Tage überschritten, ohne dass die vollständige Veräußerung erfolgt ist.
In einem Schreiben des Office of Government Ethics (OGE) vom 8. Dezember 2025 an Senatorin Cantwells Ausschuss wurde bestätigt, dass Bedford versucht hatte, seine ursprüngliche ethische Vereinbarung zu ändern, um die Frist für die Veräußerung zu verlängern. Diesem Antrag wurde jedoch nicht stattgegeben, da er die Standards für solche Änderungen nicht erfüllte. Das OGE betonte ferner, dass es keine Mitteilung über den Verkauf der Republic-Aktien erhalten habe und die Ethikbeauftragten des Verkehrsministeriums angewiesen wurden, Bedfords persönliche Verantwortung zu betonen, alle Handlungen zu vermeiden, die einen Interessenkonflikt verursachen könnten. Cantwell stellte in ihrem Brief fest, dass das anhaltende Versäumnis, sich von den Vermögenswerten zu trennen, eine klare Verletzung der Zusagen darstellt, die er bei seiner Bestätigung als FAA-Chef gemacht hatte, einer Rolle, in der er kritische Aspekte der US-Luftfahrtsicherheit und -regulierung überwacht.
Die Brisanz des Aktienbesitzes und die Fusion
Die gehaltenen Aktien sind nicht nur wegen ihres beträchtlichen Wertes brisant, sondern auch wegen der aktuellen Entwicklungen bei Republic Airways. Bedford war vor seinem Wechsel zur FAA viele Jahre lang Geschäftsführer des regionalen Luftfahrtunternehmens. Am 25. November 2025 vollzog Republic Airways eine Fusion mit der Mesa Air Group. Im Rahmen dieser Vereinbarung halten die Aktionäre von Republic nun etwa 88 Prozent des fusionierten Unternehmens, das eine Flotte von über 300 Embraer-Jets betreibt und im Auftrag großer US-Airlines fliegt.
Senatorin Cantwell wies in ihrem Schreiben darauf hin, dass der Zeitpunkt und die erfolgte Fusion den Wert von Bedfords Beteiligungen potenziell gesteigert haben könnten. Dies erhöht die Dringlichkeit und die politischen Bedenken, warum die Veräußerung noch nicht abgeschlossen wurde. Als Leiter der FAA ist Bedford direkt für die Regulierung der Fluggesellschaften und die Überwachung der Luftfahrtsicherheit verantwortlich. Die Tatsache, dass er weiterhin eine bedeutende finanzielle Beteiligung an einem von ihm zu beaufsichtigenden Unternehmen hält, wirft unweigerlich den Verdacht auf, dass Entscheidungen der Behörde durch persönliche finanzielle Interessen beeinflusst werden könnten. Obwohl Bedford versprochen hatte, sich von Angelegenheiten, die Republic Airways betreffen, zurückzuziehen, bis der Verkauf abgeschlossen ist, bleibt die öffentliche Wahrnehmung des möglichen Konflikts bestehen.
Erhöhte Kontrolle der FAA nach Sicherheitsproblemen
Die ethische Kontroverse um Bedford kommt zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt für die FAA. Die Behörde stand im laufenden Jahr bereits unter erhöhter Beobachtung, insbesondere nach einem tödlichen Zusammenstoß zweier Flugzeuge im Luftraum über Washington, D.C., Anfang 2025. Dieser Vorfall führte zu intensiven Forderungen nach einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsverfahren und der Ausbildung der Fluglotsen.
Hinzu kamen weitere operative Schwierigkeiten, darunter Ausfälle in der Flugsicherung und weit verbreitete Flugverspätungen, die während einer verlängerten Stilllegung der US-Regierung auftraten. Diese Probleme hatten bereits zuvor Bedenken hinsichtlich der Führung und der Fähigkeit der FAA, ihre Kernaufgaben effektiv wahrzunehmen, genährt. Cantwells Brief reiht sich somit in eine breitere Palette von Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der FAA-Führung und des öffentlichen Vertrauens in die Aufsicht der Agentur ein. Die Fähigkeit der FAA, ihre Unabhängigkeit und Objektivität zu wahren, ist von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren des gesamten US-Luftverkehrssystems. Eine ethische Verletzung an der Spitze der Organisation erschüttert das Vertrauen in die Entscheidungsfindungsprozesse und die Integrität der Sicherheitsaufsicht.
Politischer Druck und Forderung nach Transparenz
Senatorin Cantwell hat Bryan Bedford eine Frist bis zum 16. Dezember 2025 gesetzt, um umfassend auf ihre Bedenken zu reagieren. Sie forderte ihn auf, detailliert zu erklären, warum er die 90-Tage-Frist für die Veräußerung nicht eingehalten hat, warum er eine Änderung seiner Ethikvereinbarung beantragt hat und eine vollständige Aufstellung aller bereits verkauften Republic-Aktien vorzulegen.
Der Fall wird voraussichtlich über die Frist hinaus politische Wellen schlagen. Der Senat, der für die Bestätigung der FAA-Führungskräfte zuständig ist, wird eine vollständige Transparenz und Rechenschaftspflicht fordern. Unabhängige Beobachter und Verbraucherschutzgruppen betonen, dass die effektive Regulierung der Luftfahrtindustrie auf der Unabhängigkeit des Regulators beruhen muss. Jegliche Anzeichen für einen möglichen Interessenkonflikt an der Spitze der FAA untergraben diese notwendige Unabhängigkeit. Die anhaltende Verzögerung bei der Veräußerung der Aktien, verbunden mit dem Ablehnungsbescheid des OGE bezüglich der Fristverlängerung, deutet auf eine schwerwiegende Missachtung ethischer Verpflichtungen hin. Die gesamte Angelegenheit wird die Diskussionen im US-Kongress über die notwendige Reform und Stärkung der FAA, die seit Jahren aufgrund von Ressourcenmangel und politischen Querelen unter Beobachtung steht, weiter befeuern. Die Zukunft von Bryan Bedford als FAA-Administrator hängt nun von seiner Fähigkeit ab, die Vorwürfe zu klären und das Vertrauen des Kongresses und der Öffentlichkeit in seine ethische Integrität wiederherzustellen.