Ethiopian Airlines, eine der größten und bedeutendsten Fluggesellschaften Afrikas, steht vor einer Reihe von Herausforderungen und Chancen, die ihre zukünftige Position im globalen Luftverkehr maßgeblich beeinflussen werden.
Der CEO der Fluggesellschaft, Mesfin Tasew Bekele, erläuterte kürzlich die Auswirkungen von Lieferverzögerungen bei Boeing und die strategischen Initiativen der Airline zur Erweiterung ihres Netzwerks auf dem afrikanischen Kontinent. Diese Entwicklungen verdeutlichen sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen, mit denen Ethiopian Airlines konfrontiert ist.
Lieferverzögerungen bei Boeing: Auswirkungen auf Ethiopian Airlines
Ethiopian Airlines sieht sich in diesem Geschäftsjahr mit erheblichen Lieferverzögerungen bei Boeing konfrontiert. Die Fluggesellschaft hatte ursprünglich die Lieferung von B737-8-Flugzeugen für April 2024 erwartet. Doch die Auslieferung dieser Maschinen verzögert sich, was zu einem Engpass in der Flotte geführt hat. Laut einer Stellungnahme von Mesfin Tasew Bekele am 27. August 2024 auf Bloomberg TV wird Ethiopian Airlines gezwungen, vier B737 MAX-Flugzeuge zu leasen, um die Kapazitätslücke zu überbrücken. Diese geleasten Flugzeuge sollen ab November 2024 in Betrieb genommen werden, doch der Leasinggeber wurde nicht benannt.
Der CEO beklagte, dass Boeing bislang keinen überarbeiteten Zeitplan für die Auslieferung der nächsten B737 MAX-Flugzeuge bereitgestellt hat. Die Lieferverzögerungen sind nicht nur für Ethiopian Airlines ein Problem, sondern betreffen auch andere Fluggesellschaften weltweit. Neben den B737 MAX-Flugzeugen verzögert sich auch die Lieferung von B777-Frachtflugzeugen. Laut Bekele ist der nächste versprochene Liefertermin für die B777-Frachtflugzeuge das Quartal September 2024.
Erweiterung der Flotte mit Airbus
Während die Probleme mit Boeing andauern, hat Ethiopian Airlines Fortschritte bei der Erweiterung ihrer Flotte mit Airbus-Flugzeugen gemacht. Im Geschäftsjahr, das im Juli 2024 beginnt und im Juni 2025 endet, wird Ethiopian Airlines vier A350-1000-Flugzeuge erhalten. Das erste dieser Flugzeuge wird im Oktober 2024 geliefert, das letzte im März 2025. Dies ist ein bedeutender Schritt für die Fluggesellschaft, da die A350-1000 eine moderne und effiziente Langstreckenflugzeug-Option darstellt.
Insgesamt hatte Ethiopian Airlines geplant, in diesem Geschäftsjahr 16 Flugzeuge zu erhalten. Davon stammen vier von Airbus, der Rest sollte von Boeing kommen. Die aktuelle Flottenbestellung umfasst 124 Flugzeuge, darunter 70 Festbestellungen und 54 Optionen/Kaufrechte. Von den Festbestellungen entfallen 59 auf Boeing und 11 auf Airbus.
Strategische Partnerschaften und Expansion auf dem afrikanischen Kontinent
Neben den Herausforderungen bei der Flottenvergrößerung arbeitet Ethiopian Airlines aktiv an der Expansion ihrer Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent. Bekele kündigte an, dass die Fluggesellschaft in den kommenden 12 Monaten Partnerschaften mit mindestens zwei weiteren afrikanischen Staaten eingehen wird. Diese Partnerschaften könnten entweder durch Investitionen in bestehende Fluggesellschaften oder durch die Gründung neuer Fluggesellschaften in Zusammenarbeit mit afrikanischen Regierungen erfolgen.
Das Engagement von Ethiopian Airlines auf dem afrikanischen Kontinent zeigt sich bereits durch Beteiligungen an mehreren Joint-Venture-Fluggesellschaften, darunter ASKY Airlines in Togo, Malawi Airlines, Zambia Airways und die ehemals operierende Ethiopian Mozambique Airlines. Die Fluggesellschaft verfolgt eine Strategie, den Verkehr über ihren Hub am Addis Ababa International Airport zu leiten und ihre Reichweite in Afrika zu erweitern.
Trotz dieser Expansionspläne scheiterte ein Joint Venture mit der nigerianischen Regierung zur Gründung einer neuen nationalen Fluggesellschaft, Nigeria Air. Bekele erklärte, dass das Projekt nach einem Regierungswechsel und dem Widerstand privater nigerianischer Fluggesellschaften beendet wurde. Ethiopian Airlines beabsichtigt derzeit nicht, in Nigeria zu investieren oder mit nigerianischen Fluggesellschaften zusammenzuarbeiten, solange die politische Situation diese Partnerschaft nicht begünstigt.
Ausblick und Herausforderungen
Die Entwicklungen bei Ethiopian Airlines spiegeln die dynamischen Herausforderungen wider, mit denen große Fluggesellschaften konfrontiert sind, insbesondere wenn es um die Koordination mit Flugzeugherstellern und die Expansion in neue Märkte geht. Die Verzögerungen bei der Lieferung neuer Flugzeuge könnten kurzfristig das Wachstum und die Betriebseffizienz der Airline beeinträchtigen, während die strategischen Partnerschaften und die Flottenerweiterung langfristig das Potenzial für eine stärkere Marktposition und erweiterten Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent bieten.
Die Reaktion von Ethiopian Airlines auf diese Herausforderungen und ihre Anpassungen an die sich verändernde Luftfahrtlandschaft werden entscheidend für ihren zukünftigen Erfolg sein. Die Fähigkeit, flexibel auf Lieferverzögerungen zu reagieren und gleichzeitig strategische Partnerschaften zu nutzen, wird darüber entscheiden, wie die Airline ihre Position im globalen Luftverkehr behauptet und ausbaut.