Etihad Airways, die nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, hat ein ambitioniertes Investitionsprogramm angekündigt, das weitreichende Folgen für die Zukunft des Unternehmens haben dürfte.
Die Fluggesellschaft plant, fast 1 Milliarde US-Dollar in die Modernisierung ihrer älteren Flugzeuge zu investieren. Diese Maßnahme wird vor allem die Boeing 777-300ER und die Boeing 787-8 betreffen, die mit neuen Innenausstattungen und modernen Technologien ausgestattet werden. Diese Nachricht kommt zu einer Zeit, in der Etihad Airways im Jahr 2024 einen beeindruckenden Gewinnanstieg von 66 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet hat und sich auf eine größere Expansionsstrategie vorbereitet.
Die Notwendigkeit der Modernisierung
Die Entscheidung von Etihad Airways, ihre älteren Maschinen einer umfassenden Umrüstung zu unterziehen, ist nicht nur eine Reaktion auf die steigenden Passagierzahlen, sondern auch eine Antwort auf die derzeitigen Herausforderungen der Luftfahrtindustrie. Antonoaldo Neves, CEO der Fluggesellschaft, erklärte in einem Interview mit The National, dass die Umrüstungen ab 2026 beginnen sollen, sobald die neuen Innenausstattungen von den Herstellern zur Verfügung stehen. Dieser Zeitrahmen spiegelt die Verzögerungen wider, mit denen sowohl Airbus als auch Boeing derzeit aufgrund von Engpässen in der Lieferkette konfrontiert sind. Das Nachrüstungsprogramm wird damit zu einem zentralen Bestandteil von Etihads Strategie, das Kundenerlebnis zu verbessern und die Flottenplanung langfristig zu sichern.
Die Modernisierungsmaßnahmen umfassen nicht nur neue Business-Class-Sitze und aktualisierte Inflight-Entertainment-Systeme (IFE), sondern auch die Einführung von Hochgeschwindigkeits-Internet, das eine entscheidende Verbesserung der Passagierqualität darstellen soll. Laut Neves ist es für die Fluggesellschaft wichtig, eine gewisse Einheitlichkeit in der Flotte zu gewährleisten, was bedeutet, dass auch die Flugzeuge, die nicht sofort umgerüstet werden müssen, später eine einheitliche Ausstattung erhalten werden.
Das größere Investitionspaket und die Flottenstrategie
Die 1 Milliarde US-Dollar für das Modernisierungsprogramm ist nur ein Teil eines noch umfassenderen Investitionsplans. Etihad Airways hat angekündigt, bis 2030 insgesamt 7 Milliarden US-Dollar in ihre gesamte Flotte und den Betrieb zu investieren. Dazu gehören nicht nur die bereits erwähnten Umrüstungen der Boeing 777 und 787, sondern auch die Integration neuer Flugzeuge wie des Airbus A350-1000, der zurzeit die neueste Ergänzung in der Flotte darstellt. Etihad hat außerdem bereits große Bestellungen bei Boeing und Airbus platziert, darunter 20 Boeing 787-10 und 17 Boeing 777-9 sowie 15 Airbus A350-1000, was die Expansionsambitionen der Airline unterstreicht.
Neves bestätigte zudem, dass Etihad Airways nach wie vor große Wachstumspläne verfolgt. Die Fluggesellschaft strebt an, ihre jährlichen Passagierzahlen bis 2030 auf 33 Millionen zu verdreifachen und ihre Flottengröße auf 150 Flugzeuge zu verdoppeln. Diese Ziele passen in eine langfristige Strategie, die auch eine erhebliche geografische Expansion vorsieht. Etihad plant, jedes Jahr etwa 10 neue Ziele zu eröffnen, wobei bereits im Oktober 2024 neue Strecken nach Al Alamein in Ägypten angekündigt wurden.
Verzögerung der 777X und mögliche Umwandlungen
Ein weiteres, wichtiges Element der aktuellen Flottenplanung von Etihad betrifft die Boeing 777X. Ursprünglich war die Indienststellung der 777X für 2024 geplant, doch aufgrund von Produktionsverzögerungen wurde der Termin auf 2026 verschoben. Dies stellt einen erheblichen Rückschlag für Etihad dar, insbesondere weil die 777X-Flugzeuge eine Schlüsselrolle in den langfristigen Plänen der Fluggesellschaft spielen sollen. Neves betonte jedoch, dass Etihad sich das Recht vorbehält, die Bestellungen für die 777X in weitere 787-Flugzeuge umzuwandeln, um flexibler auf die sich ändernden Marktbedingungen reagieren zu können.
Die 777X-Flotte ist derzeit nicht in den nächsten Fünfjahresplan von Etihad aufgenommen, was bedeutet, dass die Fluggesellschaft weiterhin ihre Anforderungen sorgfältig überprüft und flexibel auf die Entwicklung der Marktbedingungen reagiert. Etihad verfolgt in Bezug auf Flugzeugbestellungen eine konservative Strategie, die auf kleinere Bestellungen abzielt. Neves erklärte, dass zukünftige Bestellungen in der Größenordnung von fünf bis zehn Flugzeugen liegen könnten, was eine agile Anpassung an die Marktnachfrage ermöglicht.
Neben der Modernisierung und Erweiterung ihrer Flotte plant Etihad Airways auch, sich langfristig an den globalen Märkten zu positionieren. Neves deutete an, dass eine mögliche Börsennotierung der Fluggesellschaft geprüft wird. Dies wäre ein bedeutender Schritt, da bislang keine der großen Golf-Airlines an der Börse gelistet ist. Eine Börsennotierung könnte Etihad dabei helfen, zusätzliche Kapitalquellen zu erschließen, um die ehrgeizigen Expansionspläne weiter zu verfolgen.