Etihad Airways hat ihre geplante Nonstop-Verbindung von Abu Dhabi nach Algier, Algerien, noch vor dem Erstflug aus dem Flugplan genommen. Die Streichung der Route, die als eine der ersten geplanten Langstreckenverbindungen mit dem neuen Airbus A321LR der Fluggesellschaft galt, ist ein ungewöhnlicher Schritt in der Luftfahrtbranche. Sie deutet auf interne operative oder externe Marktprobleme hin, die eine strategische Neuausrichtung des Einsatzes der Langstrecken-Schmalrumpfflugzeuge (LR) erforderlich machen.
Die Route war ursprünglich für einen Start am 7. November mit vier wöchentlichen Umläufen auf der 160-sitzigen A321LR geplant. Algier stellte mit geschätzten 11.000 Hin- und Rückflug-Passagieren pro Jahr den größten bisher unbedienten afrikanischen Markt von Abu Dhabi aus dar, wenngleich das Passagieraufkommen im globalen Vergleich gering war. Der genaue Grund für die Streichung ist unbekannt, wobei Spekulationen von unzureichender Nachfrage oder Buchungen bis hin zu regulatorischen Herausforderungen oder Verzögerungen bei der Auslieferung der Flugzeuge reichen. Ein ursprünglich im November angekündigter Aufschub schob den Erstflug bereits auf den 2. Februar 2026, doch nun wurden alle zukünftigen Algier-Flüge vollständig aus dem Buchungssystem entfernt.
A321LR-Flotte als strategischer Pfeiler
Die Entscheidung betrifft den Einsatz des Airbus A321LR, der für Etihad Airways eine zentrale Rolle bei der Erschließung neuer, dünn besiedelter Langstreckenmärkte spielen soll. Das Flugzeug ist aufgrund seiner Reichweite und der geringeren Kapazität im Vergleich zu Großraumflugzeugen wie dem Boeing 777 oder dem Airbus A330 ideal für sogenannte Long, Thin Routes.
Die A321LR-Flotte von Etihad weist eine spezielle Kabinenkonfiguration auf, die den Premium-Anspruch des Carriers auch auf Schmalrumpfflugzeugen sicherstellen soll. Die 160 Sitze verteilen sich auf:
- Zwei First-Class-Suiten mit vollständig flacher Liegefläche, eine Premiere für Etihads Single-Aisle-Flotte.
- 14 Business-Class-Sitze mit ebenfalls vollständig flacher Liegefläche, eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Business-Class anderer Schmalrumpfflugzeuge der Airline (konfiguriert in einer 1-1 Anordnung).
- 144 Economy-Sitze in einer Standardkonfiguration (3-3) mit einem Sitzabstand von 30 bis 34 Zoll.
Diese hochkomfortable Konfiguration ist darauf ausgelegt, Passagiere auf längeren Strecken zu gewinnen, die den Service einer Full-Service-Airline schätzen, aber nicht die Nachfrage nach einem Großraumflugzeug erfordern.
Fokus auf andere Langstreckenmärkte
Die Kapazität, die durch die Streichung der Algier-Route frei wird, muss nun anderen Zielen oder zur Frequenzerhöhung bestehender Routen zugewiesen werden. Die Algier-Route wäre hinsichtlich der Distanz die fünftlängste A321LR-Verbindung von Etihad gewesen. Der Flugplan sah einen nahezu identischen Betrieb wie die Verbindung Abu Dhabi–Tunis vor, die am 1. November gestartet war.
Ein Blick auf den geplanten Einsatz des A321LR im zweiten und dritten Quartal 2026 (April bis September) zeigt, wo Etihad den Fokus legen wird. Obwohl diese Pläne stets Änderungen unterliegen, signalisieren die aktuellen Daten 19 Routen für die A321LR.
- Wachsende Achsen: Abu Dhabi nach Zürich und Phuket (Thailand) sind in diesem Zeitraum die am stärksten bedienten A321LR-Ziele und werden jeweils zweimal täglich angeflogen. Diese beiden Destinationen machen zusammen 29 Prozent aller Flüge mit diesem Flugzeugtyp aus.
- Neue Strecken: Zu den kürzlich hinzugekommenen Zielen zählt Krabi in Thailand, das die Fluggesellschaft und das Flugzeugmuster im Oktober begrüßte. Der lokale Konkurrent Air Arabia hat im November ebenfalls Sharjah–Krabi-Flüge aufgenommen und plant, Passagiere von seinen neuen Gatwick-Flügen auf die thailändische Destination zu verbinden, was den regionalen Wettbewerb unterstreicht.
- Hohe Frequenz: Düsseldorf, das im September ebenfalls doppelt täglich mit Schmalrumpfflugzeugen bedient wird, zeigt die strategische Bedeutung des deutschsprachigen Marktes für Etihad.
Insgesamt plant Etihad in der untersuchten Jahreshälfte bis zu 19 tägliche A321LR-Abflüge von Abu Dhabi aus. Dies macht mehr als ein Zwölftel aller Starts der Fluggesellschaft aus und unterstreicht die Wichtigkeit des A321LR für die Gesamtexpansion.
Lieferstatus und Flottenwachstum
Laut Brancheninformationen verfügt Etihad aktuell über neun A321LR. Die jüngste Auslieferung, die A6-LRH, traf am 25. November in den VAE ein und nahm zwei Tage später den kommerziellen Liniendienst auf. Die Lieferung dieses und zweier weiterer Flugzeuge im November unterstreicht den zügigen Ausbau der Langstrecken-Schmalrumpfflotte, die trotz der Streichung Algier nun strategisch neu verplant werden muss.
Die Entscheidung, eine bereits angekündigte Route zu streichen, ist ein Hinweis darauf, dass das Management von Etihad Airways seine Kapazitäten dynamisch und flexibel an die tatsächlichen Marktbedingungen anpasst. Angesichts der hohen Investitionen in neue Flugzeuge und die luxuriöse Kabinenausstattung ist die optimale Auslastung und Rentabilität der A321LR-Flotte von entscheidender Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Die frei gewordenen Kapazitäten dürften zeitnah auf Strecken eingesetzt werden, die ein höheres Passagier- oder Frachtpotenzial aufweisen.