Flagge der Europäischen Union (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

EU-Kommission beschließt einheitliche Methode zur Berechnung von Transportemissionen

Werbung

Mit „Count Emissions EU“ schafft die Europäische Union einen lang erwarteten Standard zur Vergleichbarkeit von Emissionen über alle Verkehrsträger hinweg – Die Reisebranche begrüßt den Schritt als wesentliche Grundlage für Transparenz und Berichterstattung.

Die Europäische Union hat einen wichtigen Schritt zur Standardisierung von Unternehmensdaten im Mobilitätssektor vollzogen. Die EU-Kommission hat sich auf „Count Emissions EU“ geeinigt, eine einheitliche Methode zur Berechnung der Emissionen von Treibhausgasen im Verkehrswesen. Dieser neue Standard soll die bislang zersplitterten und uneinheitlichen Verfahren ablösen und damit eine konsistente Vergleichbarkeit von Emissionswerten über alle Verkehrsträger hinweg ermöglichen – von der Schiene über die Straße und das Wasser bis hin zur Luftfahrt. Die Einführung dieser gemeinsamen Berechnungsgrundlage wird seit Jahren von der Reise- und Transportbranche gefordert, da verlässliche und vergleichbare Daten die Basis für interne Berichterstattung, externe Kommunikation sowie für Ausgleichszahlungen bilden.

Die Vereinbarung der Kommission gilt als wegweisend, wenngleich sie noch der formalen Billigung durch das Europäische Parlament und den Rat bedarf, was jedoch als Formalität erachtet wird. In der Praxis soll „Count Emissions EU“ zum de-facto-Standard für den europäischen Verkehrssektor aufsteigen. Obwohl die Teilnahme an der Emissionsberechnung für Unternehmen freiwillig bleibt, verpflichtet der Standard Organisationen, die sich für eine Messung entscheiden, künftig zur Anwendung der neuen EU-Methode. Dies soll die Berichterstattung vereinfachen, die Transparenz am Markt erhöhen und die Vergleichbarkeit von Dienstleistungen stärken.

Uneinheitliche Modelle erschwerten Marktübersicht und Datenqualität

Die Notwendigkeit eines einheitlichen Standards resultiert aus den erheblichen Diskrepanzen, die durch die bisherige Praxis entstanden sind. Vor der Einführung von „Count Emissions EU“ nutzten Anbieter und Reiseveranstalter eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle und Berechnungsmethoden zur Ermittlung von Emissionen. Diese unterschiedlichen Ansätze führten zu Ergebnissen, die in der Öffentlichkeit und im Geschäftsbereich nur schwer miteinander vergleichbar waren. Beispielsweise konnten die ausgewiesenen Emissionswerte für eine identische Strecke je nach Anbieter und verwendetem Berechnungstool stark variieren, was die Glaubwürdigkeit der Daten in Frage stellte.

Die fehlende Standardisierung stellte insbesondere für das Geschäftsreisemanagement eine große Hürde dar. Unternehmen, die ihre Mobilitätsdaten zentral erfassen und analysieren wollen, waren gezwungen, komplexe interne Umrechnungsfaktoren zu entwickeln, um die von ihren diversen Dienstleistern bereitgestellten Werte zu konsolidieren. Die Schaffung einer gemeinsamen, wissenschaftlich fundierten Grundlage, wie sie „Count Emissions EU“ nun bietet, wird diese Komplexität beseitigen und die Datenqualität signifikant verbessern. Angela Lille, Leiterin der Arbeitsgruppe des Geschäftsreisenetzwerks BT 4 Europe, kommentierte die Entscheidung positiv und betonte, dass der Standard gut für die Verbraucher und die Wirtschaft sei.

Vereinheitlichung der Berechnungsparameter zur Steigerung der Transparenz

„Count Emissions EU“ konzentriert sich darauf, eine gemeinsame Berechnungsmethodik über alle Transportmittel hinweg zu definieren. Das bedeutet, dass künftig bei der Berechnung der Emissionen von Lkws, Zügen, Schiffen und Flugzeugen die gleichen Grundannahmen und Parameter herangezogen werden müssen, sofern ein Unternehmen seine Daten veröffentlicht. Der Standard wird dabei helfen, Verzerrungen zu eliminieren, die durch selektive oder unvollständige Datenerfassung entstehen.

Die erhoffte Konsequenz ist eine erhöhte Transparenz im Mobilitätsmarkt. Für gewerbliche Einkäufer und private Verbraucher wird es dadurch einfacher, die tatsächliche Intensität der Emissionen verschiedener Transportoptionen zu vergleichen. Diese verbesserte Übersicht wird die Datenerfassung für die verpflichtende oder freiwillige Unternehmensberichterstattung vereinfachen. Die klare Definition der Datenbasis ist ein entscheidender Fortschritt für alle Akteure im Transport- und Logistiksektor. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund anderer europäischer Regulierungen wie der Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung, die Unternehmen zu mehr Offenlegung in ihren Geschäftspraktiken verpflichtet.

BT 4 Europe drängt auf Einbeziehung weiterer Reisedienstleistungen und ISO-Normierung

Die Reise- und Geschäftsreisebranche, die lange auf diese Standardisierung gewartet hat, unterstützt die EU-Initiative nachdrücklich. Verbände wie BT 4 Europe begrüßen die klare Methodik. Gleichzeitig richten sie den Blick bereits auf die Weiterentwicklung des Standards. Ein zentrales Anliegen der Branche ist die globale Anschlussfähigkeit von „Count Emissions EU“. Der Verband setzt sich aktiv dafür ein, dass der europäische Standard perspektivisch in eine global anerkannte ISO-Norm integriert wird. Eine solche internationale Normierung ist für multinationale Unternehmen von immenser Bedeutung, da sie ihre weltweiten Geschäftsreisen und Logistikketten konsistent erfassen und vergleichen müssten.

Darüber hinaus setzt sich BT 4 Europe dafür ein, den Anwendungsbereich des Standards über die Mobilität hinaus zu erweitern. Derzeit erfasst die Methode ausschließlich Emissionen, die durch den Transport entstehen. Die Forderung der Branche zielt darauf ab, in Zukunft auch weitere Kategorien des Geschäftsreisens, wie die Emissionen von Hotels und die Auswirkungen von Veranstaltungen, in die Berechnungsmethodik einzubeziehen. Dies würde eine umfassendere Bilanzierung der gesamten Geschäftsreise ermöglichen und die Datengrundlage für ganzheitliche Entscheidungen im Reisemanagement verbessern. Die sukzessive Erweiterung des Standards wird als notwendiger Schritt gesehen, um eine vollständige Abbildung der Reiseaktivitäten zu gewährleisten.

Formale Zustimmungen stehen aus, breite Anwendung wird erwartet

Die Einigung der EU-Kommission ist der entscheidende politische Schritt. Die nun ausstehende formale Zustimmung des Europäischen Parlaments und des Rates gilt in Brüsseler Kreisen als wahrscheinlich. Sobald die Billigung erfolgt ist, wird die neue Methode rechtsgültig und kann in Kraft treten.

Obwohl die Anwendung des Standards für die Berechnung von Emissionen formal freiwillig bleibt, wird allgemein erwartet, dass sich „Count Emissions EU“ aufgrund des politischen Gewichts und der dringenden Notwendigkeit einer einheitlichen Datenbasis rasch als Standard im europäischen Verkehrswesen durchsetzen wird. Fluggesellschaften, Bahnunternehmen, Logistikdienstleister und Reiseveranstalter, die im europäischen Binnenmarkt operieren, werden den Standard wahrscheinlich übernehmen müssen, um ihren Geschäftskunden konsistente und vergleichbare Berichtsdaten liefern zu können. Der neue Standard wird somit nicht nur die Prozesse vereinfachen, sondern auch die notwendige Datengrundlage für eine fundierte betriebswirtschaftliche Entscheidungsfindung im gesamten Mobilitäts- und Logistiksektor der EU schaffen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung