Die Europäische Union verfügt über ausreichende Reserven an Flugkraftstoff, um den Betrieb an europäischen Flughäfen in den kommenden Wochen sicherzustellen. Dies erklärte der EU-Kommissar für Verkehr und Tourismus, Apostolos Tzitzikostas, im Rahmen eines informellen Treffens der EU-Tourismusminister in Nikosia am 16. und 17. April 2026.
Berichte über drohende unmittelbare Engpässe aufgrund der eskalierenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wies der Kommissar als unzutreffend zurück. Dennoch räumte er ein, dass die Energie- und Versorgungssicherheit zunehmend die touristische Agenda präge, da externe Risiken die wirtschaftliche Planbarkeit im Luftverkehrssektor erschweren.
Trotz der aktuellen Stabilität bereitet die EU-Kommission vorsorglich Notfallmaßnahmen vor, falls die Instabilität in der Region, insbesondere in der strategisch wichtigen Straße von Hormus, über einen längeren Zeitraum anhält. Die „Oil Coordination Group“ der EU wurde bereits einberufen, um potenzielle Risiken für die globalen Lieferketten zu bewerten. Tzitzikostas betonte, dass die EU im Bedarfsfall zu einer koordinierten Freigabe von Notfallreserven bereit sei. Bisherige Flugstreichungen europäischer Fluggesellschaften stünden zudem nicht im Zusammenhang mit einem physischen Mangel an Kerosin, sondern seien primär auf die drastisch gestiegenen Betriebskosten infolge der Preisentwicklung am Rohölmarkt zurückzuführen.
Die Widerstandsfähigkeit des europäischen Marktes stützt sich zu einem erheblichen Teil auf die Eigenversorgung: Rund 70 Prozent des benötigten Flugkraftstoffs werden in europäischen Raffinerien produziert, während lediglich 30 Prozent importiert werden müssen. Dennoch bleibt die Überwachung der Marktveränderungen in enger Abstimmung mit der Luftfahrtindustrie und den Kraftstofflieferanten eine Priorität der Behörden. Neben der reinen Versorgungssicherheit rückte bei den Beratungen in Zypern auch der Schutz von Passagierrechten in den Fokus, da die Branche mit einem erhöhten Kostendruck und wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert ist.
Analysten weisen darauf hin, dass die Logistikketten für Kerosin besonders sensibel auf Störungen maritimer Handelswege reagieren. Da ein bedeutender Anteil der Importe über den Seeweg erfolgt, führt jede Beeinträchtigung der Durchfahrt am Persischen Golf zu einer sofortigen Reaktion der Terminmärkte. Die EU-Staaten sind daher dazu angehalten, ihre nationalen Bevorratungsstrategien mit den europäischen Leitlinien abzustimmen, um Marktverzerrungen zu vermeiden. Während die physische Verfügbarkeit kurzfristig garantiert bleibt, stellt die Volatilität der Preise das größte Risiko für die wirtschaftliche Erholung des Tourismussektors in der Sommersaison 2026 dar.