Der internationale Luftverkehrsverband IATA prognostiziert in seiner aktuellen Langfristprognose bis zum Jahr 2050 eine tiefgreifende Verschiebung der globalen Verkehrsströme. Im Basisszenario des Verbandes wird mit einer Verdoppelung des weltweiten Passagieraufkommens im Vergleich zum Basisjahr 2024 gerechnet.
Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate der globalen Passagiernachfrage von 3,1 Prozent. Insgesamt soll die weltweite Verkehrsleistung bis zur Mitte des Jahrhunderts auf rund 20,8 Billionen Passagierkilometer steigen. Das prognostizierte Wachstum verläuft jedoch geografisch sehr ungleichmäßig, wodurch etablierte Luftverkehrsmärkte an relativer Bedeutung verlieren.
Für den europäischen Luftverkehrsmarkt zeichnet die IATA-Analyse ein Bild stagnierender Dynamik. Mit einer erwarteten Zunahme des Passagieraufkommens von durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr bildet Europa das Schlusslicht im weltweiten Vergleich, noch hinter dem ebenfalls hochentwickelten nordamerikanischen Markt, für den 2,8 Prozent jährliches Wachstum prognostiziert werden. Als Hauptursachen für die Verlangsamung in Europa gelten neben dem fortgeschrittenen Reifegrad des Marktes strukturelle Restriktionen. Insbesondere begrenzte Kapazitäten an den großen Drehkreuzen, regulatorische Rahmenbedingungen und staatliche Abgaben belasten das operative Wachstum der europäischen Fluggesellschaften im Vergleich zur internationalen Konkurrenz.
Die wesentlichen Wachstumsimpulse konzentrieren sich laut der Prognose auf die Regionen Asien-Pazifik, den Nahen Osten und Teile des afrikanischen Kontinents. In diesen Märkten werden jährliche Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent erwartet. Ökonomische Treiber dieser Entwicklung sind die Entstehung einer breiten und konsumfreudigen Mittelschicht, steigende Pro-Kopf-Einkommen in den Schwellenländern sowie der forcierte Ausbau der dortigen Flughafeninfrastruktur. Die asiatischen Drehkreuze gewinnen dadurch erhebliche Marktanteile im interkontinentalen Transferverkehr, was die traditionelle Vormachtstellung europäischer Hubs langfristig gefährdet.
Luftfahrtexperten bewerten die Prognose als Signal für eine notwendige Konsolidierung und Effizienzsteigerung innerhalb der europäischen Luftfahrtindustrie. Da der kontinentale Markt kaum noch organisch wachsen kann, geraten die Fluggesellschaften unter Druck, ihre Kostenstrukturen zu optimieren, um im globalen Wettbewerb mit staatlich subventionierten Fluglinien aus der Golfregion und Asien bestehen zu können. Kritische Marktbeobachter geben zudem zu bedenken, dass die europäischen Infrastrukturengpässe ohne erhebliche Investitionen in die Flugsicherung und den Ausbau bestehender Flughäfen bereits vor 2050 zu einer spürbaren Überlastung des Luftraums führen könnten.