Der europäische Flughafenverband ACI Europe hat seinen Luftverkehrsbericht für Mai 2025 veröffentlicht, der ein anhaltendes Passagierwachstum, jedoch auch einen deutlichen Rückgang im Frachtverkehr auf dem europäischen Flughafenmarkt aufzeigt. Das Passagieraufkommen im europäischen Flughafennetz stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent. Damit liegt das Volumen insgesamt 8 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie im Mai 2019. Dieses Wachstum wurde ausschliesslich durch den internationalen Passagierverkehr getragen, welcher um 4,3 Prozent zulegte, während der inländische Passagierverkehr leicht um 0,2 Prozent zurückging.
Auffällig ist, daß Flughäfen ausserhalb des EU+-Marktes im Mai ein überdurchschnittliches Passagierwachstum von 6 Prozent erzielten. Dies spiegelt die dynamische Entwicklung in Ländern wie Moldawien (+41,9 %), Bosnien und Herzegowina (+30,5 %), Georgien (+23,4 %), Israel (+17,5 %) und Kasachstan (+14,5 %) wider. Die Wachstumsdynamik der türkischen Flughäfen liess hingegen nach (+1,8 %), und die Flughäfen in Russland verzeichneten sogar rückläufige Passagierzahlen (-9,2 %). Innerhalb des EU+-Marktes, der ein Passagierwachstum von 2,9 Prozent aufwies, zeigten die Flughäfen im östlichen Teil der EU die besten Ergebnisse, insbesondere in der Slowakei (+33 %), Ungarn (+15,3 %), Polen (+13,7 %) und Slowenien (+13,5 %), sowie auf Zypern (+10,9 %). Deutschland (+0,8 %) und Frankreich (+0,7 %) schnitten aufgrund hoher nationaler Luftverkehrssteuern unterdurchschnittlich ab. Länder wie Estland, Luxemburg, Schweden, die Schweiz und Norwegen verzeichneten sogar rückläufige Zahlen.
Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI Europe, kommentierte, daß der Passagierverkehr im Mai stabil geblieben sei, da die Verbraucher weiterhin Reisen und Freizeit priorisierten. Dies verheisse Gutes für die kommende Hochsaison im Sommer. Allerdings werde die Leistung vieler Flughäfen weiterhin durch Faktoren wie Flugzeugmangel, Wartungsprobleme bei Fluggesellschaften, Störungen im Flugverkehrsmanagement und nationale Sondersteuern beeinträchtigt. Er wies auch darauf hin, daß die Geopolitik unterschiedliche Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen habe, während die Geoökonomie bisher hauptsächlich den Fracht-, nicht aber den gesamten Passagierverkehr beeinflusst habe.
Betrachtet man die Flughafenmarktsegmente, so zeigten die grossen Flughäfen (über 40 Millionen Passagiere) mit einem Plus von 2,7 Prozent das langsamste Wachstum. Hier waren Istanbul Sabiha Gökçen (+14,9 %), Rom Fiumicino (+4,1 %), Barcelona (+3,6 %) und München (+3,2 %) die Spitzenreiter. London-Heathrow blieb der verkehrsreichste europäische Flughafen mit 7,2 Millionen Passagieren, verzeichnete jedoch lediglich ein Wachstum von 0,4 Prozent. Die kleinen Flughäfen (weniger als 1 Million Passagiere) übertrafen mit einem Anstieg des Passagieraufkommens um 11 Prozent alle anderen Segmente, haben jedoch als einzige noch nicht das Vorkrisenniveau von Mai 2019 erreicht (-26,7 %). Der Frachtverkehr an europäischen Flughäfen ging im Mai gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent zurück. Die Flugbewegungen stiegen indes um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und lagen knapp über dem Niveau von Mai 2019.