Comac C919 (Foto: Weimeng).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Europäische Luftfahrtbehörde EASA testet chinesischen Jet Comac C919

Werbung

Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hat in Shanghai eine erste Serie von Testflügen mit dem chinesischen Kurz- und Mittelstreckenjet Comac C919 abgeschlossen. Diese Validierungsflüge sind ein zentraler Bestandteil des laufenden Zertifizierungsprozesses, der den Marktzugang des Flugzeugs in Europa regeln soll.

Die Experten der EASA bewerten dabei intensiv die technischen Systeme, das Flugverhalten sowie die allgemeinen Sicherheitsstandards des Typs. Eine erfolgreiche Zertifizierung durch die europäische Behörde gilt als globaler Goldstandard und würde es Comac ermöglichen, das Flugzeug auch an westliche Fluggesellschaften zu verkaufen und dort in den regulären Dienst zu stellen.

Zusätzliche Recherchen verdeutlichen die strategische Dimension dieses Verfahrens. Die C919 wurde als direkter Konkurrent zu den etablierten Modellen Airbus A320neo und Boeing 737 MAX entwickelt. Während das Flugzeug bereits seit 2023 bei großen chinesischen Staatsairlines wie China Eastern im kommerziellen Einsatz ist, bleibt der Exportmarkt ohne westliche Lizenzen stark eingeschränkt. China drängt massiv auf eine Beschleunigung des Prozesses, um die C919 bis Ende 2026 international zu etablieren. Die EASA dämpfte jedoch die Erwartungen und prognostizierte eine Gesamtdauer der Prüfung von drei bis sechs Jahren, da das Design des Jets in vielen Bereichen grundlegend auf Konformität mit europäischen Bauvorschriften geprüft werden muss.

Interessanterweise konzentriert sich der Hersteller Comac derzeit primär auf die europäische Zulassung, während ein Validierungsprozess durch die US-amerikanische FAA momentan nicht aktiv verfolgt wird. Dies macht die EASA zum entscheidenden Türöffner für den globalen Markt außerhalb Chinas. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die C919 zwar in China endmontiert wird, jedoch zu großen Teilen auf westliche Zulieferkomponenten wie Triebwerke von CFM International und Avionik von Honeywell angewiesen ist. Diese technologische Verflechtung erleichtert zwar einige Aspekte der Zertifizierung, dennoch beharrt die EASA auf einer unabhängigen Überprüfung aller Flugsteuerungssysteme, um die Sicherheitsintegrität im europäischen Luftraum zu garantieren.

Wirtschaftlich steht für China viel auf dem Spiel. Das Land möchte seine Abhängigkeit von westlichen Herstellern verringern und selbst als Exporteur von Hochtechnologie im Bereich der Luftfahrt auftreten. Die Produktion in Shanghai wird derzeit hochgefahren, um bei einer möglichen Zulassung schnell Lieferkapazitäten für internationale Kunden bereitzustellen. Sollte die EASA-Zertifizierung innerhalb des gesteckten Zeitrahmens erfolgen, könnte dies die Duopol-Stellung von Airbus und Boeing langfristig aufbrechen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass insbesondere Leasinggesellschaften und Airlines in Schwellenländern das Ergebnis des europäischen Prüfverfahrens abwarten, bevor sie verbindliche Bestellungen für den chinesischen Schmalrumpfjet aufgeben.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung