Der europäische Luftverkehr hat im Juli 2025 ein Wachstum verzeichnet, das jedoch hinter den Erwartungen zurückblieb und sich als eine der schwächsten Entwicklungen für diesen Monat seit langem erwies. Laut dem jüngsten vorläufigen Flugverkehrsbericht des europäischen Flughafenverbandes ACI Europe stieg das Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahr um lediglich 3,1%.
Dieser Wert liegt deutlich unter dem durchschnittlichen Juli-Wachstum im Jahrzehnt vor der COVID-19-Pandemie. Während der internationale Verkehr mit einem Plus von 3,7% die Haupttreibkraft des Aufschwungs war, stagnierte der Inlandsverkehr nahezu. Die Daten zeigen ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, wobei Flughäfen in Süd- und Osteuropa teils zweistellige Wachstumsraten verzeichneten, während in Nordeuropa und Deutschland die Zuwächse verhalten blieben. Insbesondere kleinere und mittelgroße Flughäfen profitierten von der Expansion der Billigfluggesellschaften, während die großen Drehkreuze im oberen Segment des Passagierwachstums stagnierten.
Verhaltenes Wachstum in der EU und starkes Plus im Osten
Der ACI Europe-Bericht legt eine deutliche Diskrepanz zwischen den Regionen Europas offen. Im sogenannten EU+-Raum, der die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie die Schweiz, Norwegen und Großbritannien umfaßt, blieb das Wachstum mit 2,8% unter dem kontinentalen Durchschnitt. Innerhalb dieser Region gab es erhebliche Leistungsunterschiede. Flughäfen in Polen (+13,9%), Slowenien (+12,2%), Zypern (+10,1%) und Monaco (+10,3%) meldeten die stärksten Zuwächse, was auf eine hohe Nachfrage in diesen Märkten hindeutet. Im Gegensatz dazu verzeichneten Länder wie Lettland (-6,1%), Estland (-6%) und Island (-2,9%) Rückgänge im Passagierverkehr. Besonders auffällig ist, daß die größten Märkte des EU+-Raums, wie Deutschland (+2,3%), Frankreich (+1,2%) und Großbritannien (+1,1%), allesamt hinter dem Durchschnitt zurückblieben. Spaniens Flughäfen verzeichneten einen Anstieg von 2,7%, was ebenfalls knapp unter dem EU+-Durchschnitt lag.
Im übrigen Europa, zu dem Länder wie die Türkei, Rußland und die Staaten des ehemaligen Ostblocks gehören, war das Wachstum mit 4,7% deutlich dynamischer. Hier spiegeln sich sowohl geopolitische Einflüsse als auch gegensätzliche Marktdynamiken wider. Moldau stach mit einem beeindruckenden Wachstum von 45% heraus, gefolgt von Georgien (+12,1%) und Kasachstan (+11,2%). Diese Zuwächse sind oft auf eine Verlagerung des Flugverkehrs und eine starke Nachfrage nach Freizeit- und VFR-Flügen zurückzuführen. Gleichzeitig verzeichneten Flughäfen in Rußland (-15,1%), Israel (-5,6%) und Aserbaidschan (-5,2%) erhebliche Rückgänge, die auf politische Spannungen und Konflikte zurückzuführen sind. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie eng die Entwicklung des Luftverkehrs mit der politischen und wirtschaftlichen Stabilität in den jeweiligen Regionen verknüpft ist.
Die Verlierer und Gewinner im Flughafen-Segment
Die Analyse der Flughafen-Marktsegmente zeigt, daß das Wachstum ungleichmäßig verteilt war. Die großen Drehkreuze mit über 40 Millionen Passagieren verzeichneten ein vergleichsweise schwaches Wachstum von 2,7%. London Heathrow, Europas verkehrsreichster Flughafen, stagnierte mit einem Wachstum von 0%, während andere große Hubs wie Paris-Charles de Gaulle (+2,6%) und Madrid (+0,6%) ebenfalls nur geringe Zuwächse verbuchen konnten. Positiv entwickelten sich hingegen der Flughafen Istanbul Sabiha Gökçen (+14,9%), der zum am schnellsten wachsenden Großflughafen avancierte, sowie der Münchner Flughafen (+5,9%).
Die mittelgroßen Flughäfen (1 bis 10 Millionen Passagiere) und die kleinen Flughäfen (weniger als 1 Million Passagiere) waren die einzigen Segmente, die ein Wachstum über dem europäischen Durchschnitt erzielten. Dies ist in erster Linie auf die selektive Expansion von Billigfluggesellschaften und die weiterhin hohe Nachfrage nach Freizeitflügen zurückzuführen. Der Flughafen in Chișinău, Moldau, führte das Feld der mittelgroßen Flughäfen mit einem Anstieg von 45% an, gefolgt von Bournemouth (+31,9%) und Triest (+22,3%). Unter den kleinen Flughäfen verzeichneten einige gar dreistellige Zuwächse, wie die Flughäfen in Kiruna (+166,4%) und Karlstad (+147,7%) in Schweden sowie in Bukarest (+134,5%).
Dennoch haben die kleinen Flughäfen als einziges Segment das Passagieraufkommen vor der Pandemie noch nicht wieder erreicht und liegen 22,4% unter dem Niveau von Juli 2019. Diese Diskrepanz zeigt, daß der Aufschwung im Luftverkehr in Europa ungleich verläuft und vor allem kleinere, regionalere Flugverbindungen noch nicht vollständig wiederhergestellt sind.
Frachtverkehr und Flugbewegungen
Der Frachtverkehr im europäischen Flughafennetz verzeichnete im Juli einen Rückgang von 1,5% gegenüber dem Vorjahr, was eine Abkühlung des globalen Handels widerspiegelt. Die Frachtdienste außerhalb der EU+-Region verzeichneten mit 2,1% einen etwas stärkeren Rückgang als die innerhalb der EU (+2%). Trotz des Rückgangs gegenüber dem Vorjahr lag das Frachtvolumen insgesamt immer noch 10,4% über dem Vorkrisenniveau, was auf eine anhaltend starke Nachfrage nach Luftfrachtdiensten hindeutet. Unter den zehn größten Frachtflughäfen in Europa erzielten Lüttich (+14,4%), Madrid (+8,9%) und Mailand Malpensa (+7,6%) die besten Ergebnisse.
Die Flugbewegungen im europäischen Luftraum stiegen im Juli um 2,9% im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen der Flugbewegungen, die die Starts und Landungen umfassen, sind ein wichtiger Indikator für die operative Aktivität in der Luftfahrt. Das moderate Wachstum bei den Passagierzahlen in Verbindung mit einem Anstieg der Flugbewegungen könnte auf eine geringere Auslastung der Flugzeuge hindeuten oder auf eine erhöhte Zahl von kleineren, regionalen Flugzeugen, die mit einer niedrigeren Kapazität fliegen. Insgesamt zeigt der vorläufige Bericht von ACI EUROPE ein geteiltes Bild des europäischen Luftverkehrs im Juli 2025: Während sich der internationale Verkehr weiterhin erholt, bleibt das Wachstum verhalten und ungleichmäßig verteilt.