Die taiwanische Fluggesellschaft Eva Air, ein international anerkannter Carrier, sieht sich mit einer schwerwiegenden Kontroverse konfrontiert, nachdem eine Flugbegleiterin wenige Tage nach der Beendigung eines 13-stündigen Nonstop-Fluges von Mailand nach Taipeh verstarb. Die Mitarbeiterin, eine 34-jährige Frau namens Sun, hatte Berichten zufolge während des Fluges schwere gesundheitliche Probleme gemeldet, wurde jedoch von einer Vorgesetzten angeblich zur Weiterarbeit gedrängt und ihr sei nach der Landung jegliche medizinische Bodenunterstützung verweigert worden.
Der tragische Tod hat weitreichende Ermittlungen von staatlichen Arbeitsinspektoren und der Flugbegleitergewerkschaft ausgelöst, die sich auf mögliche fahrlässige Führung und einen potenziellen Druck zur Arbeitsaufnahme trotz Krankheit konzentrieren. Die Fluggesellschaft hat sich „tief betroffen“ gezeigt, interne Untersuchungen eingeleitet und volle Kooperation mit den Behörden zugesichert. Der Vorfall auf dem Flug BR 95 im September 2025 wirft ein kritisches Licht auf die Arbeitsbedingungen und die Notfallprotokolle im Kabinenmanagement der Airline.
Chronologie der Ereignisse und Vorwürfe der Pflichtverletzung
Nach den vorliegenden Informationen hatte die Flugbegleiterin Sun, die seit Dezember 2016 bei Eva Air beschäftigt war, bereits während des Rückflugs von Mailand (Flug BR 95) nach Taipeh am 24. und 25. September über Unwohlsein geklagt. Trotz der offenkundigen Verschlechterung ihres Zustands und der langen Flugdauer von 13 Stunden soll die verantwortliche Kabinenchefin angeblich darauf bestanden haben, dass die Mitarbeiterin ihren Dienst fortsetze. Kritisiert wird insbesondere die angebliche Weigerung, während des Fluges den bodengestützten medizinischen Beratungsdienst Medlink zu kontaktieren, der bei gesundheitlichen Notfällen an Bord professionelle Hilfe bietet.
Die Situation spitzte sich nach der Landung am Taoyuan International Airport (TPE) in Taipeh zu. Laut Aussagen anonymer Kollegen, die über soziale Medien und Gewerkschaftsvertreter verbreitet wurden, sei der schwer erkrankten Flugbegleiterin die Anforderung eines Rollstuhls und eines Krankenwagens am Flughafen verwehrt worden. Sie musste sich demnach eigenständig auf den Weg zu einer nahegelegenen Klinik machen. Obwohl sie in der Folge stationär in einem Krankenhaus behandelt wurde, verschlechterte sich ihr Zustand, und sie verstarb schließlich am 10. Oktober, etwa zwei Wochen nach dem Vorfall.
Die Taoyuan Flight Attendants Union (TFAU) und die firmeneigene Gewerkschaft haben sich in die Debatte eingeschaltet und fordern eine umfassende Klärung der Umstände. Im Fokus steht die Frage, ob das Verhalten der Vorgesetzten als Mobbing am Arbeitsplatz oder fahrlässiges Verhalten zu werten ist, das letztlich die angemessene medizinische Versorgung verzögerte oder verhinderte.
Offizielle Ermittlungen und die Rolle der Arbeitsbehörden
Der tragische Todesfall hat die taiwanischen Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen. Die Arbeitsinspektoren der Stadt Taoyuan und das taiwanesische Arbeitsministerium haben angekündigt, eine tiefgehende Untersuchung der Arbeitsbedingungen und Krankheitsmeldungsrichtlinien bei Eva Air einzuleiten. Die Ermittlungen sollen klären, ob ein Systemdruck existiert, der Mitarbeiter davon abhält, sich im Krankheitsfall ordnungsgemäß zu melden oder medizinische Hilfe anzufordern.
Die Arbeitsinspektoren werden voraussichtlich Flugbegleiter und das verantwortliche Kabinenpersonal befragen, um die Berichte über die Verweigerung von medizinischer Hilfe zu verifizieren. Während die Arbeitsaufzeichnungen der Flugbegleiterin zeigten, dass ihre Flugstunden in den Monaten vor dem Vorfall innerhalb der regulatorischen Grenzen lagen (durchschnittlich etwa 75 Stunden pro Monat), steht die Einhaltung der Gesundheits- und Sicherheitsstandards im Vordergrund. Nach taiwanischem Arbeitsrecht können Verstöße gegen den Arbeitsschutz und die Arbeitsstandards zu empfindlichen Geldstrafen und zur Anordnung von strukturellen Reformen führen. Es ist bekannt, dass Eva Air in der Vergangenheit bereits wegen anderer Verstöße gegen die Arbeitsvorschriften, insbesondere im Zusammenhang mit Überstunden, mit Geldbußen belegt wurde.
Die Taoyuan Flight Attendants Union kritisierte öffentlich, dass das bestehende Krankmeldewesen bei der Airline dazu führen könne, dass Mitarbeiter aus Angst vor negativen Leistungsbeurteilungen, dem Verlust von Prämien oder der Veränderung ihres Dienstplans zögern, sich krank zu melden. Die Gewerkschaft betont, dass die physische Belastung von Flugbegleitern durch wechselnde Schichten, lange Flugzeiten und die Umgebung in der Druckkabine die Anfälligkeit für Krankheiten erhöhe und eine empathischere Handhabung durch das Management erforderlich sei.
Auswirkungen auf das Unternehmen und die zukünftigen Betriebsabläufe
Für Eva Air hat der Vorfall erhebliche reputative Konsequenzen. Die globale Berichterstattung über die angeblichen Versäumnisse im Crew-Management hat das Vertrauen in die Unternehmenskultur untergraben. In einer hart umkämpften Branche, in der die Wahrnehmung von Sicherheit und Fürsorge eine entscheidende Rolle für die Kundenbindung und die Anwerbung von neuem Personal spielt, sind solche Negativschlagzeilen besonders schädlich. Die Airline steht in starker Konkurrenz zu regionalen Wettbewerbern wie Starlux Airlines.
Von operativer Seite wird erwartet, dass Eva Air ihre medizinischen Notfallprotokolle und die internen Schulungen für Kabinenmanager umgehend überprüfen und verschärfen wird. Dies dürfte eine Neuformulierung der Eskalationsprozeduren beinhalten, um sicherzustellen, dass in Zukunft bei Anzeichen schwerer Erkrankungen unter Crewmitgliedern unverzüglich medizinische Unterstützung vom Boden angefordert wird. Eine solche Reform der Verfahren und die Verbesserung der Führungskultur werden zwar zu zusätzlichen Kosten führen, sind jedoch unerlässlich, um die operative Sicherheit und die Mitarbeiterzufriedenheit zu gewährleisten.
Der Vorfall dient als Mahnung an die gesamte Luftfahrtindustrie, das Wohl der Besatzung nicht nur als Frage der Arbeitssicherheit zu sehen, sondern auch als fundamentalen Bestandteil des Gesamtsicherheitskonzepts. Die Tatsache, dass ein Besatzungsmitglied möglicherweise unter Zwang weiterarbeiten musste, obwohl es schwer erkrankt war, wirft ernste Fragen zur Qualität der Arbeitsbedingungen auf. Der Ausgang der offiziellen Ermittlungen in Taiwan wird nicht nur für Eva Air weitreichende Konsequenzen haben, sondern könnte auch branchenweite Reformen der Richtlinien zum Umgang mit erkranktem Personal in der kommerziellen Luftfahrt nach sich ziehen.