Der London Gatwick Airport hat von der britischen Regierung die offizielle Genehmigung erhalten, seine zweite Start- und Landebahn künftig regelmäßig zu nutzen. Die bisher nur für Rollvorgänge oder als Ausweichpiste genutzte Bahn soll durch eine Reihe von Modifikationen in den regulären Flugbetrieb integriert werden.
Dieses Vorhaben ist Teil eines umfangreichen Investitionsplans in Höhe von 2,2 Milliarden Pfund (etwa 2,97 Milliarden Dollar) und soll die Kapazität des Flughafens signifikant steigern. Die Umsetzung der Pläne soll zügig erfolgen, mit dem Ziel, die zweite Startbahn bereits ab 2029 in Betrieb zu nehmen. Dieser strategische Schritt soll die Stellung Gatwicks im britischen und internationalen Luftverkehr festigen.
Ein Schlüsselprojekt für die Zukunft Gatwicks
Die reguläre Nutzung der zweiten Startbahn ist ein Meilenstein für den Flughafen Gatwick. In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung bestätigte der Airport, daß er die behördliche Genehmigung erhalten habe, die nördliche Piste (08L / 26R) in den Routinebetrieb aufzunehmen. Diese Startbahn ist mit 2.565 Metern kürzer als die Hauptpiste (08R / 26L), die 3.316 Meter mißt. Die Nähe der beiden Bahnen zueinander hat bisher eine gleichzeitige Nutzung für Starts und Landungen verhindert. Durch die geplanten Modifikationen, die im Rahmen eines privat finanzierten Investitionsprojekts umgesetzt werden, soll diese Einschränkung behoben werden. Die BBC berichtete, daß die nördliche Startbahn um zwölf Meter verschoben werden soll, um die erforderlichen Sicherheitsabstände zu gewährleisten.
Stewart Wingate, der Geschäftsführer von VINCI Airports für das Vereinigte Königreich, begrüßte die Genehmigung und nannte sie einen wichtigen Meilenstein im Planungsprozeß. Er betonte, daß die 2,2 Milliarden Pfund vollständig von den Anteilseignern finanziert würden und erhebliches Wachstum, Tourismus- und Handelsvorteile für Gatwick und das ganze Land bringen sowie Tausende von Arbeitsplätzen schaffen würden.
Im Wettbewerb mit Heathrow: Ein Rennen um Kapazität
Gatwick ist nicht der einzige Londoner Flughafen, der seine Kapazitäten ausbauen möchte. Auch der größere Nachbarflughafen Heathrow (LHR) bemüht sich seit langem um die Genehmigung für eine dritte Startbahn. Dieses Projekt wäre jedoch wesentlich teurer und aufwendiger, da eine neue Startbahn außerhalb des bestehenden Flughafengeländes gebaut werden müßte.
Der Plan von Gatwick hingegen sieht keine Erweiterung des Geländes vor, was die Kosten und die Dauer des Projekts deutlich reduziert. Eine Regierungsquelle teilte mit, daß die neuen Bahnen bereits vor den nächsten Parlamentswahlen in Betrieb genommen werden könnten, die für 2029 angesetzt sind. Dies würde eine schnelle Umsetzung des Projekts bedeuten. Wingate wies jedoch darauf hin, daß die Planungsauflagen die Umsetzung der Vorteile des Projekts ermöglichen müßten und keine unnötigen Beschränkungen auferlegen dürften, die eine Investition unwirtschaftlich machen würden.
Der Ausbau von Gatwick positioniert den Flughafen als ernsthaften Konkurrenten zu Heathrow. Heathrow ist berüchtigt für seine hohen Gebühren und begrenzten Kapazitäten, was ihn zu einem sogenannten „Slot-controlled“ Flughafen macht, an dem die Start- und Landezeiten strikt zugeteilt werden. Die Kapazitätserhöhung in Gatwick könnte für internationale Fluggesellschaften, insbesondere solche mit Langstreckenverbindungen, eine attraktive Alternative darstellen.
Wachstum von Passagierzahlen und Streckennetz
London Gatwick ist berühmt-berüchtigt für seine Überlastung und gilt als der verkehrsreichste Flughafen mit einer einzigen Startbahn in ganz Europa. Die regelmäßige Nutzung der zweiten Startbahn würde das geschäftige Drehkreuz erheblich entlasten und seine Kapazität um mehr als 100.000 Flüge pro Jahr steigern.
Dem Investitionsplan zufolge erwartet Gatwick, bis Ende der 2030er Jahre 389.000 Flüge abfertigen zu können, was eine Steigerung von rund 39 Prozent gegenüber den derzeitigen 280.000 Flügen pro Jahr wäre. Die jährlichen Passagierzahlen könnten von 40 auf 80 Millionen steigen.
Die Erweiterungspläne umfassen auch den Ausbau der Terminals von Gatwick und könnten weitreichende Auswirkungen auf das Streckennetz haben. Die nördliche Startbahn soll hauptsächlich für Kurzstreckenabflüge genutzt werden, wodurch mehr Kapazität auf der Hauptpiste für Langstreckenflüge frei wird. Dies könnte Gatwick zu einer attraktiveren Option für interkontinentale Fluggesellschaften machen und seine Rolle als internationales Drehkreuz stärken.
Die Genehmigung für die zweite Startbahn ist nicht nur eine gute Nachricht für Gatwick selbst, sondern auch für die gesamte britische Luftfahrtindustrie. Sie schafft neue Möglichkeiten für Fluggesellschaften, die Nachfrage nach Reisen zu bedienen und die Position Londons als weltweit führendes Luftverkehrszentrum zu sichern. Das Projekt ist ein klares Signal für das Vertrauen in die Zukunft des Luftverkehrs.