Der tschechische Mobilitätsanbieter RegioJet verzeichnet im Segment der Fernverkehrszüge eine anhaltend positive Entwicklung und festigt seine Position als Akteur im privaten Eisenbahnsektor Zentraleuropas. Mit einem Anstieg der Fahrgastzahlen um 19 Prozent auf fast 7,2 Millionen Reisende im vergangenen Geschäftsjahr demonstriert das Unternehmen die wachsende Akzeptanz privater Alternativen zu staatlichen Bahngesellschaften.
Neben der reinen Beförderungsleistung investiert der Konzern massiv in die Infrastruktur am Boden und eine weitreichende Erneuerung der Fahrzeugflotte, um dem steigenden Bedürfnis nach Komfort und integrierten Serviceleistungen gerecht zu werden. Insbesondere die Expansion in den polnischen Markt sowie die Aufwertung des Aufenthaltserlebnisses in eigenen Lounges stehen dabei im Fokus der Unternehmensstrategie für die kommenden Jahre.
Strukturelle Entwicklung des Streckennetzes in Mitteleuropa
Das Rückgrat des operativen Geschäfts bilden die Intercity-Verbindungen, die Prag mit wichtigen Metropolen in den Nachbarländern sowie bedeutenden regionalen Zentren verknüpfen. Eine zentrale Rolle nimmt die Achse zwischen Prag, Brünn, Wien und Budapest ein, die Geschäftsreisende und Touristen gleichermaßen anspricht. Auch die Anbindung in Richtung Osten über Ostrava nach Žilina und Košice in der Slowakei sowie die Verbindung nach Przemysl an der polnisch-ukrainischen Grenze verzeichnen eine stabile Nachfrage. Diese Korridore ermöglichen nicht nur eine schnelle Verbindung zwischen den Hauptstädten, sondern stärken auch die Mobilität in den Grenzregionen durch getaktete Fahrpläne und aufeinander abgestimmte Umstiege.
Ein wesentlicher Pfeiler der künftigen Ausrichtung ist die schrittweise Erschließung des polnischen Schienennetzes. RegioJet weitet sein Angebot auf tschechisch-polnischen Relationen sowie innerhalb Polens kontinuierlich aus. Zu den Schlüsselstrecken zählen hierbei Verbindungen von Warschau nach Krakau, Danzig und Gdynia an der Ostseeküste. Auch die Verbindung zwischen der polnischen Hauptstadt und Posen sowie die grenzüberschreitende Route über Ostrava nach Prag gewinnen an Bedeutung. Diese Expansion wird durch offizielle Genehmigungen untermauert, die es dem Unternehmen erlauben, ab Dezember 2026 zusätzliche Routen wie Warschau–Berlin oder Warschau–Stettin zu bedienen, was den Wettbewerb auf diesen wichtigen europäischen Verkehrswegen intensivieren dürfte.
Detaillierte Betriebsstatistik und Leistungsindikatoren
Die positive Bilanz des vergangenen Jahres spiegelt sich in einer Vielzahl von Leistungskennzahlen wider. Die zurückgelegten Zugkilometer stiegen um fünf Prozent auf insgesamt 8,2 Millionen Kilometer an. Noch deutlicher fällt das Wachstum bei den gefahrenen Fahrzeugkilometern aus, die um 20 Prozent auf 62,5 Millionen zunahmen. Dies deutet darauf hin, dass die Züge nicht nur häufiger verkehren, sondern auch mit längeren Garnituren betrieben werden, um die gestiegene Nachfrage aufzufangen. Ein besonders aussagekräftiger Indikator für die Marktdurchdringung ist die Zahl der beförderten Personenkilometer, die mit einem Plus von 17 Prozent auf 2.160 Millionen beziffert wird. Diese Daten untermauern, dass das Angebot insbesondere auf längeren Distanzen im internationalen Verkehr überproportional genutzt wird.
Exklusive Bodeninfrastruktur und Serviceinnovationen
Ein Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb ist das Konzept der RegioJet Lounges, die den Fahrgästen ein gehobenes Aufenthaltsniveau vor der Abfahrt bieten. Aktuell betreibt das Unternehmen solche Premium-Wartebereiche in Prag, Brünn und Wien. Die Nutzungszahlen belegen einen massiven Trend hin zu diesen Zusatzangeboten. In Prag wurden 445.000 Anmeldungen registriert, was einer Steigerung von 120 Prozent entspricht. In Brünn stiegen die Besuche um 93 Prozent auf 155.000, während die Lounge in Wien mit einem Zuwachs von 520 Prozent auf 44.000 Eingänge das stärkste relative Wachstum verzeichnete.
Die Ausstattung dieser Bereiche zielt darauf ab, die Wartezeit produktiv oder erholsam zu gestalten. Den Kunden stehen neben kostenlosen Heißgetränken, Wasser und einer Auswahl an Zeitungen auch Highspeed-WLAN-Verbindungen zur Verfügung. Ein besonderes Merkmal der Lounge am Prager Hauptbahnhof ist die Integration kultureller Elemente. Ein Essex-Flügel bildet das Zentrum des Raumes und sorgt für eine musikalische Untermalung, während den Gästen im Sommer kostenloses Speiseeis angeboten wird. Aufgrund des großen Erfolgs plant das Unternehmen, dieses Konzept moderner Wartezimmer zeitnah auf weitere Standorte auszuweiten, um das Serviceversprechen entlang der gesamten Reisekette einzulösen.
Investitionsprogramm für die Flotte der Zukunft
Um das geplante Wachstum operativ abzusichern, hat RegioJet ein Investitionsvolumen von rund 20 Milliarden CZK bereitgestellt. Dieser Betrag fließt primär in die Beschaffung von rund 82 neuen Zugeinheiten unterschiedlicher Hersteller. Ein Meilenstein ist die Kooperation mit der Škoda-Gruppe, die 23 elektrische Triebzüge für den Einsatz in der Region Ústí nad Labem liefert. Diese Einheiten sollen planmäßig im Dezember 2026 den Betrieb aufnehmen und den regionalen Schienenverkehr modernisieren.
Zusätzlich hat das Unternehmen beim polnischen Hersteller Pesa 18 elektrische Hochgeschwindigkeitszüge für die wichtige Linie R9 bestellt. Diese Fahrzeuge sind für Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ausgelegt und verfügen über Kapazitäten zwischen 200 und 300 Sitzplätzen. Mit einem Anteil von etwa zwölf Prozent an Plätzen der ersten Klasse wird auch hier ein Fokus auf das Premium-Segment gelegt. Ab 2029 wird die Flotte zudem durch 34 Hybrid-Expresszüge ergänzt, die durch eine Kombination aus Batterie-, Oberleitungs- und Dieselantrieb eine flexible Bedienung unterschiedlich elektrifizierter Strecken in Nordostböhmen ermöglichen.
Parallel zum Neukauf investiert das Unternehmen rund 500 Millionen CZK in die Modernisierung des bestehenden Fuhrparks. Hierbei stehen die Erneuerung der Innenausstattung, die Installation moderner Klimaanlagen sowie die Verbesserung der Beleuchtungssysteme im Vordergrund. Um die Instandhaltung dieser wachsenden Flotte effizient zu gewährleisten, ist der Bau eines neuen Wartungsdepots in Hostivař vorgesehen, das speziell für die Anforderungen moderner Leichtbauzüge konzipiert ist.
Langfristige Netzplanung und neue Linienführungen
Die strategische Planung sieht eine deutliche Verdichtung des Taktes und die Erschließung neuer Regionen vor. Ab Dezember 2026 übernimmt RegioJet den Betrieb auf der Fernverkehrslinie R9 zwischen Prag und Brünn via Havlíčkův Brod, wodurch unter anderem eine direkte Anbindung der Stadt Jihlava an die Hauptstadt nach mehrjähriger Unterbrechung wiederhergestellt wird. In den darauffolgenden Jahren bis 2029 sollen weitere Linien im Norden und Osten der Tschechischen Republik folgen, darunter Verbindungen von Pardubice nach Liberec sowie von Prag nach Tanvald und Rumburk.
Im internationalen Kontext wird die Konnektivität zwischen Polen, Deutschland und Österreich weiter gestärkt. Die geplanten Verbindungen von Warschau über Posen nach Berlin sowie die neuen Routen von der polnischen Ostseeküste in Richtung Tschechien und Österreich zielen darauf ab, ein integriertes europäisches Fernverkehrsnetz unter privater Regie zu schaffen. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Liberalisierung des Schienenmarktes in Zentraleuropa weiter voranschreitet und den Fahrgästen eine breitere Auswahl an Reisemöglichkeiten und Komfortstandards bietet.