Die im gehobenen Reisesegment positionierte Fluggesellschaft Beond weitet ihre Betriebstätigkeit in Saudi-Arabien aus. Wie das Unternehmen am 24. Juli 2026 mitteilte, werden ab Ende des Jahres mehrere neue Strecken zwischen dem Red Sea International Airport (RSI) und europäischen Großstädten aufgenommen.
Ab Dezember 2026 plant die Airline drei wöchentliche Verbindungen nach London, Paris, Moskau und Zürich sowie zwei wöchentliche Flugpaare nach München. Bereits im Oktober 2026 soll zudem die im Vorjahr erstbeflogene Route nach Mailand Malpensa mit zwei wöchentlichen Flügen wiederaufgenommen werden. Parallel dazu gab Beond am 27. Juli 2026 bekannt, eine Investition von 20 Millionen US-Dollar in die Ausrüstung von vier neuen Flugzeugen des Typs Airbus A321 vorzunehmen. Mit diesen Ankündigungen tritt der Betreiber Spekulationen entgegen, die im Frühjahr 2026 bezüglich der Liquiditätslage des Unternehmens und operativer Betriebspausen aufgetaucht waren.
Entwicklung des Red Sea International Airport und Einbindung europäischer Zielmärkte
Der Red Sea International Airport wurde im Jahr 2023 als Infrastrukturprojekt in Betrieb genommen, um als zentraler Ankunftspunkt für neu entstehende Resortanlagen an der Westküste Saudi-Arabiens zu dienen. Das Areal ist Bestandteil staatlicher Programme zur Umgestaltung der saudi-arabischen Volkswirtschaft, die eine Verringerung der Abhängigkeit vom Erdölsektor durch den Aufbau des Dienstleistungs- und Fremdenverkehrssektors anstreben.
Durch die angekündigten Flugverbindungen wird Beond zur Fluggesellschaft mit den meisten Zielorten ab dem Red Sea International Airport und zum einzigen Anbieter von Linienflügen zu Zielen außerhalb der Golfregion. Bislang wird der Flughafen von regionalen Netzwerkträgern wie Flydubai, Qatar Airways und Saudia bedient, die Zubringerdienste zu ihren jeweiligen Drehkreuzen anbieten. John Pagano, Vorstandsvorsitzender der Entwicklungsgesellschaft Red Sea Global, verwies darauf, dass die Nachfrage auf der Ende 2025 versuchsweise eingerichteten Mailand-Route die Entscheidung gestützt habe, die Anbindung an europäische Kernmärkte systematisch auszubauen.
Zusammenarbeit mit Behörden und Beantragung des saudi-arabischen Luftverkehrsbetreiberzeugnisses
Die Ausweitung des Flugangebots erfolgt im Rahmen einer Vereinbarung mit dem saudi-arabischen Air Connectivity Program (ACP) sowie den nationalen Tourismusbehörden. Das staatlich geförderte ACP hat die Aufgabe, direkte Flugverbindungen zwischen Saudi-Arabien und internationalen Zielgebieten aufzubauen, um das Passagieraufkommen im Zuge der wirtschaftlichen Zielsetzungen zu steigern.
Der Vorstandsvorsitzende von Beond, Tero Taskila, bestätigte in diesem Zusammenhang die Absicht, ein eigenes saudi-arabisches Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator Certificate, AOC) zu beantragen. Ursprünglich auf den Malediven gegründet, beabsichtigt das Unternehmen, den Standort im Nahen Osten schrittweise zu einem primären Betriebsstützpunkt auszubauen. Die Vergabe eines saudi-arabischen AOC würde es der Fluggesellschaft ermöglichen, Streckenrechte direkt aus dem Königreich heraus zu nutzen und den Flugbetrieb organisatorisch vor Ort zu verankern.
Kabinenausstattung und Flotteninvestitionen
Für die angekündigten Europa-Verbindungen setzt Beond auf Flugzeuge der Airbus-A320-Familie, die ausschließlich mit einer durchgehenden Business-Class-Bestuhlung ausgerüstet sind. Im Zuge der angekündigten Investition von 20 Millionen US-Dollar sollen vier neu zur Flotte stoßende Maschinen des Typs Airbus A321 mit insgesamt 256 maßgefertigten Lie-Flat-Sitzen des italienischen Herstellers Optimares ausgestattet werden. Optimares zeichnet bereits für die Bestuhlung der bestehenden Bestandsflotte verantwortlich.
Das Geschäftsmodell basiert auf einer reduzierten Sitzplatzkapazität im Vergleich zu herkömmlichen Passagierflugzeugen gleicher Baugröße. Durch den Einbau von vollwertigen Liegesitzen richtet sich das Angebot gezielt an Einzelreisende und Paare im oberen Preissegment. Der Einbau der neuen Kabinen soll mit dem Eintreffen der zusätzlichen Flugzeuge schrittweise erfolgen, um die Kapazitäten für die geplanten Streckeneröffnungen bereitzustellen.
Betriebswirtschaftliche Lage und Behebung von Zahlungsverzögerungen
Die Veröffentlichung der Netzerweiterung und der Flotteninvestition folgt auf eine Phase betrieblicher Einschränkungen im ersten Halbjahr 2026. Im April 2026 hatte Beond sämtliche gebuchten Linienflüge bis zum Oktober 2026 vorübergehend ausgesetzt. Das Management begründete diesen Schritt mit der angespannten Sicherheitslage in Teilen des Nahen Ostens sowie mit den saisonal bedingt geringeren Buchungszahlen in den Sommermonaten an den angeflogenen Zielorten.
Im Juni 2026 folgten Berichte über Verzögerungen bei der Auszahlung von Gehaltsleistungen an Mitarbeiter und Führungskräfte. In einer schriftlichen Stellungnahme vom 26. Juli 2026 bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass im Rahmen von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Liquidität während der Investitionsphase in Flotte und AOC-Erweiterung zeitweise Zahlungsrückstände entstanden waren. Nach Angaben des Sprechers wurden die ausstehenden Gehaltsforderungen inzwischen vollständig beglichen. Die gesicherte Finanzierung bildet nun die Grundlage für die geplante Wiederaufnahme des Flugbetriebs und die Aufnahme der neuen Strecken ab Herbst 2026.