MS Hamburg (Foto: Dr. Karl-Heinz Hochhaus).
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Expansionskurs in arktischen Gewässern: Plantours vergrößert Grönland-Präsenz für die Sommersaison 2027

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Angesichts einer massiven Nachfrage im Segment der Expeditionsreisen hat der Bremer Veranstalter Plantours Kreuzfahrten eine signifikante Ausweitung seines Programms für das Jahr 2027 angekündigt. Das Flaggschiff des Unternehmens, die MS Hamburg, wird in der Sommersaison 2027 insgesamt fünfmal Kurs auf Grönland nehmen, um die steigende Zahl an Interessenten für polare Routen zu bedienen. Wie die Geschäftsführung mitteilte, reagiert das Unternehmen damit auf die nahezu restlose Ausbuchung der Kapazitäten für das Vorjahr.

Die geplanten Routen führen das kleinste Kreuzfahrtschiff Deutschlands dabei in Regionen, die für größere Schiffe unzugänglich bleiben, darunter die entlegene Siedlung Thule im äußersten Norden der Insel. Das Programm umfasst sowohl klassische Transatlantik-Passagen ab Hamburg als auch spezialisierte Expeditionen mit Charterflug-Anbindungen ab Deutschland. Damit festigt Plantours seine Position in einem Marktnische, die durch kleine Passagierzahlen und intensive Naturerlebnisse abseits des Massentourismus geprägt ist.

Strategische Kapazitätsplanung als Reaktion auf Markttrends

Die Entscheidung zur Erweiterung des Fahrplans ist das Ergebnis einer klaren Marktanalyse. Laut Geschäftsführer Oliver Steuber waren die vier für das Jahr 2026 geplanten Grönland-Reisen bereits so frühzeitig vergriffen, dass eine Aufstockung für die darauffolgende Saison unumgänglich wurde. In der Tourismusbranche zeigt sich derzeit ein deutlicher Trend hin zu Zielen, die Exklusivität und eine gewisse Abgeschiedenheit versprechen. Grönland, als größte Insel der Welt, bietet hierfür die ideale Kulisse. Die MS Hamburg ist mit einer Kapazität von maximal 400 Gästen speziell für solche Fahrtgebiete konzipiert. Ihre vergleichsweise geringen Abmessungen erlauben es, schmale Fjorde zu befahren und kleine Häfen anzusteuern, die für die modernen Megaliner der großen Reedereien gesperrt sind.

Für das Jahr 2027 hat Plantours ein logistisches Konzept entwickelt, das unterschiedliche Reisebedürfnisse abdeckt. Ein zentraler Bestandteil sind die kombinierten Reisen, die direkt in Hamburg beginnen oder enden. Diese Routen führen über Island an die Ostküste Grönlands, eine Region, die aufgrund ihrer eisigen Bedingungen als besonders anspruchsvoll gilt. Durch die Nutzung der Elbmetropole als Basishafen entfallen für einen Teil der Gäste die Fluganreisen, was den Komfort bei der Einschiffung erhöht. Parallel dazu setzt der Veranstalter auf die bewährte Strategie von Charterflügen. Drei der fünf Reisen starten oder enden in Kangerlussuaq, dem wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkt Grönlands. Hierfür werden Sonderflüge ab Frankfurt am Main eingesetzt, um die Passagiere direkt in das Expeditionsgebiet zu befördern.

Expeditionscharakter und technischer Einsatz in der Diskobucht

Ein wesentliches Merkmal der Grönland-Fahrten im Jahr 2027 ist die Transformation der MS Hamburg von einem klassischen Kreuzfahrtschiff zu einem Basislager mit Expeditionscharakter. Um den Gästen die polare Umwelt näherzubringen, setzt die Reederei auf den Einsatz von Zodiacs. Diese wendigen Schlauchboote ermöglichen Anlandungen in unbewohnten Gebieten und Fahrten durch Treibeisfelder, die mit dem Hauptschiff nicht sicher passierbar wären. Besonders im Fokus steht dabei die Diskobucht an der Westküste Grönlands. Sie ist bekannt für ihre gewaltigen Eisberge, die vom Ilulissat-Eisfjord in das Meer kalben. Das Kreuzen in diesem Gebiet gilt als einer der nautischen Höhepunkte der Reise.

Die Route führt die MS Hamburg zudem weit über den Polarkreis hinaus. Ein besonderes Ziel der Saison 2027 ist Thule, heute offiziell als Qaanaaq bekannt. Es handelt sich um eine der nördlichsten zivilen Siedlungen der Welt. Der Besuch solcher Orte erfordert eine präzise Planung und ist stark von der jeweiligen Eissituation abhängig. Plantours betont, dass gerade diese Unwägbarkeiten den Reiz der Reise ausmachen und das Publikum ansprechen, das bewusste Abenteuer in einem gesicherten Rahmen sucht. Die technische Ausstattung der MS Hamburg und die Erfahrung der Besatzung in polaren Gewässern sind dabei die Voraussetzung für die Durchführung solcher anspruchsvollen Routen.

Wirtschaftliche Aspekte und Preisstruktur im Premiumsegment

Die Preisgestaltung für die Grönland-Saison 2027 spiegelt den hohen logistischen Aufwand und die Exklusivität des Angebots wider. Eine beispielhafte 19-tägige Reise von Hamburg nach Kangerlussuaq wird ab 4.999 Euro pro Person in der Außenkabine angeboten. In diesem Preis sind neben der Vollpension auch der Charterrückflug nach Deutschland enthalten. Im Vergleich zu Standardkreuzfahrten im Mittelmeer oder in der Karibik liegen diese Preise deutlich höher, was durch die begrenzte Passagierzahl und die hohen Hafengebühren sowie Betriebskosten in der Arktis begründet ist.

Trotz der gehobenen Preise bleibt die Nachfrage stabil. Experten beobachten, dass eine zahlungskräftige Klientel vermehrt in Erlebnisse investiert, die einen Expeditionscharakter aufweisen. Die MS Hamburg besetzt hierbei eine Hybridstellung: Sie bietet den Komfort eines traditionellen Kreuzfahrtschiffes, kombiniert mit den Möglichkeiten eines Expeditionsschiffes. Dies spricht insbesondere Reisende an, die zwar die Arktis erkunden möchten, aber auf Annehmlichkeiten wie feste Tischzeiten, Unterhaltungsprogramme und einen gewissen Servicestandard nicht verzichten wollen.

Logistische Herausforderungen im hohen Norden

Der Betrieb eines Kreuzfahrtschiffes in grönländischen Gewässern stellt enorme Anforderungen an die Logistik. Die Versorgung mit frischen Lebensmitteln, Treibstoff und Wasser ist in den entlegenen Gebieten nur begrenzt möglich und muss lange im Voraus geplant werden. Kangerlussuaq dient dabei als Drehscheibe. Der dortige Flughafen, ein ehemaliger US-Luftwaffenstützpunkt, ist die einzige Anlage auf der Insel, die für große Passagiermaschinen aus Europa geeignet ist. Die Koordination zwischen dem Schiffsfahrplan und den Charterflügen aus Frankfurt ist für den Erfolg der Reisen essenziell.

Zudem müssen die Fahrpläne eine gewisse Flexibilität aufweisen. Das Wetter in der Arktis kann sich innerhalb kürzester Zeit ändern, und Packeis kann geplante Passagen unmöglich machen. Die Kapitäne der MS Hamburg verfügen über spezielle Zertifizierungen für Eisfahrten, um die Sicherheit der Passagiere jederzeit zu gewährleisten. Diese operative Kompetenz ist ein zentrales Verkaufsargument für Plantours, da sie das Vertrauen der Kunden in eine erfolgreiche Durchführung der Reise stärkt, selbst wenn die Natur eine kurzfristige Routenänderung erzwingt.

Ausblick auf die Kreuzfahrtsaison 2027 und regionale Bedeutung

Die Erweiterung des Programms auf fünf Abfahrten verdeutlicht die wachsende Bedeutung Grönlands als touristische Destination. Während andere Regionen mit Overtourism zu kämpfen haben, setzt Grönland auf eine kontrollierte Entwicklung. Die MS Hamburg leistet hier einen Beitrag, indem sie durch ihre geringe Größe die lokale Infrastruktur nicht überlastet. Für die Orte entlang der Küste, von Nuuk bis hinauf nach Thule, bedeuten die Besuche der MS Hamburg wichtige Einnahmen durch Hafengebühren und den lokalen Handel, auch wenn der Aufenthalt der Gäste meist nur von kurzer Dauer ist.

Mit dem Ausbau des Programms festigt Plantours Kreuzfahrten seine Marktstellung im Bereich der Spezialkreuzfahrten. Die Kombination aus bewährten Routen ab Hamburg und neuen Expeditionszielen in Nordgrönland scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Für die Sommersaison 2027 positioniert sich das Unternehmen damit als einer der führenden Anbieter für deutschsprachige Gäste, die die größte Insel der Welt auf intensive Weise kennenlernen möchten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser Trend zu polaren Expeditionen anhält oder ob die Kapazitätsgrenzen in diesen sensiblen Fahrtgebieten bald erreicht sind. Vorerst jedoch stehen die Zeichen bei Plantours eindeutig auf Expansion.

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