Die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines, ein Mitglied der Lufthansa Group, hat im traditionell stärksten dritten Quartal 2025 ein bereinigtes ebit von 68 Millionen Euro erzielt. Dieses Ergebnis liegt 14 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals 2024. Trotz einer beeindruckenden Steigerung der Passagierzahlen um zwölf Prozent und einer hohen Auslastung des europäischen Streckennetzes wurde das Finanzergebnis durch erhebliche externe Störungen und eine unter den Erwartungen liegende Entwicklung der Afrika-Routen belastet.
Insgesamt beförderte Brussels Airlines im dritten Quartal fast 2,8 Millionen Passagiere auf knapp 20.000 Flügen, was einen Anstieg der Fluganzahl um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Während das europäische Netzwerk in den Hochsommermonaten Juli und August finanziell außergewöhnlich gut performte und die Umsätze das Vorjahresniveau übertrafen, geriet das Subsahara-Afrika-Geschäft ins Hintertreffen. Das Management bleibt jedoch zuversichtlich, das Jahr 2025 als drittes Jahr in Folge mit einem soliden positiven Gesamtergebnis abschließen zu können.
Gespaltene Netzwerkleistung: Europa als Zugpferd
Die robuste Nachfrage im europäischen Freizeitreiseverkehr und die anhaltend hohe Auslastung zu wichtigen kontinentalen Reisezielen waren im dritten Quartal der zentrale finanzielle Anker für Brussels Airlines. Die positive Entwicklung in Europa spiegelt den allgemeinen Trend in der europäischen Luftfahrt wider, in der die Nachfrage nach Urlaubsreisen weiterhin stark ist und die Ticketpreise auf einem stabilen Niveau hält.
Im Gegensatz dazu sah sich das Subsahara-Afrika-Netzwerk, ein historisch wichtiger und strategisch bedeutender Bereich für die belgische Fluggesellschaft, mit Problemen konfrontiert. Eine Reihe von Flugausfällen, die teilweise auf unvorhergesehene technische oder operationelle Störungen zurückzuführen waren und außerhalb des direkten Einflussbereichs der Fluggesellschaft lagen, verhinderte die vollständige Nutzung und damit die Rentabilität des elften Langstreckenflugzeugs. Die daraus resultierende Ineffizienz in der Auslastung dieser Kapazität wirkte sich negativ auf das Finanzergebnis der gesamten Region aus und drückte somit das Gesamtquartalsergebnis.
Externe Störfaktoren: Von Cyberangriff bis Demonstrationen
Neben den operativen Herausforderungen in Afrika wurde Brussels Airlines im dritten Quartal von zwei wesentlichen externen Störfaktoren getroffen, die die Betriebsabläufe und die Finanzen zusätzlich belasteten:
- Cyberangriff auf Collins Aerospace: Der Monat September war stark beeinträchtigt durch einen Cyberangriff auf Collins Aerospace, einen wichtigen Systemanbieter in der Luftfahrt. Dieser Angriff betraf mehrere große europäische Flughäfen, einschließlich des Flughafens Brüssel, was zu erheblichen Betriebsstörungen und Flugausfällen führte. Solche unvorhergesehenen Systemausfälle erzeugen kurzfristig hohe Kosten für Umbuchungen, Entschädigungen und operative Ineffizienz.
- Nationale Demonstrationen und Streiks: Ein strukturelles und wiederkehrendes Problem am Heimatmarkt stellen die nationalen Demonstrationen in Belgien dar. Diese Großveranstaltungen führen oft zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Verkehr und der Infrastruktur, die den Flughafenbetrieb lahmlegen oder stark stören. Brussels Airlines schätzt, dass die sechs großen Veranstaltungen dieser Art in diesem Jahr, darunter die vom 14. Oktober, über 100.000 Passagiere betroffen haben. Die daraus resultierende finanzielle Belastung für die Fluggesellschaft wird auf rund 14 Millionen Euro beziffert.
Finanzvorstand Nina Öwerdieck drückte in ihrer Stellungnahme ihren Dank an die Mitarbeiter aus und betonte, dass der ungeheure Einsatz des Teams die bestmögliche Betreuung der Passagiere selbst angesichts dieser unerwarteten Störungen sichergestellt habe. Gleichzeitig bekräftigte sie den Appell der Fluggesellschaft für alternative Lösungen und bessere Planungen im Umgang mit den nationalen Demonstrationen, um weiterhin erfolgreich in Mitarbeiter, Betrieb und Passagiere investieren zu können.
Strategische Zuversicht trotz Herausforderungen
Trotz des Rückgangs im umsatzstärksten Quartal bleibt das Management der Brussels Airlines optimistisch hinsichtlich des Gesamtjahres. Die Strategie der Fluggesellschaft, die sich auf das effiziente europäische Kurzstreckennetz und die spezialisierten Langstreckenverbindungen nach Afrika stützt, scheint insgesamt robust zu sein. Die Tatsache, dass das Unternehmen das Jahr 2025 voraussichtlich das dritte Jahr in Folge mit einem positiven Ergebnis abschließen wird, gilt als Beweis für die Stärke der strategischen Ausrichtung und das Engagement der Teams.
Die Fluggesellschaft, als Teil der Lufthansa Group, profitiert von der Anbindung an das globale Netzwerk und dem Zugang zu Ressourcen, was die Bewältigung von Krisen wie dem Cyberangriff erleichtert. Dennoch unterstreicht der Rückgang im dritten Quartal die anhaltende Vulnerabilität des Luftverkehrs gegenüber externen, nicht-kontrollierbaren Faktoren wie geopolitischen Spannungen, Cyber-Risiken und politischen Störungen. Für die Zukunft wird es entscheidend sein, die operative Stabilität auf den Afrika-Routen zu erhöhen, um die volle Kapazität der Langstreckenflotte nutzen zu können. Gleichzeitig muss in Zusammenarbeit mit den belgischen Behörden eine Lösung für die hohen Kosten der nationalen Demonstrationen gefunden werden, die ein Wettbewerbsnachteil für den Standort Brüssel und die dort beheimatete Fluggesellschaft darstellen. Die finanzielle Stabilität der letzten Jahre wird nun zur Basis, um die notwendigen Investitionen in die Modernisierung der Flotte und des Service zu tätigen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.