Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hat einen obligatorischen Austausch der Klapptürverriegelungen an zahlreichen Flugzeugen der Typen Boeing 737 Next Generation (NG) und 737 MAX vorgeschlagen. Dieser Schritt erfolgt, nachdem es zu Vorfällen kam, bei denen Passagiere aufgrund defekter Verriegelungen in den Flugzeugtoiletten eingeschlossen wurden. Ein besonders aufsehenerregender Fall ereignete sich im Jahr 2024 auf einem Flug der indischen Fluggesellschaft SpiceJet, bei dem ein Passagier während eines einstündigen Fluges beinahe die gesamte Zeit in der Toilette festsaß.
In einer nun veröffentlichten Bekanntmachung über einen Regelungsvorschlag (Notice of proposed rulemaking, NPRM) begründet die FAA ihre Initiative mit einem konkreten Vorfall, bei dem ein Passagier eine Toilette nicht verlassen konnte, weil ein gebrochener Riegel das Öffnen der Tür verhinderte. Die Flugbegleiter waren nicht in der Lage, die Tür zu entriegeln, was eine außerplanmäßige Landung des Flugzeugs erforderlich machte. Die FAA stellte fest, dass die Verriegelung während des normalen Betriebs versagte und sich die Tür nur mit Hilfe eines Bodenmechanikers öffnen ließ.
Die Ursache für das Versagen der Verriegelung wurde von der FAA in Materialermüdung der Kunststoffstruktur des Klapptürverschlusses identifiziert. Diese Ermüdung sei vor allem auf übermäßige Belastung in Verbindung mit Produktionsrückständen durch das Bohren von Löchern für Einsätze in die Kunststoffstruktur zurückzuführen. Die Behörde warnt davor, dass ein Versagen der Toilettenverriegelung in einem kritischen Notfall, wie beispielsweise schweren Turbulenzen, einem medizinischen Notfall oder einer notwendigen Evakuierung, den Zugang zu einem eingeschlossenen Passagier behindern und dessen Ausstieg erschweren könnte. Dies berge das Risiko schwerer Verletzungen für die betroffene Person.
Die Anordnung der FAA betrifft eine erhebliche Anzahl von Flugzeugen in den Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge handelt es sich um über 2.600 Maschinen der Typen Boeing 737-700, 737-800, 737-900, 737-900ER sowie die Modelle 737 MAX 8 und 737 MAX 9. Die ältere Variante 737-600 ist von dieser Anordnung weitgehend ausgenommen, da in den USA bis auf sechs Flugzeuge, die im Auftrag der geheimen Fluglinie „Janet“ betrieben werden, keine kommerziellen Flüge mit diesem Typ durchgeführt werden.
Die FAA schätzt den Zeitaufwand für den Austausch der beiden in einer 737 NG oder 737 MAX verbauten Toilettenverriegelungen auf bis zu zwei Arbeitsstunden pro Flugzeug. Bei einem geschätzten Stundensatz von 85 Dollar würden sich die reinen Arbeitskosten auf 170 Dollar pro Verriegelung belaufen. Hinzu kommen Materialkosten von 481 Dollar pro Verriegelung. Daraus ergeben sich Gesamtkosten von etwa 1.302 Dollar pro Flugzeug für die Einhaltung der neuen Vorschriften, wenn man den Austausch beider Verriegelungen berücksichtigt. Insgesamt könnten sich die Kosten für alle potenziell betroffenen 737 NG und 737 MAX in den USA auf rund 3,4 Millionen Dollar belaufen.
Die nun veröffentlichte NPRM dient als Grundlage für eine Lufttüchtigkeitsanweisung (Airworthiness Directive, AD), die die FAA nach Auswertung der Rückmeldungen von Interessengruppen veröffentlichen wird. Diese Rückmeldungen können bis zum 27. Mai bei der Behörde eingereicht werden. Nach Inkrafttreten der endgültigen AD haben die betroffenen Fluggesellschaften vier Monate Zeit, um die Toilettenverriegelungen an ihren Flugzeugen auszutauschen.
Der Vorfall bei SpiceJet im Januar 2024, bei dem ein Passagier auf einem Flug von Mumbai nach Bengaluru beinahe die gesamte Flugdauer in der Toilette eingeschlossen war, unterstreicht die Dringlichkeit des Problems. Obwohl die FAA in ihrer Begründung für die Anordnung von einer „außerplanmäßigen Landung“ sprach, die durch einen solchen Vorfall verursacht wurde, zeigt der Fall bei SpiceJet, dass Passagiere über einen längeren Zeitraum unzumutbaren Bedingungen ausgesetzt sein können, selbst wenn es nicht zu einer Notlandung kommt.
Die nun angeordnete Massnahme der FAA zielt darauf ab, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Passagiere zu gewährleisten und das Risiko von Verletzungen in Notfallsituationen zu minimieren. Die betroffenen Fluggesellschaften werden nun die notwendigen Schritte einleiten müssen, um die fehlerhaften Verriegelungen innerhalb der vorgegebenen Frist auszutauschen. Es bleibt abzuwarten, ob es in Zukunft weitere Massnahmen geben wird, um die Konstruktion und Fertigung von Flugzeugkomponenten zu verbessern und ähnliche Vorfälle zu verhindern.