McDonnell Douglas DC-10F (Foto: Dylan Ashe).
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FAA ordnet sofortige Inspektion der Douglas DC-10 wegen befürchteter Triebwerkspylon-Probleme an

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Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hat ihre dringende Notfall-Anweisung, die zunächst die Frachtflotte der McDonnell Douglas MD-11F betraf, auf die älteren Douglas DC-10-Varianten ausgeweitet. Dieser Schritt folgt auf den tragischen Absturz von UPS Airlines Flug 2976 in Louisville, bei dem ein Triebwerk und der dazugehörige Pylon kurz nach dem Start vom Flügel der MD-11F abrissen. Die FAA befürchtet nun, dass ähnliche Konstruktionsmerkmale der Triebwerkspylone bei beiden Tri-Jet-Modellen das gleiche Risiko eines katastrophalen Triebwerksverlusts bergen könnten.

Die Ausweitung der Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung (Emergency Airworthiness Directive, EAD) auf die DC-10 erfordert von den Betreibern umgehende Inspektionen und gegebenenfalls Korrekturmaßnahmen. Solange diese strengen Prüfungen nicht erfolgreich abgeschlossen sind, gilt für die betroffenen DC-10-Flugzeuge ein Flugverbot. Während die DC-10, ein Flugzeugtyp mit einer bereits historisch belasteten Sicherheitsbilanz, nur noch in geringer Zahl im Einsatz ist, führt die Anweisung bei den verbleibenden Frachtfluggesellschaften zu sofortigen logistischen und operationellen Störungen. Die FAA wählt damit einen vorsorglichen Weg, um die Sicherheit im Flugbetrieb zu gewährleisten, bis die genaue Ursache für das Versagen des Pylons am verunglückten MD-11F-Frachter vollständig geklärt ist.

Die Kettenreaktion nach dem Louisville-Absturz

Die aktuelle Krise begann mit dem Unfall von UPS Airlines Flug 2976, einem MD-11F-Frachter, der kurz nach dem Start in Louisville ein Triebwerk und den Pylon verlor, was zum Tod der dreiköpfigen Besatzung und mehrerer Personen am Boden führte. Als unmittelbare Folge dieses Unglücks forderte Boeing (als Nachfolger von McDonnell Douglas) die Betreiber der MD-11F-Flotte auf, den Flugbetrieb für eine detaillierte technische Analyse der Triebwerkspylone vorübergehend einzustellen. Die erste Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung der FAA setzte diesen Aufruf in eine behördliche Anweisung um und führte zur sofortigen Stilllegung der betroffenen MD-11F-Flugzeuge.

Die technische Analyse der Unfallursache lenkte schnell die Aufmerksamkeit auf die Gemeinsamkeiten in der Konstruktion der Pylone. Die MD-11 und die DC-10 teilen sich nicht nur ein gemeinsames Musterzulassungszertifikat (Type Certificate), sondern auch eine eng verwandte Pylon-Architektur. Dies führte Ingenieure rasch zu der Schlussfolgerung, dass die auf der MD-11 festgestellte unsichere Bedingung auch für die gesamte Tri-Jet-Familie gelten könnte. Die DC-10, deren Baujahr bis in die späten 1960er Jahre zurückreicht und die bereits in der Vergangenheit mit strukturellen und designbedingten Sicherheitsfragen konfrontiert war (man denke an die historischen Rumpffracht-Türprobleme), wird nun erneut auf strukturelle Integrität geprüft.

Die neue, erweiterte Notfall-Anweisung ersetzt die vorherige und untersagt nun auch den Flugbetrieb der betroffenen DC-10-Flugzeuge, bis die vorgeschriebenen, strengen Inspektionen bestanden sind und identifizierte Mängel behoben wurden.

Unmittelbare Folgen für den Frachtverkehr

Die weitreichende Anweisung trifft eine kleine, aber wichtige Gruppe von Frachtfluggesellschaften, die noch immer auf die alternden Tri-Jets der DC-10 und MD-11 angewiesen sind. Obwohl die DC-10 nur noch in geringer Zahl betrieben wird und das Gesamtrisiko im Vergleich zu weit verbreiteten Flugzeugtypen begrenzt ist, sind die operativen Auswirkungen für die betroffenen Carrier erheblich.

Die unmittelbare Konsequenz ist eine erzwungene Stilllegung von Flugzeugen. Fluggesellschaften müssen:

  1. Flugzeuge stilllegen: Die betroffenen Maschinen dürfen erst nach erfolgreicher Inspektion durch FAA-zugelassene Verfahren und Beseitigung etwaiger Mängel wieder starten.
  2. Lieferketten umleiten: Die plötzliche Kapazitätslücke führt zu unmittelbaren Störungen der Flugpläne und erfordert die schnelle Umleitung von Fracht auf andere Flotten oder die Anmietung von Ersatzkapazitäten, was zu Vertragsstrafen führen kann.
  3. Wartungslogistik mobilisieren: Wartungsunternehmen müssen kurzfristig erfahrene Techniker, Spezialwerkzeuge und oft schwer verfügbare Ersatzteile für die Inspektion der Triebwerkspylone bereitstellen. Dies bindet Hangarkapazitäten und Arbeitskräfte, die in der Frachtbranche ohnehin knapp bemessen sind.

Experten gehen davon aus, dass die verstärkte Kontrolle durch Versicherungen und Leasinggeber die Betreiber zu einer Neubewertung der wirtschaftlichen Lebensdauer ihrer klassischen Tri-Jets zwingen wird. Die Notwendigkeit hoher Investitionen in die Einhaltung der neuen Vorschriften könnte dazu führen, dass einige Fluggesellschaften ihre bestehenden Außerdienststellungspläne beschleunigen, anstatt die Kosten für die Konformität in Flugzeuge zu investieren, die sich ohnehin dem Ende ihrer Nutzungsdauer nähern. Kurzfristig führt die EAD zu einer Verknappung der Großraumfrachter-Kapazität und zu steigenden Kosten im Frachtbetrieb. Langfristig könnte sie den Abschied dieser älteren Flugzeuggeneration aus dem regulären Dienst einleiten.

Die FAA-Entscheidung: Vorsorge gegen einen „Common Cause“-Fehler

Die Notfall-Anweisung der FAA beruht auf dem Prinzip des „Common Cause“-Versagensrisikos. Da die anfänglichen Unfalluntersuchungen des UPS MD-11F auf einen katastrophalen Triebwerksfehler hinwiesen, bei dem das Triebwerk und der Pylon während des Starts abgerissen sind, zogen die Luftfahrtingenieure schnell eine Parallele zur verwandten DC-10-Konstruktion.

Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisungen werden nur bei unmittelbaren Gefahren erlassen, die die Fortsetzung des sicheren Fluges und die Landung eines Flugzeugs gefährden könnten. Der Verlust eines Triebwerks mitsamt Pylon während einer kritischen Flugphase wie dem Start stellt zweifellos eine solche Gefahr dar. Die FAA entscheidet sich hier für einen vorsorglichen Ansatz, um das Risiko eines Wiederholungsfalls in der gesamten Tri-Jet-Familie zu eliminieren. Anstatt abzuwarten, bis sich weitere Anzeichen dafür zeigen, dass die DC-10-Flotte betroffen ist, wird der Betrieb vorsorglich untersagt, bis die strukturelle Integrität durch rigorose Inspektionen nachgewiesen ist. Das Hauptziel der FAA ist es nun, die Risiken sofort einzudämmen und dann gemeinsam mit Boeing und den Betreibern längerfristige technische Lösungen zu erarbeiten, sobald die endgültige Ursache des Pylon-Versagens vollständig identifiziert und verstanden wurde.

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