Fire-Fighter Trainer in Astana (Foto: Jan Gruber).
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FAA warnt vor steigender Brandgefahr durch Lithiumbatterien an Bord von Flugzeugen

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Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) hat eine neue Sicherheitswarnung an Fluggesellschaften herausgegeben, die die wachsende Brandgefahr durch Lithiumbatterien an Bord von Verkehrsflugzeugen unterstreicht. In einem sogenannten FAA Safety Alert for Operators (SAFO) werden Airlines dringend aufgefordert, ihre Verfahren zur Risikominimierung zu verschärfen, die Schulungen der Besatzungen zu überprüfen und die Fluggäste besser über den sicheren Umgang mit elektronischen Geräten zu informieren.

Die Behörde stellt fest, daß sogenannte Thermal Runaway-Ereignisse – die unkontrollierbare Überhitzung von Batterien bis zur Entzündung – eine ernste Gefahr in Passagierkabinen und Frachträumen darstellen. Der Zeitpunkt der Warnung spiegelt die Zunahme der Vorfälle wider; allein im Jahr 2025 wurden den FAA-Daten zufolge etwa 50 Fälle von Rauchentwicklung, Bränden oder Überhitzung durch Lithium-Ionen-Batterien bei US-Fluggesellschaften und Frachtunternehmen gemeldet. Einige dieser Vorfälle führten zu Notlandungen und Verletzungen von Passagieren.

Die wachsende Bedrohung: Zunahme der Zwischenfälle

Die Warnung der FAA ist eine direkte Reaktion auf eine steigende Zahl von Zwischenfällen, die durch Lithiumbatterien verursacht werden. Diese Batterien, die von Smartphones über E-Zigaretten bis hin zu Laptops und medizinischen Geräten nahezu alles antreiben, sind aus dem modernen Reiseverkehr nicht mehr wegzudenken. Die schiere Menge dieser Geräte an Bord von Flugzeugen erhöht statistisch die Wahrscheinlichkeit eines Defekts. Ein aktueller Fall, über den die FAA berichtet, ereignete sich am 5. August 2025, als das Mobiltelefon eines Passagiers auf einem American Airlines-Flug von Dallas nach Madrid überhitzte. Es kam zu Rauchentwicklung in der Kabine, ein Passagier wurde verletzt, und die Beschädigung des Flugzeugbodens führte zu einer erheblichen Flugverzögerung. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich weniger als einen Monat zuvor, als ein Laptop auf einem Flug von Chicago nach Portland überhitzte. Obwohl die Besatzung das Gerät in einen speziellen Brandschutzbeutel in der Bordtoilette verbrachte, spitzte sich die Lage so zu, daß die Piloten zu einer Notlandung in Casper, Wyoming, gezwungen waren.

Während die meisten dieser Zwischenfälle in der Passagierkabine auftreten, stellen auch Frachtsendungen eine Gefahr dar. Im Januar 2024 entdeckten Arbeiter von FedEx in Kalifornien Flammen in einem Paket, das aus Seoul eingetroffen war. Die Ermittlungen ergaben, daß es fünf nicht ordnungsgemäß deklarierte und verpackte Lithium-Ionen-Batterien enthielt. Solche Vorfälle zeigen, daß das Problem über die Passagiere hinausgeht und die gesamte Logistikkette betrifft.

Drei Säulen der Risikominimierung: Schulung, Verfahren und Kommunikation

Die jüngste FAA-Warnung, das SAFO 25002, identifiziert drei zentrale Bereiche, in denen Fluggesellschaften dringend handeln müssen. Zunächst sollen die Airlines ihre Sicherheitsrisikobewertungen gemäß den bundesstaatlichen Vorschriften aktualisieren. Dabei soll insbesondere berücksichtigt werden, wo Passagiere ihre Geräte verstauen, zum Beispiel in Gepäckfächern, wo ein Brand nicht sofort entdeckt werden kann. Die Agentur fordert die Fluggesellschaften auf, die Brandbekämpfungsprotokolle zu aktualisieren und Schulungen für die Besatzung aufzufrischen, da Lithiumbatteriebrände sich grundlegend von anderen Kabinenbränden unterscheiden.

Die zweite Säule betrifft die spezifische Brandbekämpfung. Die FAA betont, daß herkömmliche Halon-Feuerlöscher, die bei vielen anderen Bränden wirksam sind, bei einem Thermal Runaway-Ereignis nicht ausreichen. Sie können die Überhitzung einer Batterie nicht stoppen. Um eine erneute Entzündung zu verhindern, ist die Kühlung mit Wasser unerläßlich. Diese spezifische Vorgehensweise erfordert eine spezielle Schulung des Kabinenpersonals. Die Besatzung muß in der Lage sein, die Art des Brandes schnell zu identifizieren und die richtigen Mittel zu seiner Bekämpfung einzusetzen.

Die dritte und letzte Säule ist die verstärkte Sensibilisierung der Passagiere. Die FAA fordert die Fluggesellschaften auf, ihre Fluggäste durch Ansagen, Sicherheitshinweise und auf ihren Websites darüber zu informieren, warum elektronische Geräte mit Lithiumbatterien während des Fluges immer zugänglich bleiben sollten. Passagiere sollen wissen, wie sie sich verhalten müssen, falls ein Gerät zu überhitzen beginnt. Branchenexperten wie der Luftfahrtsicherheitsexperte John Cox weisen darauf hin, daß die Passagiere oft unwissend über die Gefahren sind. „Viele Menschen wissen immer noch nicht, wie ernst ein rauchender Laptop oder ein rauchendes Telefon sein kann“, so Cox in einem früheren Bericht. „Der Schlüssel ist die schnelle Erkennung und sofortiges Handeln.“

Ein Blick in die Vergangenheit: Regulierungen und fortlaufende Überwachung

Die FAA verfolgt Zwischenfälle mit Lithiumbatterien seit 2006 und unterhält eine öffentliche Datenbank, die einen stetigen Anstieg der Vorfälle dokumentiert. Dieser Anstieg korreliert mit der zunehmenden Verbreitung und der höheren Leistungsfähigkeit der Geräte. In den letzten Jahren haben Aufsichtsbehörden weltweit bereits Maßnahmen ergriffen. So ist die Mitnahme von Ersatz-Lithiumbatterien im aufgegebenen Gepäck verboten und diese müssen im Handgepäck mitgeführt werden, wo die Besatzung im Notfall eingreifen kann.

Der Ton des aktuellen FAA-SAFOs deutet auf eine wachsende Sorge innerhalb der Aufsichtsbehörde hin. Obwohl noch keine neuen, strikteren Vorschriften erlassen wurden, ist der Druck auf die Fluggesellschaften spürbar. Die Agentur betont, daß ein Thermal Runaway ohne Vorwarnung auftreten kann und nur eine Kombination aus Vorbereitung, Schulung und klarer Kommunikation mit den Passagieren eine wirksame Risikominimierung ermöglicht. Angesichts der Dutzenden von schwerwiegenden Vorfällen allein in diesem Jahr scheinen die Aufsichtsbehörden entschlossen, die Fluggesellschaften, Hersteller und Passagiere weiterhin in die Pflicht zu nehmen, um die Gefahr von Bränden an Bord zu reduzieren. Die jüngste Warnung ist ein klares Signal, daß die Thematik der Lithiumbatterie-Sicherheit in der zivilen Luftfahrt weiterhin eine hohe Priorität genießt.

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