Tür einer Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).
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Ferienflieger: Corendon und Sunexpress im Vergleich

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Corendon Airlines und Sunexpress liefern sich besonders ab Deutschland einen scharfen Wettbewerb um die Gunst der Passagiere und Reiseveranstalter im Deutschland-Türkei-Verkehr. Auch ab zahlreichen anderen Staaten ist man in diesem Segment aktiv. Die Geschäftsmodelle sind vergleichbar, jedoch wo liegen eigentlich die Unterschiede?

Die Wurzeln beider Konzerne liegen im klassischen Chartergeschäft. Sunexpress wurde Ende der 1980er-Jahre als gemeinsame Charterfluggesellschaft von Lufthansa und Turkish Airlines ins Leben gerufen. Bis heute hat das Joint-Venture Bestand, jedoch hat sich das Geschäftsmodell bereits vor langer Zeit gewandelt. Mittlerweile führt Sunexpress Charterflüge nur noch in Ausnahmefällen durch, denn man fliegt eigenen Angaben nach fast ausschließlich Linienflüge. Auf diese buchen auch Reiseveranstalter ihre Kunden. Einige Jahre lang hatte man unter dem Namen Sunexpress Deutschland auch einen Ableger mit deutschem AOC, jedoch wurde dieser im Zuge der Corona-Pandemie dichtgemacht und aufgelöst.

Auch Corendon war eine Charterfluggesellschaft

Auch Corendon startete zunächst im Chartergeschäft, prescht jedoch ebenfalls seit einigen Jahren stark in den Einzelplatzverkauf. Die Marke Sunexpress ist im deutschen Sprachraum definitiv bekannter und hinsichtlich dem Direktvertrieb besser aufgestellt als der Herausforderer, der sich im Besitz zweier Geschäftsleute befindet. Allerdings unterhält man nebst dem türkischen AOC auch zwei Flugbetriebe mit EU-Zertifikaten. Dabei handelt es sich um die maltesische Corendon Airlines Europe und die niederländische Corendon Dutch Airlines. Dieser Umstand ist gegenüber Sunexpress ein Wettbewerbsvorteil, da die EU-AOCs die eigenwirtschaftliche Bedienung zahlreicher Routen ab dem Gebiet der Europäischen Union ermöglichen. Sunexpress muss hierfür auf Kooperationen zurückgreifen. Beispielsweise arbeitet man im Deutschland-Bulgarien-Verkehr mit Electra Airways zusammen und auf den Deutschland-Ägypten-Flügen setzt man zum Beispiel auf Air Cairo.

Das Grundprinzip von Sunexpress und Corendon ist aber absolut vergleichbar, denn beide Konzerne stellen sich selbst explizit als Urlaubscarrier, also als Ferienflieger dar. Die Tarifsysteme sind auf die Bedürfnisse von Urlaubern ausgerichtet. Die Boardservices sind ebenfalls nicht sonderlich spannend, denn von beiden Fluggesellschaften darf man sich nicht sonderlich viel erwarten. Es geht darum möglichst viele Urlaubssuchende so günstig wie möglich ans Meer und sicher wieder nach Hause zu bringen. Die Streckennetze haben auch den Nebeneffekt, dass sowohl Corendon als auch Sunexpress auf einen nicht gerade unerheblichen Anteil an Heimatbesuchern, also den so genannten Visit-Friends-and-Relatives-Verkehr, setzen können. In diesem Segment erzielt man die meisten Direktbuchungen, denn diese Kundengruppe benötigt am Zielort so gut wie nie ein Hotel. Zwar wächst bei beiden Konzernen der Anteil der individualreisenden Touristen stark, aber der Löwenanteil der Buchungen wird im Rahmen von Pauschalreisen über Tour Operators getätigt.

Boeing 737-800 (Foto: Steffen Lorenz).

Löwenanteil der Buchungen über Reiseveranstalter

Die Tarifsysteme im Einzelplatzverkauf sind ähnlich, jedoch gibt es einige signifikante Unterschiede. Sunexpress verlangt in den meisten Buchungsklassen, dass vorab über das Internet eingecheckt wird, da ansonsten am Schalter eine Gebühr anfällt. Davon ausgenommen sind Verbindungen innerhalb der Türkei. Bei Corendon wird für den klassischen Schalter-Check-in nichts extra verlangt, jedoch hat man auch abgespeckte Tarife, die mit jenen des Konkurrenten zumindest vergleichbar sind. Aufgrund des Umstands, dass die überwiegende Mehrheit der Passagiere der beiden Konzerne über Reiseveranstalter bucht, ist es wenig zielführend die Einzelplatz-Tarifklassen, die sich ohnehin laufend – und zumeist zu Ungunsten der Passagiere – ändern, im Detail mit einander zu vergleichen. Bei Veranstalterbuchungen und sowieso bei Vollcharterflügen gelten jene Konditionen, die der Tour Operator mit der Fluggesellschaft vereinbart hat. Das ist auch der Grund dafür, dass es nicht gerade selten dazu kommen kann, dass auf der Buchungsbestätigung des Reiseveranstalters Freigepäckmengen genannt werden, die so in dieser Form auf der Homepage der jeweiligen Airline nicht zu finden sind. Seitens Sunexpress wird dazu erklärt: „SunExpress vereinbart keine bilateralen Tarifpakete mit Reiseveranstaltern oder Reisebüros. Reiseveranstalter aus dem deutschsprachigen Raum buchen für ihre Kunden bei SunExpress klassischerweise im „SunValue“-Tarif – dieser beinhaltet zum Beispiel 20 kg Freigepäck – genau die gleiche Menge wie auf der SunExpress Webseite ausgewiesen und auch direkt buchbar. Die Tarifpakete sind sorgfältig auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden abgestimmt und bieten eine große Auswahl aus verschiedenen Optionen für Freigepäck, Sitzplatzreservierungen, Check-in und Umbuchungsmöglichkeiten.“

Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).

Snacks und Getränke kosten extra

Sowohl Sunexpress als auch Corendon setzen auf den Kurz- und Mittelstreckenflügen auf Buy-On-Board-Catering. Gegebenenfalls sind reine Vollcharterflüge davon ausgenommen, sofern der Reiseveranstalter inkludierte Getränke und Snacks für seine Passagiere bestellt. Mittlerweile ist auch das sehr selten geworden, denn es kostet Geld und auch Tour Operators wissen, dass die Erwartungen der Pauschalurlauber nicht sonderlich hoch sind. Beide Fluggesellschaften bieten ihren Reisenden auch die Möglichkeit vorab Wunschmahlzeiten laut jeweiligem Angebot vorzubestellen. „SunExpress versteht sich als Value Carrier mit einem großen Angebot und individuellen Zusatzleistungen. Dazu gehört neben Priority-Paketen mit bevorzugtem Check-In, Boarding und Gepäckausgabe auch die Möglichkeit, Mahlzeiten auf Wunsch vorab zu buchen. Zusätzlich steht den Fluggästen natürlich auch ein Buy-On-Board-Catering zur Verfügung“, so eine Sprecherin der Sunexpress Airlines.

Somit ist das reine Flugprodukt absolut vergleichbar. Sowohl die Airlines der Corendon-Gruppe als auch Sunexpress fliegen Passagiere von Airports in Westeuropa an Ferienorte. Im Sommer liegt der Schwerpunkt der Streckennetze auf Zielen in der Türkei, beispielsweise Antalya und Izmir. Corendon bedient auch einige Airports, an denen man in Deutschland nebst Ryanair der einzige Anbieter ist. In Summe hat aber Sunexpress mehr deutsche Flughäfen im Streckennetz. Corendon setzt – nebst großen Airports wie Amsterdam – explizit auch auf kleine Flughäfen in den Regionen. Dort hat man, sofern nicht gerade auch Freebird und/oder Pegasus oder Turkish Airlines aktiv sind, wesentlich weniger Wettbewerb, jedoch ist die Nachfrage in Richtung Türkei dennoch vorhanden. In den letzten Jahren ist Corendon Airlines Europe ab deutschen Regionalflughäfen zunehmend in Richtung Griechenland und Ägypten expandiert. Dies ermöglichen sowohl das niederländische als auch das maltesische AOC. Sunexpress hat in Deutschland auch kleinere Airports wie Erfurt, Dresden, Saarbrücken, Paderborn und Münster/Osnabrück im Portfolio.

Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).

Corendon Dutch bietet auch Langstreckenflüge an

Ein Unikum sind die von Corendon Dutch Airlines angebotenen Curaçao-Flüge ab Amsterdam-Schiphol. Da der Corendon-Konzern im Eigenbetrieb auf die Muster Boeing 737NG und 737-Max setzt, hat man kein geeignetes Fluggerät für diese Verbindung in der Flotte. Seit längerer Zeit hat man für diese Route World2Fly mit Airbus A350 im Wetlease. Es handelt sich bislang um die einzige Langstreckenverbindung des Corendon-Konzerns. Laut Geschäftsleitung soll sich diese starker Auslastung erfreuen.

Sunexpress war in der Vergangenheit ebenfalls auf der Langstrecke aktiv. Der mittlerweile aufgelöste Deutschland-Ableger hat für einige Jahre den Maschinentyp Airbus A330 für Eurowings betrieben. Die Lufthansa-Billigtochter hat das Long-Haul-Business komplett aufgegeben. Als Ersatz wurde Discover Airlines ins Leben gerufen, jedoch sind sowohl das Geschäftsmodell als auch das Streckennetz nicht miteinander vergleichbar.

Ist nun Sunexpress oder Corendon Airlines die bessere Wahl für den Ferienflug? Diese Frage lässt sich schlichtweg nicht pauschal beantworten, da es hinsichtlich dem reinen Flugprodukt kaum Unterschiede gibt es sich schlichtweg um einen Transport von A nach B handelt. Viele Zusatzleistungen, beispielsweise Snacks und Getränke an Bord, sind kostenpflichtig. Auch hinsichtlich der eingesetzten Flotte gibt es keine Unterschiede, denn beide Konzerne setzen auf Boeing 737NG und 737-Max. Allerdings kommt es bei beiden Airline-Gruppen in der Hauptsaison zu Wetlease-Einsätzen, die umgangssprachlich auch Subcharter genannt werden. Je nach „Partner“ kann es dann hinsichtlich des Zustands der Kabine und des Maschinentyps dann doch zu erheblichen Unterschieden kommen. Bei Corendon ist der Anteil der Wetlease-Einsätze in der Hochsaison im direkten Vergleich mit Sunexpress erheblich höher, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass man mit mit einer anderen Airline als gebucht fliegt, wesentlich höher ist. „SunExpress führt die große Mehrheit der Flüge selbst durch. Der Anteil an Flügen, die von einem Partner per Wetlease durchgeführt werden, liegt bei unter 5 %. Diese Partner wählt SunExpress sehr sorgfältig aus einem Pool professioneller ACMI-Anbieter aus. Übrigens hat SunExpress auch in der Vergangenheit die eigenen Kabinencrews auf Wetlease-Flügen eingesetzt. SunExpress nutzt ACMI, um der hohen Kundennachfrage nach Urlaubsflügen im Sommer gerecht zu werden“, beschreibt eine Sprecherin die Situation beim Mitbewerber Sunexpress.

Boeing 737-Max-9 (Foto: Corendon Dutch Airlines).

Fazit: Bitte keine hohen Erwartungen haben

Wer keine sonderlich hohen Erwartungen an seinen Flug hat, ist sowohl bei Corendon als auch bei Sunexpress gleichermaßen gut aufgehoben. Es handelt sich um Ferienflieger und keine Ultra-Luxus-Carrier. Das sollte einem bereits bei der Buchung bewusst sein. Ob dann nun Sunexpress oder Corendon am Rumpf steht, macht abgesehen von minimalistischen Tarifunterschieden (z.B. kostenpflichtiger Schalter-Check-in) nicht wirklich einen relevanten Unterschied. Beide Carrier nehmen an den Vielfliegerprogrammen der großen Konzerne, beispielsweise Miles&More, nicht teil, sondern haben ihre eigenen Kundenbindungsprogramme.

Bemerkenswert ist, dass sowohl Corendon Airlines als auch Sunexpress an Bord einen erheblichen Unterschied machen, ob man Snacks und Getränke mit Bargeld oder mit Karte bezahlt. Beim zuerst genannten Carrier sind derartige Einkäufe bei bargeldloser Zahlung im Schnitt um einen Euro günstiger und Sunexpress schreibt in der Speisekarte, dass bis zu 20 Prozent Preisnachlass gewährt werden, wenn man mit Debit- oder Kreditkarte bezahlt. Ganz auf „cash“ kann man im Segment Ferienflüge wohl dann doch nicht verzichten, aber man will es den Kunden offensichtlich schmackhaft zu machen bargeldlos zu bezahlen…

Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).
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