ATR72-500 (Foto: MarcelX42).
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Finanzielle Einigung in der Kanalinsel-Luftfahrt: Guernsey Ports schließt Schuldenstreit mit Flugzeugeigentümern ab

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Die Insolvenz der Regionalfluggesellschaft Blue Islands hat die Luftverkehrsinfrastruktur der Kanalinseln vor erhebliche logistische und finanzielle Herausforderungen gestellt. Nach wochenlangen Verhandlungen konnte der staatliche Betreiber Guernsey Ports nun eine Einigung mit den Eigentümern zweier festgesetzter Flugzeuge des Typs ATR 72 erzielen. Durch diesen Vergleich wird ein Großteil der ausstehenden Gebühren beglichen, was die Freigabe der Maschinen ermöglicht.

Der Zusammenbruch von Blue Islands am 14. November 2025 hatte nicht nur den lokalen Flugverkehr zwischen Guernsey und Jersey zum Erliegen gebracht, sondern auch weitreichende Folgen für den britischen Regionalverkehr und die Anbindung an den Flughafen London Gatwick. Während die juristischen Auseinandersetzungen um die Altschulden beigelegt werden, ordnet die Regierung von Guernsey den Markt neu: Die Flugverbindung nach Jersey wurde als essenziell eingestuft, und die staatseigene Fluggesellschaft Aurigny Air Services erhielt bereits die erste entsprechende Lizenz für den Linienbetrieb ab Januar 2026.

Juristische Komplexität und finanzielle Sicherung

Der Fall Blue Islands verdeutlicht die Komplexität internationaler Leasingstrukturen im Luftverkehr. Nachdem die Fluggesellschaft ihren Betrieb abrupt einstellen musste, blieben zwei Turboprop-Maschinen auf dem Rollfeld von Guernsey zurück. Es handelt sich dabei um eine ATR 72-500, die sich im Besitz von Abelo Capital Aviation befindet, und eine modernere ATR 72-600, die Jetstream Aviation Capital gehört. Guernsey Ports hatte von seinem Recht Gebrauch gemacht, die Maschinen als Pfand für unbezahlte Lande- und Abfertigungsgebühren zurückzuhalten.

Mark Helyar, Präsident des Trading Supervisory Board und zuständig für die Überwachung des Flughafens, bezeichnete die nun getroffene Vereinbarung als sehr positiv für die Insel. Obwohl die genaue Höhe der ausstehenden Summen unter Verweis auf kaufmännische Vertraulichkeit nicht veröffentlicht wurde, bestätigte Helyar, dass fachkundige juristische Unterstützung durch die örtlichen Behörden entscheidend war, um die Interessen der Steuerzahler zu wahren. Die Einigung sieht vor, dass die Eigentümer der Flugzeuge einen signifikanten Teil der Schulden übernehmen, im Gegenzug für die Erlaubnis, die Maschinen vom Inselflughafen abzuziehen. Während diese beiden Flugzeuge noch auf ihre Überführung warten, wurden drei weitere Maschinen des Typs ATR 72-500 bereits vom benachbarten Jersey aus an Standorte wie Exeter und Kopenhagen verlegt.

Auswirkungen auf den britischen Regionalmarkt und Ersatzkapazitäten

Die Erschütterungen durch das Ende von Blue Islands reichten weit über die Kanalinseln hinaus bis auf das britische Festland. Besonders betroffen zeigt sich der Anbieter Skybus, der ursprünglich plante, eine ATR 72 von Blue Islands im Rahmen eines Wet-Lease-Vertrags einzusetzen. Dieser Plan war Teil der Übernahme einer staatlich geförderten Route von Newquay nach London Gatwick, die zuvor durch die ebenfalls insolvente Eastern Airways bedient worden war.

Um den Flugbetrieb auf dieser strategisch wichtigen Verbindung aufrechtzuerhalten, musste Skybus zu drastischen und kostspieligen Maßnahmen greifen. Das Unternehmen mietete kurzfristig deutlich größeres Fluggerät an, darunter eine Boeing 737-800 von Ascend Airways sowie eine Embraer 190 und einen Airbus A320 von Titan Airways. Zeitweise kam sogar eine Boeing 737-300 von Jet2 zum Einsatz. Der Einsatz dieser großen Düsenflugzeuge auf einer Strecke, die normalerweise für kleinere Regionalmaschinen ausgelegt ist, unterstreicht den hohen logistischen Druck, der durch den plötzlichen Kapazitätswegfall entstanden ist. Die Suche nach einer langfristigen, wirtschaftlich rentablen Lösung für die Regionalanbindung bleibt für die betroffenen Flughäfen in Cornwall und London eine Priorität.

Neustrukturierung der Flugverbindungen zwischen den Inseln

In Guernsey hat die Regierung auf den Wegfall des Wettbewerbs durch Blue Islands mit einer regulatorischen Neuausrichtung reagiert. Die Verbindung zwischen Guernsey und Jersey, die bis vor Kurzem als kommerzielle Route ohne spezielle staatliche Auflagen galt, wurde offiziell als essenziell deklariert. Dies bedeutet, dass Fluggesellschaften nun eine spezifische Lizenz der Transport Licensing Authority benötigen, um diesen Dienst anzubieten.

Nach dem Aus von Blue Islands stießen zunächst Aurigny Air Services und die schottische Loganair in die Marktlücke vor. Die nun erfolgte Vergabe der Lizenz an Aurigny für den Zeitraum ab dem 15. Januar 2026 signalisiert den Wunsch der Regierung nach Stabilität und einer zuverlässigen Grundversorgung. Loganair, die ebenfalls einen Antrag eingereicht hat, muss sich gedulden, da die Behörden die Anträge nach der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeiten. Dennoch bleibt Loganair ein wichtiger Akteur, da die Gesellschaft auch eine Lizenz für die wichtige Verbindung nach Southampton beantragt hat, auf der sie derzeit keine Konkurrenz durch lokale Anbieter fürchtet.

Wirtschaftliche Stabilisierung der Flughafenbetriebe

Für Guernsey Ports stellt die Einigung mit den Leasinggebern einen wichtigen Schritt zur Konsolidierung der eigenen Finanzen dar. Regionalflughäfen sind in hohem Maße von den regelmäßigen Gebührenzahlungen ihrer Hauptnutzer abhängig. Der Ausfall einer Fluggesellschaft kann erhebliche Löcher in die Haushalte der Infrastrukturbetreiber reißen, die letztlich durch öffentliche Mittel ausgeglichen werden müssten. Durch die konsequente Durchsetzung der Pfandrechte und die anschließende Verhandlungslösung konnte Guernsey einen Präzedenzfall schaffen, wie mit den Hinterlassenschaften insolventer Flugbetriebe umzugehen ist.

Die Stabilisierung des Flugplans ist zudem von hoher Bedeutung für den Finanzplatz Guernsey und den Tourismussektor. Die Anbindung an London und die Nachbarinseln gilt als logistische Lebensader für die lokale Wirtschaft. Die Vergabe der Lizenz an Aurigny sichert nicht nur Arbeitsplätze vor Ort, sondern garantiert auch, dass die Erlöse aus dem Flugbetrieb verstärkt in der lokalen Wirtschaft verbleiben. Es wird erwartet, dass die ATR-Flotte von Aurigny, die sukzessive modernisiert wurde, die Kapazitäten auf der Strecke nach Jersey effizient abdecken kann.

Strategische Ausrichtung der Regionalanbieter

Der Zusammenbruch von Blue Islands spiegelt einen breiteren Konsolidierungstrend im europäischen Regionalflugverkehr wider. Hohe Betriebskosten, technischer Wartungsaufwand für ältere Turboprop-Modelle und der Wettbewerb durch größere Anbieter setzen spezialisierte Insel-Fluggesellschaften unter Druck. Loganair nutzt diese Situation, um ihre Präsenz im Süden des britischen Luftraums auszubauen und sich als verlässlicher Partner für staatlich geförderte Routen zu positionieren.

Für die Bewohner und Unternehmen der Kanalinseln bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Phase des Übergangs. Während die rechtlichen Altlasten der Blue-Islands-Insolvenz schrittweise abgetragen werden, entsteht ein neues Gefüge aus staatlich regulierten essenziellen Routen und privaten Anbietern. Die erfolgreiche Freigabe der ATR-Maschinen markiert das Ende der unmittelbaren Krisenbewältigung am Flughafen Guernsey und ermöglicht den Fokus auf den operativen Neustart im Jahr 2026. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das neue Lizenzmodell die gewünschte Stabilität bringt oder ob weitere Anpassungen im Streckennetz erforderlich sein werden, um die Anbindung der Inseln langfristig auf hohem Niveau zu halten.

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